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Gail Carriger: „Glühende Dunkelheit“ – Seelenlos?

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Gail Carriger: „Glühende Dunkelheit“ – Seelenlos?

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„Glühende Dunkelheit“

Es war einmal eine etwas exzentrische britische Schriftstellerin, die schrieb eine übernatürlich-romantische Komödie und nannte sie nach den besonderen Fähigkeiten ihrer Protagonistin „Soulless“, also seelenlos. An dieser Stelle betritt ein deutscher Verlag die Szenerie, der die Rechte kauft und das Buch unter einem deutschen Titel veröffentlichen möchte. Seelenlos? Nein, das klingt nicht mysteriös genug, hat außerdem viel zu viel mit der Handlung zu tun– und wo kämen wir denn hin, wenn die Liebesgeschichte im Titel nicht angedeutet würde, und zwar als verheißungsvoll erotische Spannung? „Glühende Dunkelheit“ also.

Auch wenn der Blanvalet-Verlag, bei dem „Soulless“ gerade erschienen ist, seinen Lesern offenbar nicht viel zutraut: Gail Carrigers Geschichte ist für das inzwischen bis auf die Grasnarbe abgegraste Vampir/Werwolf/etc.pp-Genre recht ambitioniert.

Mauerblümchen Alexia Tarabotti muss sich als alte Jungfer in einer alternativen Variante des viktorianischen Londons behaupten: Vampire, Werwölfe und Geister sind seit der Renaissance anerkannte Mitglieder der britischen Gesellschaft. Wovon die aber nichts weiß sind die Seelenlosen, die das übersinnliche Volk per Berührung kurzfristig ihrer Kräfte berauben können. Miss Tarabotti ist eine der letzten dieser Seelenlosen und als solche nicht nur für die offizielle Vampir-und-Werwolf-Behörde von Interesse (besonders für den Chef, Alpha-Wolf Lord Maccon) – sondern auch für verschiedene zwielichtige Gestalten.

Gail Carrigers Stil ist leicht angelehnt an den viktorianischer Romane. Ihre Sprache ist blumig und voller „großer Worte“: sich unterhalten heißt „Konversation betreiben“, man ist nicht einverstanden sondern „nickt seine Einwilligung“. Das ist zwar sehr verspielt, aber es erfüllt seinen Zweck: Das viktorianische London (beziehungsweise Gail Carrigers Version davon) wird lebendig.

Gail Carriger mischt in ihrem Roman Steampunk-Elemente mit einem typischen übernatürlichen Thriller, einer Sittenkomödie im Stil von Jane Austen und vor allem einer deftigen Liebesgeschichte. Allerdings jongliert sie – zumindest in diesem ersten Band – noch etwas ungeschickt mit all diesen Bällen. Jede Szene lässt sich immer genau einem dieser Genres zuordnen und kümmert sich auch nur darum. Das führt dazu, dass Alexia und ihr Love-Interest auch mal völlig ignorieren, dass sie sich in einer gefährlichen Situation befinden – zugunsten eines kleinen Flirts.

Wer das Love-Interest ist, ist übrigens zwei Zeilen nach seinem ersten Auftritt klar, und ohne zu viel zu verraten: Natürlich ist er gutaussehend, einflussreich, reich und mit übermenschlichen Kräften gesegnet. So vorhersehbar wie man es sich nur wünschen kann. Erzählt ist die Liebesgeschichte manchmal ein bisschen ungeschickt, schwankt zwischen völliger Neutralität und totalem Kitsch.

Aber seltsamerweise verzeiht man solche Dinge Gail Carriger schnell. Das dürfte daran liegen, dass sie nichts in ihrem Buch zu ernst nimmt: Die großen Worte nicht, die Liebesgeschichte nicht, die ominöse Bedrohung nicht und schon mal gar nicht die Charaktere. Dadurch ist „Glühende Dunkelheit“ nämlich überraschend liebenswürdig. Für den nächsten Band würde ich mir trotzdem wünschen, dass der Lektor ein bisschen härter zugreift – aber lesen werde ich ihn schon.

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  • 25. März 2012 auf 03:24

    Nachdem ich Bücher fast immer wegen der Cover gekauft habe -es sei denn ich kannte die Autoren schon – ist nun mit dem Internet endlich endlich mein Zeitalter gekommen.
    Ich hab das Cover hier in der Rezension, und jetzt geh ich ins Bett und träume mir die Geschichte selber zusammen.

    Ich hatte mal – bis sie mir das Haus mit meiner Büchersammlung angezündet haben – ein Taschenbuch aus dem Goldmann Verlag mit ungefährt diesem Titel:
    „Am Rande des uns bekannten Universums gibt es eine kleine gelbe Sonne, umkreist von einem blauen Planeten“.
    Das ganze Cover war voller Schrift!
    Kein Platz für ein Bild mehr auf dem Cover, ich nehme an sie hatten keins mehr gehabt . . .
    Den englischen Originaltitel habe ich vergessen, obwohl er doch nur aus einem Wort bestand.

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