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Buchkritik: Robocalypse

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Buchkritik: Robocalypse

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Eine Gruppe Überlebender kämpft gegen eine Armee intelligenter Maschinen, die von einem zentralen Gehirn gesteuert werden. Nein, die Rede ist nicht von „Skynet“ aus der Terminator-Reihe und auch nicht vom finsteren Mainframe*, der die Maschinen der Matrix-Trilogie steuert  . In Daniel H. Wilsons Romandebüt Robocalypse heißt das zentrale Computergehirn „Archos“ oder einfach „Big Rob“.

Aber auch wenn die Grundidee von Robopocalypse, so der Titel der Originalausgabe, recycelt ist; Wilsons Erzählstil ist so frisch, dass man das eine oder andere Deja-Vu verzeiht. Statt eines durchgehenden Narrativs ist Robocalypse eine systematische Chronik des Kriegs gegen die Maschinen, eine Sammlung von Quellen, die jeweils am Anfang und am Ende von Quasi-Protagonist Cormac Wallace kommentiert werden.

Die Geschichte, die unter anderem in den USA, Japan und Afghanistan spielt, setzt sich wie ein Mosaik aus Tagebucheinträgen, Augenzeugenberichten, Protokollen und Beschreibungen von Überwachungskamera-Videos zusammen. Ziemlich schnell wird aber klar, dass viele der Personen und Ereignisse sehr eng miteinander verknüpft sind: Was zuerst aussieht wie eine zufällige Dokumentensammlung entpuppt sich als lineare Erzählung, wenn auch mit rotierenden Schauplätzen und Erzählern.

Oft beschreibt Autor Wilson dabei die Maschinen detaillierter und lebhafter als ihre menschlichen Gegenspieler, die größtenteils dünne Abziehbilder bleiben. Wenn also ein so wichtiger und komplexer Charakter wie die junge Mathilda Perez, die ihren eigenen Roman verdient hätte, nur angerissen wird, untergräbt er die Effektivität seiner Geschichte. Immerhin weiß er bei der Beschreibung der Maschinen wovon er redet: Laut Klappentext hat Wilson einen Doktortitel in Robotik.

Die Handlung, die sich über mehrere Jahre und auf verschiedenen Kontinenten abspielt, hätte der Autor auf deutlich mehr als magere 460 Seiten ausbreiten können. Anstatt eine sich langsam entfaltende, epische Geschichte zu erzählen, konzentriert er sich aber auf die Höhepunkte: Robocalypse wirkt deshalb manchmal mehr wie eine Zusammenfassung, oder eine Greatest Hits Sammlung mit nur den  wichtigsten Kapiteln. Immerhin sind Wilsons Bilder in einigen dieser Kapitel extrem effektiv: So zum Beispiel die“Stunde Null“, in der sich die Roboter erstmalig gegen die ahnunglosen Menschen erheben und gleichzeitig systematischen Massenmord begehen und effizient die Straßen aufräumen.

Eine der ganz großen Stärken des Buchs wird außerdem in der deutschen Fassung zum Nachteil:  Jeder der verschiedenen Erzähler hat eine eigene Sprechweise, einen klar wiedererkennbaren Ton. Die Übersetzung ist zwar größtenteils gelungen, einige der Erzählstimmen klingen nach Klischees aus schlecht synchronisierten B-Movies:

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Die Gestalt auf dem Stuhl spricht mit tiefer, rauher Stimme:

„Jetzt sperr mal die Lauscherchen auf, Schätzchen. Das wird dich interessieren. Ich halte hier nämlich zwei Geiseln gefangen, hörst du? Eine davon blutet wie ein abgestochenes Schwein, mein ganzer Scheißteppich ist schon eingesaut. Nun weiß ich, dass ihr Kameraden diesen Anruf zurückverfolgt, und das dürft ihr meinetwegen ruhig. Aber wenn nur ein Bulle hier auftaucht und versucht, in die Wohnung zu kommen, dann schwör ich bei Gott, Herzchen: Ich bringe diese Scheißleute um. Ich werde sie abknallen und töten, verstehst du?“

Dabei hat sich der Verlag mit der Gestaltung der deutschen Ausgabe ansonsten ungewöhnlich viel Mühe gegeben, von den abgerundeten Ecken bis zum ausgefeilten Text-Layout.

 

*obwohl das animierte Matrix-Prequel The Second Renaissance mit Sicherheit ein Vorbild für Robocalypse war

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Weder die etwas unbefriedigende Länge noch die durchwachsene deutsche Übersetzung können den Gesamteindruck allzusehr trüben: Robocalypse ist zwar nicht das Epos, das es potentiell hätte sein können, aber ein unterhaltsames, frisches Sci-Fi Abenteuer voller guter Ideen, das sich fast wie von selbst liest.

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