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Buchkritik: Walter Moers & Anja Dollinger – Zamonien. Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent

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Buchkritik: Walter Moers & Anja Dollinger – Zamonien. Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent

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Neues aus Zamonien! Oder?

Ein neues Buch von Walter Moers war für mich jahrelang ein Grund für Herzklopfen. Seit der Stadt der träumenden Bücher ist der Puls sogar noch ein bisschen höher gestiegen – nur um letztes Jahr im Herbst vor Schreck fast ganz stehenzubleiben. Das Labyrinth der träumenden Bücher war kein Anlass zur Freude – aber immerhin zur Hoffnung: Darauf, dass der zweite Teil alles wettmachen wird.

Dass Walter Moers mit diesem zweiten Teil dieses Jahr noch nicht nachgelegt hat, wie viele Fans gehofft hatten, finde ich verzeihlich. Möge er sich die Zeit lassen, die beim ersten Band so offensichtlich gefehlt hat und lieber in drei Jahren ein Meisterwerk abliefern als übermorgen eine zweite Enttäuschung. So lange wird es aber gar nicht dauern, hat Walter Moers auf Facebook verkündet: Spätestens 2013 erscheint Das Schloss der träumenden Bücher*. Um die Zeit bis dahin ein bisschen zu versüßen hat Knaus gerade ein neues Zamonien-Buch herausgegeben; kein neuer Roman natürlich, aber immerhin ein Lexikon, das die gewaltige Fülle absurder Moers-Ideen in einem übersichtlichen, wunderschön gestalteten Band zusammenfasst.

Nicht viel Moers

Eins vorweg: Moers‘ Name prangt zwar vorne auf dem Buch, aber geschrieben ist Zamonien – Entwdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent von der Journalistin Anja Dollinger. Und zwar komplett, von einem einseitigen (i.e. eine Seite langen) Vorwort (und einer kleinen Ausnahme) mal abgesehen. Das ist eine gewaltige Enttäuschung. Aber immerhin die einzige.

Anja Dollinger hat Moers‘ Romane akribisch studiert und Details über Orte, Charaktere, zamonische Wesen und ikonische Gegenstände zusammengetragen. Die Sprache, mit der sie sie vorträgt, ist erstens sicher und elegant und orientiert sich zweitens an Moers‘ eigenwilligen Stil, und das erstaunlich trittsicher.

Der Inhalt der meisten Einträge ist also nicht neu. Gelegentlich allerdings erzählt Anja Dollinger Details, vor allem über zamonische Orte, die in keinem der Romane stehen, sondern die Moers im Rahmen einer Ausstellung erfunden hat. Ein Eintrag, der über das Buchlingsauge, stammt offenbar sogar von ihm selbst. Vor allem aber sind die Illustrationen mindestens zur Hälfte unveröffentlicht (entstanden sind sie für eine Ausstellung über Zamonien), und die meisten stecken voller Moers’scher Details und charmanter Seltsamkeiten.

Huch! Abstraktes ist spannend.

Die Einträge sind nicht alle lesenswert. Vor allem die Biographien einzelner Figuren lesen sich definitiv unterhaltsamer im jeweiligen Roman. Seine Sternstunden hat Zamonien immer dann, wenn es um Abstraktes geht wie „Die Dunkelheit“, „Das Zahlensystem“ oder „Jugendsünden“ und Anja Dollinger Details aus den einzelnen Büchern so nebeneinanderstellt, dass ein echter Mehrwert entsteht. Sie vergleicht Motive und trägt Informationsbröckchen zu kleinen Übersichten zusammen.

Auch optisch hat sich der Knaus Verlag nicht lumpen lassen: Designer Oliver Schmitt hat ganze Arbeit geleistet und hatte offensichtlich das Budget, Zamonien – Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent so liebevoll und detailverliebt auszustatten wie einen „richtigen“ Moers.

