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Kritik: Björk – Biophilia

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Kritik: Björk – Biophilia

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Rechte: One Little IndianBiophilia ist das mittlerweile siebte Album von Björk– unzählige Remix- und Live-Alben und die EP Selmasongs nicht mitgerechnet. Die Isländische Elfe hat schon lange nichts mehr zu beweisen: Mit dem Trip-Hopigen Homogenic hat sie vor mehr als zehn Jahren ein Meisterwerk aufgenommen und mit Vespertine direkt ein zweites nachgeschoben. Ihren Sound entwickelt sie zwar von Album zu Album weiter, aber in den letzten Jahren ist das eher ein feines Nachjustieren als ein kompletter Richtungswechsel à la Opeth.

Kein Wunder also, dass die Vorab-Single „Crystalline“ das Rad nicht neu erfindet, sondern nach der gewohnten Mischung aus Singer/Songwriter-Pop, Trip-Hop und Avantgarde klingt, mit aggressiveren Drum & Bass Beats gegen Ende. Das Video stammt übrigens von Michel Gondry (Eternal Sunshine of the Spotless Mind).

Der Kontrast zum nächsten Track könnte kaum größer sein: „Cosmogony“, die meditative zweite Single ist dezent orchestriert mit Chor, Blechbläsern und minimalistischem elektronischem Bass, über die Björk eine einfache und wunderschöne Melodie singt.

Biophilia ist ein Konzeptalbum und der name ist Programm. Wikipedia erklärt:

Unter Biophilie (altgr. bios ‚Leben‘ und philia ‚Liebe‘, wörtlich „Liebe zum Leben“) versteht man das Ethos (Handlungsgrundgesinnung), das Leben von Menschen in all seinen Dimensionen (physisch, psychisch, sozial, musisch, sittlich…) zu erhalten und zu entfalten.

Die Songs auf Biophilia drehen sich also alle um das Leben; die Erde und ihre Naturkräfte halten oft als Bilder für Zwischenmenschliches her. Wie bei Björk üblich verbinden die Songs elektronische Klänge mit Klangfarben aus der klassischen Musik; gleichzeitig repräsentieren sie die zwei polaren Enden von Björks Sound. Innerhalb dieses klanglischen Spektrums bewegt sich das ganze Album; mit gelegentlichen Ausflüge in avantgardistische Sphären und poppiges Songwriting die sich regelmäßig gegenseitig unterwandern – so in „Virus“, einer gesungenen Biologiestunde mit Ohrwurmpotential. Auch wenn Songwriting und Sound sich nicht weit von früheren Alben entfernen, ist Biophilia in einem Bereich innovativ: Neben den „Standards“ – Elektronika, Harfe und Chor – nutzt Björk Natgurkräfte wie Schwerkraft und Elektrizität mit Instrumenten wie der „Pendelharfe“ oder einer umfunktionierten Tesla-Spule für die Basslinie im Song „Thunderbolt“.

iBjörk

Zusätzlich zu „normaler“ CD, Special-Edition mit Bonus-Tracks, digitalem Download und Vinyl ist außerdem eine „App“-Version des Albums erhältlich. Diese Apps, eine pro Song, visualisieren die Musik und erlauben außerdem, mit den Sounds zu experientieren. Auch wenn in diesem Fall nur Apple-Jünger etwas davon haben; auf einem Musikmarkt, auf dem physische Datenträger zunehmend zu einer bedrohren Spezies werden, sind Apps als digitale, cross-mediale Promotion mit Sicherheit zukunftsweisend.

Kein Grund zur Verzweiflung für Björk-Fans der Microsoft-Fraktion: Biophilia entfaltet seine Magie auch als reine Musik. Klanglich und textlich ist alles aus einem Guss ist. Trotz des wenig konzeptionellen Songwritings klingt das Album deshalb deutlich fokussierter und kohärenter als sein Vorgänger Volta.

Musikalisch ist das Album auf gewohnt hohem Niveau, weniger brillant als Vespertine oder das sehr *räusper* homogene Homogenic, aber musikalisch vielseitiger. Für Fans führt ohnehin kein Weg am Album vorbei, aber auch Musikfans die einen Einstieg in die verschrobene Welt von Björks Avantgarde-Pop suchen, kann ich Biophilia wärmstens ans Herz legen.

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