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Buchkritik: Peter Heller – Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte

Buch
Überblick
Item Reviewed

Peter Heller - Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte

Author
21. Juli 2013
Originaltitel

The Dog Stars

Genre

postapokalyptische, existenzielle Romanze

Spielt in

Rocky Mountains

Länge

320 Seiten

Awards

Arthur C. Clarke Award: Nominiert
Flaherty-Dunnan First Novel Prize: Nominiert

Verlag

Eichborn

Das Ende der Welt meets Amélie Poulenc

Peter Heller: Das Ender der Sterne, wie Big Hig sie kannte; Rechte: EichbornVielleicht war der Originaltitel dem stilsicheren Eichborn Verlag zu niedlich, vielleicht klang er auch nicht genug nach Die fabelhafte Welt der Amélie: The Dog Stars hatte Peter Heller sein Debüt genannt, und tatsächlich ist darin kein Ende der Sterne in Sicht, wohl aber ein Hund.

Die Apokalypse ist gekommen und wieder gegangen, und zwar in Form eines tödlichen Grippevirus‘, und die Welt, die zurück geblieben ist, ist nicht besonders einladend. Die meisten Überlebenden haben beschlossen, sich mit Waffen einzudecken und auf alles zu schießen was sich bewegt, zumal manche mit dem Virus infiziert sind, daran zwar nicht – oder nicht so schnell – sterben, aber ansteckend sind.

In dieser Welt überlebt Big Hig mit seinem Hund und seinem kleinen Flugzeug, und gezwungenermaßen auch mit Bangley, der nach der großen Katastrophe offenbar erleichtert so es Menschlichkeit hinter sich gelassen hat.

Peter Heller scheint von dieser Situation ausgegangen zu sein, nicht von einer Handlung. Mindestens das erste Drittel seines Romans über erzählt er weniger, als dass er gemächlich mit Hig durch die Ruinen der Zivilisation zieht, um zu erforschen, wie die Welt wohl aussähe. Als spiele sich in seinem Kopf ein sozialkundliches Experiment ab, kein Roman. Hier und da ein bisschen Exposition, ein Hauch Backstory, ansonsten geht Hig fischen und dreht Runden mit seiner Cessna.

Glücklicherweise ist der Moment in dem ich bereit war, Das Ende der Sterne aus dem Fenster zu werfen, mit dem zusammengefallen, in dem die Handlung anzieht. Man muss ein bisschen Geduld haben, aber dann zeigt sie sich. Und es lohnt sich so lange zu warten, denn diese Handlung ist ziemlich großartig und ziemlich bewegend.

Nicht jeder wird aber überhaupt in Versuchung kommen, vorher aufzuhören, denn Big Hig ist tatsächlich die Amélie unter den dystopischen Romanen: eine Hauptfigur, der Schutzmechanismen gegen die Gemeinheiten der Welt fehlen, ein Autor, der Warmherzigkeit an Stellen sucht, an denen längst der Alltag zugeschlagen hat (wenn auch ein deutlich rauherer Alltag), selbst der Stil ist ähnlich. Das heißt, wenn jemand versuchen würde, denn visuellen Stil Jeunets in Worte zu übersetzen, käme wahrscheinlich etwas ganz ähnliches heraus. Heller schreibt Sätze, die in der Mitte abbrechen, ein hilfloses Staccato, um dann erleichtert in bewusst schöne, fließende Sätze zu fallen.

Manchmal geht Heller damit über Bord. Der Grat zwischen poetisch und kitschig ist eben schmal, und mir sind Sätze wie „Die Liebe ist ein Flussbett, dass sich mit Schmerzen füllt. Es füllt sich jeden Tag aufs Neue mit Tränen“ definitiv zu viel.

Trotzdem ist Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte etwas besonderes, und das liegt weniger an Hellers stilistischen Bemühungen, sondern an seinem Fokus. Fast immer ist bei modernen Dystopien eine Übermächtige zu besiegen, entweder moralisch oder physisch. In dieser Welt gilt Mann gegen Mann (oder, wenn man so will, niemand gegen alle) , und wir folgen fast schon zufällig Hig. Das erlaubt es Heller, moralische Fragen in den Raum zu werfen und mehrere Antworten gelten zu lassen. Und trotzdem ist seine Botschaft am Ende humanistisch.

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Den Hype, der diesen Roman umgibt, kann ich nicht nachvollziehen. aber auch wenn The Dog Stars meiner Meinung nach ein bisschen mehr Bescheidenheit und Zielstrebigkeit vertragen hätte, habe ich am Ende ein paar Tränen verdrückt und gleichzeitig philosophische Fragen gewälzt. Eine seltene Kombination.

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