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CD-Kritik: Opeth – Heritage

Musik
Überblick
Item Reviewed

Opeth - Heritage

Author
14. September 2011
Genre

Prog-Metal

Jahr

2011

 Wer in den letzten Jahren die Entwicklung von Opeth nicht verfolgt hat, den erwartet mit dem neuen Album Heritage eine Überraschung. Von der progressiven Death Metal Band, die vor mehr als zehn Jahren die Meilensteine Still Life und Blackwater Park aufgenommen hat, ist hier so gut wie nichts mehr zu hören.

Schon auf dem letzten Live-Album haben die ehemals mächtigen Growls von Opeth-Chef (und Teilzeit-Grunzer für Bloodbath) Mikael Åkerfeld schwächer als gewohnt geklungen. Fans streiten sich, ob das nun am Stimmverschleiß liegt oder nur, wie er selbst sagt, nur an einem Problem mit dem Sound-Monitor.  Da Åkerfelds „cleaner“ Gesang aber von Album zu Album besser wird, war es keine dumme Entscheidung, sich erst mal von den Growls zu verabschieden.

Trotzdem wollte das Stockholmer Quintett zuerst ein Metal-Album im Stil der Vorgänger aufnehmen. Als eine Handvoll Songs geschrieben waren, ist Åkerfeld zu der Erkenntnis gekommen, dass er diesmal eigentlich andere Musik machen will. Das Ergebnis: Opeth haben alles über Bord geworfen, was sie zu einer Metal-Band gemacht hat – außer den langen Haaren.

Auch in einem komplett anderen Musikgenre klingt Heritage trotzdem völlig unverwechselbar wie ein Opeth-Album. Dem Titelstück, einer kleinen Klavier-Etüde, folgt die erste Single „The Devil’s Orchard“ – die auch ohne Growls und Metal-Riffs nicht so weit von „The Lotus Eater“ (Watershed) entfernt ist.

Opeth 2011: Da ist was im Busch

Viele der Opeth-Trademarks sind also klar rauszuhören. Das Songwriting und vor allem die Gesangsmelodien sind noch immer vorhanden. Metal oder nicht, Sänger und Songwriter Åkerfeld setzt die Entwicklung, die er vor drei Jahren mit dem letzten Album eingeschlagen hat, konsequent fort. Befürchtungen, dass Heritage klingt wie die oft zitierte Spinal Tap Mark II „Jazz Odyssey“ kann ich also zerstreuen.

Ein anderes Trademark-Element von Opeth sind die elaboraten Schlussteile: wo andere Bands zum Schlussakkord ansetzen, drehen Opeth oft erst richtig auf. Der Schluss von „Folklore“, dem vorletzten Song auf Heritage, ist eine klassische Opeth-Coda, und dazu eine ihrer besten: Ein eingängiges, hämmerndes Riff, unterlegt mit einem apokalyptischen Synth-Chor.

Was genau ist also anders?

Opeth hatten schon immer eine Vorliebe für den Sound für die Siebziger – man denke an Åkerfelds Mellotron-Fetisch – aber Heritage treibt das auf die Spitze und ist vom ersten bis zum letzten Ton ein unverhohlener Liebesbrief an das Jahrzehnt der Schlaghosen und Räucherstäbchen. Pate gestanden haben vor allem King Crimson und die Doors, aber auch Scott Walker und Elemente aus Folk und Jazz. Vor allem das Schlagzeug swingt und groovt. Drummer Martin „Axe“ Axenrot klingt oft, als würde er auf einem Steely Dan- oder Stevie Wonder-Album spielen.

Der kurze Uptempo-Track “Slither“ klingt mit der Kombination von Hammond-Orgel und angezerrter Gitarre ein bisschen wie ein unveröffentlichter Song von Ritchie Blackmores Rainbow – und beweist endgülig dass, wenn alle Stricke reißen, Opeth auch als Deep Purple-Coverband locker ihren Lebensunterhalt betreiten könnten.

Aber auch wenn das Album in einzelnen Passagen klar nach einer Hommage beziehungsweise retro klingt, ist Heritage durch und durch originell. So geht es nicht allen Bands, die so etwas versuchen: Als zum Beispiel die Prog-Metaller Dream Theater auf mehreren Alben Elemente von Muse und Coldplay in ihre Musik eingebaut haben, ging das auf Kosten ihrer musikalischen Identität.

Opeth haben genau das Gegenteil erreicht. Durch den Retro-Filter kristallisieren sich noch deutlicher die Elemente heraus, durch die die Schweden sich von anderen Death Metal- und Prog-Bands abheben, und die Opeth zu Opeth machen. Man könnte deshalb sogar behaupten, dass Heritage das „purste“ Opeth-Album ist – auch wenn dazu  die Metal-Puristen unter den Fans beherzt den Kopf schütteln werden (und zwar nicht von vorne nach hinten).

Immerhin werden auch die am Ende mit „Marrow of the Earth“ ein bisschen versöhnt:  Das ruhige, schwermütige Instrumental, das nicht zuletzt an „Patterns in the Ivy“ von Blackwater Park erinnert, ist der einzige Song von Heritage, der ohne Einschränkung auch auf die Vorgänger-Alben gepasst hätte.

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Unterm Strich

Mikael Akerfeldts Affäre mit dem Prog-Sound der 70er erreicht auf Heritage seinen vorläufigen Höhepunkt. Trotz einiger Längen ist das Experiment unterm Strich geglückt und die neuen Opeth klingen - auch ohne Death-Metal-Growls - noch immer nach Opeth.

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  • 14. September 2011 auf 23:21

    Grad vor zehn Sekunden habe ich Euren Blog aufgerufen und da stand, dass der Blog no longer available ist! War ein ganz schöner Schock!!

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