Paste your Google Webmaster Tools verification code here

CD-Kritik: Fly From Here

Musik
Item Reviewed

CD-Kritik: Fly From Here

Author

Yes oder Nie!

 

 

Die Bandgeschichte der Prog-Dinosaurier Yes liest sich wie eine konfuse Soap:

Da gibt es zunächst mal das 70er Bombast-Prog Lineup mit Vorliebe für komplexe Songs mit Überlänge. Dann kam der (vorübergehende) Absprung von Ur-Sänger Jon Anderson und Keyboard-Virtuose Rick Wakeman. Geoff Downes und Trevor Horn, die als Buggles gerade den Hit „Video Killed the Radio Star“ hatten, haben darauf der Band Stimme und Keyboards geliehen, weshalb das Album Drama (1979) seinen ganz eigenen Sound hat,  anders als alles andere von Yes.

Danach kommt das 80er Lineup (wieder mit Anderson und von Ex-Sänger Trevor Horn produziert), auch bekannt als Yes West, zu dem der neue Gitarrist Trevor Rabin unter anderem den poppigen Hit „Owner of a Lonely Heart“ beigesteuert hat. Um auch den Fans des 70er Bombasts eine Alternative zu bieten, hat  Anderson Ende der 80er gleichzeitig auch für das Konkurrenz-Projekt Anderson, Bruford, Wakeman, Howe gesungen – mit allen Mitgliedern der Yes-Urbesetzung außer Bassist (und Rechteinhaber) Chris Squire. Und so weiter.

Heute, gut 20 Jahre später, gibt es schon wieder zwei konkurrierende Bands, die Yes-Musik spielen. Die eine ist ein Projekt mit Jon Anderson, Rick Wakeman und Trevor Rabin. Die Anderen, die sich dank Chris Squire
Yes nennen dürfen, sind eine Quasi-Reunion der Drama-Besetzung. Für diese Band singt – nach dem kontroversen Rausschmiss von Anderson – der kanadische Sänger Benoit David, der durch ein Youtube-Video seiner Yes-Coverband gecastet wurde. Das klingt sehr nach einer abgehalfterte Nostalgie-Band in den letzten Zügen; trotzdem hat diese Konfiguration jetzt ein neues Album aufgenommen, das erste seit neun Jahren.
Produzent ist wieder Trevor Horn, den man seit seiner Zeit bei Yes vor allem als Pop-Produzent (u.a. Pet Shop Boys, Seal) kennt. Mit Fly From Here haben sich Horn und Yes viel vorgenommen: Gleichzeitig an alte Zeiten anknüpfen und den stark in die Jahre gekommenen Sound der Band updaten.

Der Titelsong war ursprünglich 1980 für den nie erschienen Drama-Nachfolger geschrieben worden; für Fly From Here hat ihn die Band zu einer 23-Minütigen Suite erweitert, die stimmiger klingt als alle anderen langen Yes-Tracks der letzten 20 Jahre. Auch Teile von dem Song „Life on a Film Set“ stammen aus den Yes/Buggles-Sessions von damals. Das ist nicht der einzige Verweis auf die Yes-Vergangenheit: Benoit David kann sowohl den Klang von Jon Andersons Stimme als auch der von Trevor Horn perfekt imitieren, weshalb Fly From Here mal klingt als wäre es die nie erschienene Drama II und mal wie eine Fortführung der späten Wakeman-Anderson Phase.

Das Resultat ist trotzdem weniger Nostalgie-gefärbt als man meinen würde. Die Songs auf (vergleichsweise) jüngeren Alben wie The Ladder, Keys to Ascension und sogar Teile des Yes-West Albums Talk haben noch geklungen wie halbherzige Versuche, eine Fangemeinde festzuhalten, die der Band langsam aber sicher durch die Finger rinnt. Fly From Here dagegen klingt wie ein selbstbewusstes Statement – vielleicht zum ersten Mal seit den 80ern.

Produzent Trevor Horn betont auf dem Album geschickt die zeitloseren Yes-Elemente – vor allem Squires durchdringenden Bass und prägnanten Harmoniegesang – und hat gleichzeitig den Sound verschlankt. Yes war immer eine Band die man entweder liebt oder hasst, aber während es an Fly From Here viel zu lieben gibt, fehlen viele der Altlasten, die eine gut sichtbare Zielscheibe für Kritiker geboten haben: Besonders Jon Anderson esoterische Texte und Rick Wakemans virtuose aber oft selbstgefällige Keyboardkapriolen.

An die erinnert auf dem neuen Album nur noch ein Song: Das kurze, nostalgische „Hour of Need“ mit seinem etwas tapsigen Text und Retro-Keys (gespielt von Wakeman-Sohn Oliver, der die letzten Jahre mit der
Band auf Tour war). Benoit David liefert eine perfekte Jon Anderson Kopie ab, wodurch der Song klingt wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit.

Höhepunkt des Albums ist das Schlussstück „Into the Storm“, das mit der Gegenüberstellung spaßiger und dramatischer Klänge eine Facette des Yes-Sounds herauskehrt, die man zuletzt in den 70ern gehört hat. Der Band ist immer wieder vorgeworfen worden, sich zu ernst zu nehmen, aber Into The Storm und das kurze Instrumental „Bumpy Ride“ (Zitat Desirée: klingt wie „Super Mario Bros“) beweisen  das Gegenteil.

Obwohl die meisten Bandmitglieder entschieden auf die 70 zugehen und die meisten Fans (inklusive mir) die Band längst abgeschrieben hatten, haben sich Yes mit Fly From Here zum ersten Mal seit langer, langer Zeit vom Nostalgie-Mief befreit und ein Album vorgelegt, das frisch und voller Energie – aber gleichzeitig unverwechselbar nach Yes klingt.

Every day that you wait is one more that you’ve lost” singt Benoit David im Titelsong des Albums. Das klingt
nach Allgemeinplätzen von jemandem, der zu oft den Club der Toten Dichter geguckt hat. Kommen die Worte aber von einer alternden, einst legendären und innovativen Band, die seit gut 20 Jahren nichts wirklich Aufregendes mehr veröffentlicht hat, hat die Textzeile plötzlich ein ganz neues Gewicht.

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
kommentieren
Antworten
  • Thorsten Kuthe
    26. Juni 2011 auf 12:58

    Klingt spannend, werde mir das Album bald mal anhören und muss vielleicht doch mal die Drama hören, die habe ich wie die Talk bisher komplett ausgelassen. Nur dieses gruseliege Promo-Video dazu muss ich direkt wieder vergessen. TK

  • 26. Juni 2011 auf 13:30

    „Drama“ ist sehr zu Unrecht übersehen. Klingt natürlich anders als die Alben davor, aber mir gefällt der Stil sehr gut. Quasi Yes gekreuzt mit den Buggles und The Police; ein bisschen wie so die „Grace under Pressure“ von Rush.
    Die „Talk“ kann man sich auch ganz gut anhören; von den Alben zwischen 90125 und „Fly From Here“ gefällt die mir fast noch am besten (obwohl The Ladder und Magnification auch ein paar ganz gute Songs haben).

  • zengoth
    30. Juni 2011 auf 11:53

    zengoth sayz : wot an surprise: yes with an superb fly from here _ a statement with this input: we r still here with mind, body & soul __ 2 cooperate with trevor horn & 2 make benoit david 2 the singaa is such a clou : yon andersons lost twin brothaa is here 2 sing in a glorious matter & the long lost drama2 is here 4 our pleasure _ fly from here is an really, really goood yes epos _ well done yes-men ___ subatomaric paraloadin vz brainpeeelin _____-:)

Antwoten

Total

}