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CD-Kritik: Enslaved – RIITIIR

Musik
Überblick
Item Reviewed

Enslaved - Riitiir

Author
15. September 2012
Genre

Black Metal, Prog

Jahr

2012

Die norwegische Black/Progressive-Metal Band überschreitet weiterhin furchtlos Grenzen

Wurzeln sind im Metal-Jahr 2012 ein großes Thema – zuerst haben sich die Bay Area-Thrasher Testament auf „Dark Roots of Earth“ zurückbesonnen, und nun besingen die Black-Metal Veteranen Enslaved die „Roots of the Mountain“. Der besagte Song ist das Herz ihres neuen Albums RIITIIR, in dem die Norweger weiterhin kräftig die Evolution ihres Sounds vorantreiben.

Mit dem Viking/Black Metal-Metal Act der frühen 90er haben Enslaved nur noch wenig zu tun; ihre Musik hat zwar nach wie vor Elemente von Extreme Metal, hat aber gleichzeitig einen zunehmend progressiven Einschlag. Bassist, Sänger und Gründungsmitglied Grutle Kjellsons Growls und Screams haben wenig von ihrer Kraft verloren und klingen vor allem als Kontrast zum Gesang von Keyboarder Herbrand Larsen sehr effektiv. Nachdem die etwas unfokussierte (aber kostenlose!) EP The Sleeping Gods zumindest teilweise eine Rückkehr zum Sound der frühen Enslaved war, macht das neue Album wieder da weiter, wo Axioma Ethica Odini aufgehört hat.

RIITIIR beginnt mit der zehnminütigen Odyssee „Thoughts Like Hammers“, die gleichzeitig doomig und progressiv klingt. Wer sich Sorgen gemacht hat, dass Enslaved dem Metal den Rücken zukehren könnten, kann aufatmen. Das neue Album ist kein bisschen weniger heavy als seine Vorgänger.

Thoughts Like Hammers:
[soundcloud]http://soundcloud.com/nuclearblastrecords/enslaved-thoughts-like-hammers[/soundcloud] 

Das Herz des Albums ist das majestätische „Roots of the Mountain“, dass die Extreme des Enslaved-Sounds zur Schau stellt: Nach einem spektakulär dissonanten Intro wechseln sich brachiale Riffs, harmonische Passagen, proggiges Gefrickel und folkloristisch klingende Gesänge ab. Spätestens wenn im letzten Drittel wieder die Hauptmelodie einsetzt, müssen sich Enslaved außerdem Vergleiche mit Opeth gefallen lassen; konkret mit dem epischen Klassiker „The Drapery Falls“ – zumal Larsens cleaner Gesang auf dem Album nicht selten an Opeth-Frontmann Mikael Åkerfeldt erinnert.

Ein weiterer Höhepunkt ist das sehr experimentelle, psychedelische „Storm of Memories“, das stellenweise nach Mastodon klingt. Die Vorbilder sind nicht nur zahlreiche Black Metal Bands; Enslaved sind auch bekennende Fans von 70er Prog-Bands wie Genesis, was sich – wie schon bei den Vorgängern – auf RIITIIR in oft ausufernden, komplexen Songstrukturen und im exzessiven Einsatz von Retro-Sounds wie  Hammond-Orgeln, Mellotrons und spacigen Gitarren zeigt.

Der wohl überraschendste Track auf RIITIIR ist der Closer „Forsaken“, in dem sich Enslaved als komplett furchtlos erweisen. In den letzten Minuten hat man plötzlich das Gefühl, ein Leonard Cohen-Album zu hören; die sparsam-dreckige Untermalung und der lakonische Gesang sind weit entfernt von jeder Art von Metal.

Keiner der acht Tracks lädt zum Überspringen ein; gerade bei den „kürzeren“ Songs (im Kontext des Albums heißt das zwischen 6 und 8 Minuten) wie „Veilburner“, dem doomigen „Materal“ und dem Titeltrack „RIITIIR“ zeigen Enslaved, wie mühelos sie Extreme Metal und Prog fusionieren können, ohne dabei ihren unverwechselbaren Sound zu opfern.

Spätestens seit dem Pink Floyd-artigen Album Vertebrae sollten nicht nur eingeschworene Black Metal-Fans aufhorchen. Enslaved sind mit ihrer Experimentierfreude und der Kombination aus crunchigen Extreme-Metal-Riffs mit 70er Einschlag eine Band  die zeigt, wie unvorhersehbar Metal im neuen Jahrzehnt klingen kann. Die musikalische Reise der Norweger ist mit Sicherheit noch nicht am Ende, aber RIITIIR ist ein wichtiger Meilenstein – für die Band, aber auch für den modernen Metal.

Der Enslaved-Klassiker "The Watcher" vom Album Vertebrae:

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