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CD-Kritik – Storm Corrosion

Musik
Überblick
Item Reviewed

Storm Corrosion

Author
6. Mai 2012
Genre

Experimental, Prog-Rock

Jahr

2012


Steven Wilson & Mikael Akerfeldt schalten ein paar Gänge – und ein paar Jahrzehnte – zurück

Das Gipfeltreffen der Prog-Eminenz Steven Wilson (Porcupine Tree, No-Man) und Mikael Akerfeldt (Opeth) war seit Jahren versprochen. Star-Drummer Mike Portnoy ist nicht mehr, wie anfangs geplant, mit an Bord, und wenn man Storm Corrosion hört, versteht man schnell, warum.

Der im Vorfeld veröffentlichte Track „Drag Ropes“ hat nicht nur ein Video, das ein stimmungsvolles kleines Kunstwerk ist, sondern ist auch ein guter Indikator für die musikalische Richtung von Storm Corrosion. Die Kombination von Akerfeldts dramatischem Gesang und den atonalen Harmonien weckt anfänglich Erinnerungen an Scott Walkers musikalischen Höllentrip The Drift; Wilson und Akerfeldt sind aber mehr an atmosphärischen Retro-Klangcollagen interessiert als an avantgardistischen Experimenten – statt wie Scott Walker auf rüde verprügelte „Percussion-Schweinehälften“ setzen die beiden in ihren ausgedehnten Kompositionen auf mittelalterliche Flötenklänge, sphärische Pink Floyd-artige Gitarren und natürlich ihren besten Freund, das Mellotron.

youtube=http://www.youtube.com/watch?v=manW5v-AR7U&w=489&h=270

Keiner der sechs Songs hat auch nur im Ansatz etwas mit Metal zu tun, und Storm Corrosion klingt auch nur im weitesten Sinne nach Prog-Rock. Auch wenn beide Musiker dem Album ihren unverwechselbaren Stempel aufdrücken, klingt es nicht nach Opeth oder Porcupine Tree. Stattdessen haben die ausschweifenden Klangteppiche mehr mit dem Post-Rock von Explosions in the Sky oder Sigur Ros gemeinsam, wenn auch der Sound deutlicher an die Seventies angelehnt ist.

Vor allem aber erinnert Storm Corrosion an das aktuelle Album von Kate Bush. Auch 50 Words for Snow lässt sich von einem  spezifischen Vibe tragen, und lässt den Songs darüber hinaus freien Lauf, über Stil- und Zeitgrenzen hinaus vor sich hin zu wuchern. Die bewährte Methode, sich durch kurzes Anspielen der Songs ein Bild vom Album zu machen, ist hier wenig effektiv: Um einen echten Eindruck von Storm Corrosion zu bekommen, braucht es einen abgedunkelten Raum, eine gute Anlage und 50 Minuten in denen man sich mit nichts anderem beschäftigt.

Wie der Opener „Drag Ropes“ baut auch der Titeltrack eine komplexe, dichte Atmospäre auf; im Mittelteil gibt es außerdem ein Wiedersehen mit den dissonanten Drone-Crescendos von Wilsons erstem Solo-Album Insurgentes.

Das stimmungsvolle Highlight des Albums ist aber das groovig-psychadelische „Ljudet Innan“, auf dem Akerfeldt sich im Falsett-Gesang übt.

Hier kommen Akerfeld und Wilson endgültig auf Sigur Ros-Territorium an, wo sie sich offenbar so wohl fühlen, dass sie dort auch die hochemotionalen letzten Minuten des Albums verbringen.

„Happy“ (einer der irreführensten Song-Titel aller Zeiten!) und das verstörende „Hag“ mit seinem bizarren Lo-Fi-Jam klingen dagegen für sich genommen wie Fragmente oder Skizzen; erst im Gesamtkontext fügen sie sich mit dem Instrumental „Lock Step“ zu einer komplexen Suite zusammen, die ein passende Herzstück für Storm Corrosion bildet.

Bei ihrer ersten Zusammenarbeit (abgesehen von den Wilson-produzierten Opeth-Alben) haben die Köpfe von Opeth und Porcupine Tree ihrer Liebe für die Siebziger einmal mehr freien Lauf gelassen und dabei größtenteils auf komplexe Rhythmen und Arrangements verzichtet, zugunsten von atmosphärischen Klanglandschaften. Das Ergebnis ist vielleicht kein revolutionärer Meilenstein, aber die knapp 50 stimmungsvollen Minuten nehmen den Höhrer mit auf eine originelle und unerwarte Zeitreise: Während Opeth und Porcupine Tree wiederholt den Prog ins 21. Jahrhundert transportiert haben, beantworten Steven Wilson und Mikael Akerfeldt auf Storm Corrosion die Frage, wie wohl Post-Rock geklungen hätte, wenn es ihn schon in den 70ern gegeben hätte.

 

Anmerkung zur Deluxe Edition: Die zusätzliche Blu-ray enthält das Album in DTS-HD MA 5.1, PCM 5.1 und PCM 2.0. Die Surroundmischung ist sehr rund und atmosphärisch und macht deutlich mehr Spaß als der Stereo-Mix der CD. Die Extras fallen zwar mit ein paar Demo- und Instrumentalversionen etwas sparsamer aus als auf der Grace for Drowning Blu-ray, aber wenn man einen Blu-ray Player besitzt (oder plant sich in Zukunft einen zu kaufen) lohnt sich alleine für den besseren Klang das Upgrade. 

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