Trotzdem dürfte dieses Lexikon ausschließlich für Hardcore-Fans interessant sein, allenfalls noch für Moers-interessierte Literaturwissenschaftler. Anja Dollinger hat alles aus dem Material, das sie zur Verfügung hatte, herausgeholt, aber sehr umfangreich war das eben offensichtlich nicht. Wer Zamonien-affin ist und Spaß an „Coffee-Table“-Büchern wie Bildbänden hat, durch die man durchblättert und in denen man sich hier und da festliest, ohne sich wirklich auf das Buch einlassen zu müssen, dürfte an dieser Entdeckungsreise seinen Spaß haben. Und wer masochistisch genug ist, die vorsichtige, nervöse Vorfreude auf Das Schloss der träumenden Bücher noch ein bisschen mehr anzufachen, auch.

 

Knaus hat eine sehr hübsche Webseite über Zamonien eingerichtet, mit Infos über alle Bücher und Goodies wie E-Cards oder einen Buchling-Bildschirmschoner.

* Update: Mittlerweile ist 2014, kein ‚Schloss‘ in Sicht…

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  • Daniel Steinberger
    9. November 2012 auf 00:30

    Ich habe erst den Blaubären hinter mich gebracht, den Rest Zamoniens habe ich noch nicht literarisch erforscht. Aber ich kenne diese Art der Faktensammlungen in vielfältiger Weise von Tolkiens Werken. Die meisten sind auch dort gut gemacht und bringen in seine 1000 Namen manchmal ein bisschen mehr Ordnung.

    Die beschriebene Stil- und Sprachsicherheit sowie Illustration sprechen für eine gute Qualität dieses Zamonien Nachschlagewerks.

    Letztlich frage ich mich aber immer wieder, an wen sich dieses Werk (oder eben Werke dieser Art) richten, auch wenn sie gut gemacht sind. Ich denke, dein Fazit „für Hardcore Fans“ trifft es da schon ganz gut, da ja eben doch wenig geboten wird, was nicht bereits bekannt ist – und darin lag für mich bisher immer die Enttäuschung. Da ist man froh, endlich etwas neues in der Hand zu halten und dann stellt man fest, dass es einfach kein Ersatz für das eigentlich erwartete ist. Bei Tolkien kommt nichts neues mehr, aber bei Moers darf man ja noch auf einiges hoffen.

  • 9. November 2012 auf 00:58

    Ich verehre Moers und seine Zamonien-Romane (auch wenn ich mir aufgrund der verheerenden Kritiken den letzten gespart habe), aber ich frage mich auch, wozu es unbedingt ein Lexikon geben muss. Die Moers-Bücher selbst sind doch Zamonien-Lexika genug – nur halt nicht alphabetisch sortiert.

  • Bigbrother
    9. November 2012 auf 01:11

    Tolkien Nachschlagewerke gibt es ja einige ganz gute die ich immer wieder in die Hand nehme – die Bücher von Moers sind aber selber schon teilweise Lexika in meinem Empfinden, ein reines Buch dazu reizt mich da nicht mehr.

  • 12. November 2012 auf 16:34

    … kann ich verstehen, zum Komplett-Durchlesen wär das für mich auch nichts. Aber ich finde solche Bücher als Coffee-Table-Bücher, alternativ zu Bildbändern oder ähnlichem, immer ganz schön. Wenn man keine Zeit hat, sich auf einen längeren Text einzulassen, aber gerne mal ein paar Seiten lesen möchte zum Beispiel. Aber demnächst kommt zum Beispiel ein Scheibenwelt-Nachschlagewerk heraus, das Pratchett selbst geschrieben und gestaltet hat, und das sieht doch nochmal ein paar Stufen hochwertiger aus als die Moers-Variante. Wie auch immer, nachdem ich das jetzt gelesen habe, ist mir wieder eingefallen warum ich Moers so mag, und ich will dringend das Schloss der träumenden Bücher lesen!

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