Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Buchkritik: Robin LaFevers – Grave Mercy – Novizin des Todes

Buch
Item Reviewed

Buchkritik: Robin LaFevers – Grave Mercy – Novizin des Todes

Author


Der vielversprechende Auftakt einer neuen Serie unterwandert ein „Guilty Pleasure“ mit interessanten Themen und komplexen Charakteren

Manchmal, viel zu selten, stolpert man über ein perfektes kleines Stück Eskapismus, ganz ohne es zu erwarten, weil es sich unter einem Deckmäntelchen versteckt, das man gut zu kennen glaubt. Im Fall von Robin LaFevers‘ Grave Mercy waren das gleich mehrere Mäntelchen: der Titel, der Name der Autorin (kein Pseudonym!), das Cover und die Vermarktung als eins von vielen Jugendbüchern mit Liebesgeschichte und übernatürlichen Element, das unverrückbar zwischen ihm und ihr steht.

Aber Ismae, die Heldin von Grave Mercy, ist keine unschuldige Jungfer, die sich von einem Vampir/Engel/Werwolf/Feenwesen umwerben lässt. Nein, sie ist die leibhaftige Tochter des Totengottes Mortain, zur Assassinin ausgebildet von ihren Schwestern.

Trotz des übersinnlichen Elements ist Grave Mercy dem historischen Genre näher als der Fantasy: Am Hof der Bretagne (in Robin LaFevers alternativer Geschichtsschreibung ein unabhängiges Königreich) soll sie die intriganten Fäden des Adels entwirren, der jungen Thronfolgerin zu ihrem Recht verhelfen und alle, die im Weg stehen, diskret beseitigen. An ihrer Seite stehen das unverzichtbare Love-Interest – der Bastard Duval – und Kanzler Crunard, gleichzeitig Beraterin der jungen Herzogin und Verbindungsperson zu Montains Orden.

Grave Mercy wird ganz klar an junge Mädchen vermarktet, dabei balanciert Robin LaFevers ziemlich trittsicher zwischen Diana Gabaldons Outlander-Serie und dem ersten Band von George Martins Lied von Eis und Feuer, Grundlage der TV-Serie Game of Thrones. Auch wenn die Liebesgeschichte, die sich schleunigst anbahnt, durchaus ein wichtiger Teil der Geschichte ist – der Fokus bleibt doch auf den Intrigen bei Hof und den verschiedenen Schlingen, die sich um den Hals der Herzogin zuzuziehen drohen.

Die Balance zwischen diesen Elementen ist außergewöhnlich gut, die Liebesgeschichte wirkt nicht in den Roman hineingezwängt, um mehr Bücher zu verkaufen, noch ist alles andere nur eine dünne Entschuldigung für eine besonders dramatische und leidenschaftliche Romanze. Beide sind eng verzahnt und bedingen einander, und vor allem verlaufen beide anders als erwartet, nämlich wesentlich spannender. Unverschämt spannend, um genau zu sein.

Dazu kommt, dass Robin LaFevers ein hervorragendes Gespür für Charaktere hat. In dieser Geschichte hängt alles davon ab, dass der Leser sich dafür interessiert ob die Franzosen das Königreich überrennen oder ob Herzogin Anne gekrönt wird. Auch wenn LaFevers vielleicht noch fünfzig oder hundert Seiten zusätzlich hätte investieren können, um die ein oder andere Figur (die Äbtissin etwa, Duvals Bruder oder die Schwester der Herzogin) noch ein bisschen ausführlicher einzuführen, schafft sie auf den wenigen Seiten, die sie der Exposition widmet, Erstaunliches: Selbst Figuren, denen sie kaum mehr als eine halbe Seite widmet, werden lebendig. Von Baron D’Albret zum Beispiel hat man schon ein überraschend schlechtes Bild, nachdem er einmal stumm vorbeigeritten ist. Und trotzdem sind die wenigsten Figuren eindimensional.

Nebenbei erkundet Robin LaFevers die feinen Linien zwischen Loyalität und blindem Gehorsam, zwischen Pflicht und Selbstverwirklichung. Trotzdem wird Grave Mercy wohl keine Literaturpreise gewinnen und niemandes Welt in ihren Grundfesten erschüttern; genauso wenig ist es ein episches Meisterwerk vom Format eines George R. R. Martin – dazu fehlen dann doch ein paar Abgründe und ein paar Dutzend weiterer Schauplätze, Handlungsstränge und brillianter Ideen. Aber es bietet eben ein perfektes kleines Stück Eskapismus; ein paar atemlose Stunden, die man in einer fiktiven Bretagne verbringt, wo der Tod ein barmherziger Gott und Loyalität käuflich ist, in Gegenwart von Charakteren, die sich in interessante Richtungen entwickeln und von denen man sich gar nicht mehr trennen will.

 

Anmerkung: Grundlage dieser Kritik ist die englische Version. Die deutsche Ausgabe erscheint am 10.09. bei cjb unter dem Titel Grave Mercy – Novizin des Todes.

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
Kommentare
Antworten

Antwoten

Total

}