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CD-Kritik: Marillion – Sounds That Can’t Be Made

Musik
Überblick
Item Reviewed

Marillion: Sounds That Can't Be Made

Author
10. September 2012
Genre

Rock, Prog

Jahr

2012


Eine dichte, melancholische Grundstimmung und viele magische Momente machen die neue Marillion-CD zu einem der bemerkenswertesten Alben der letzten Jahre 

Marillion Sounds That Can't Be MadeMarillion sind ein Kuriosum; eine Band, die trotz einer unendlich treuen (wenn auch stetig alternden) Fangemeinde und einer der bemerkenswerten Diskographie der Musikgeschichte nie den verdienten großen Durchbruch geschafft hat. Vielleicht weil sie in 33 Jahren nur zwei erfolgreiche Singles hatten. Oder – noch wahrscheinlicher – es gibt ihnen niemand eine Chance, weil der Band noch aus alten Tagen immer das (unberechtigte) Image einer schwurbeligen, angestaubten Prog-Band anhaftet.

Um direkt auf den Punkt zu kommen: Nach dem etwas dem Klang-entrümpelten Song-Recycling Less is More ist Sounds That Can’t Be Made eine Rückkehr zu dem was Marillion am besten können. Die acht neuen Songs ergeben zusammen eins der interessantesten und besten Alben ihrer langen Karriere.

Statt dem abgespeckten, luftigen Sound und den verkürzten Songlängen von Less is More gehen die britischen Neoprog-Veteranan diesmal in die Gegenrichtung: Sounds That Can’t Be Made wartet mit bombastischen Arrangements und direkt drei Titeln jenseits der magischen zehn-Minuten-Grenze auf. Der bemerkenswerteste der drei „Epen“, das „pièce de résistance“ des Albums ist das 17-minütige „Gaza“.

„Gaza“ ist (Sänger und Texter) Steve Hogarths vehemente Kritik an den Zuständen im Israelisch besetzten Gasa-Streifen.  Der Text ist größtenteils in der ersten Person geschrieben und liest sich teilweise wie in Musik übersetzte Interviewtranskripte in gebrochenem Englisch:

We’re packed like chickens in this town of block cement
I get headache from the Diesel. When it rains, the sewers too
I had no idea what martyrdom meant
Until my older brother, my older brother
I’m sorry, I can’t continue

Hogarth packt die hochkontroverse Thematik sensibel und doch ohne Samthandschuhe an. Vor allem vermeidet er größtenteils, direkt mit dem Finger auf den Schuldigen zu zeigen und konzentriert sich stattdessen auf die untragbare Situation und ihre direkten und indirekten Folgen für die Bewohner Gazas. Musikalisch wechseln sich orientalisch angehauchte, dissonante Riffs mit stillen, teilweise schmerzhaft emotionalen Passagen ab. „Gaza“ funktioniert vor allem wie eine Suite, in der die Teile musikalisch und textlich aufeinander aufbauen.

Das ebenfalls überlange „Montréal“, eine poetische und sehr stimmige Vertonung des Touralltags, schlägt dagegen entspanntere Töne an und bewegt sich in Marillions gewohnten und bewährtem Klangspektrum.

Während sich die kürzeren Tracks, vor allem der Titelsong und das markante „Lucky Man“, als individuelle Songs nicht sehr vom Klang früherer Marillion-Alben abheben, läuft trotzdem ein klarer Faden durch das Album. Songs That Can’t Be Made ist ein melancholischeres und introspektiveres Album geworden, als man es von Marillion gewohnt ist (und das will was heißen!).

Das zeigt sich vor allem in der überbordenden Emotion in Songs wie „Pour My Love“, „Invisible Ink“ und dem meditativen Liebeskummer-Track  „The Sky Above The Rain“, der Gitarrist Steve Rothery erlaubt, das Album mit einem ausgedehnten, David Gilmour-esken Solo abzuschließen. Auch wenn Songs That Can’t Be Made über drei Jahre entstanden ist, klingt die Musik zum überwiegenden Teil wie aus einem Guss.

Leider wird der Sound bei lauteren Passagen manchmal etwas breiig und angezerrt. Die Nadel ist zwar nicht pausenlos im roten Bereich (der „Rick Rubin-Zone“) und viele der Songs klingen durchaus dynamisch, aber beispielsweise „Gaza“ ist viel zu laut gemastert.

Für viele Fans ist Sänger Steve „h“ Hogarth nach mehr als 20 Jahren in der Band noch immer „der Neue“ und die Band hat es nie geschafft, an den kommerziellen Erfolg der frühen Jahre  anzuknüpfen. Vielleicht hätten Marillion damals besser ihren Namen geändert; den Instrumentalsound haben sie zwar nicht grundlegend umgekrempelt, aber durch Hogarth haben Texte und Musik eine wehmütige und verletzliche Komponente bekommen, die eher an Thom Yorke (Radiohead) erinnert als an Ur-Sänger Fish. Auf Sounds That Can’t Be Made haben Marillion gerade dieses Element sehr stark herausgearbeitet, vielleicht deutlicher als auf allen bisherigen Alben.

Auch instrumental ist das Album – wie nicht anders zu erwarten – durchweg solide, aber es sind besonders oft überraschend emotionalen Wendungen, die Sounds That Can’t Be Made zu einem der besten Marillion-Alben und einem der bisher besten Alben des Jahres machen.

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Auch wenn es dem Sound manchmal etwas an Transparenz und Dynamik fehlt, ist Sounds That Can't Be Made nicht nur ein respektables Spätwerk, sondern eins der rundesten und komplexesten Alben in Marillions langer Karriere.

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