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Buchkritik: Patrick deWitt – Die Sisters Brothers (Booker Prize)

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Buchkritik: Patrick deWitt – Die Sisters Brothers (Booker Prize)

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Am 18. Oktober, nur eine Woche nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises, findet in London eins der wichtigsten Ereignisse der internationalen Literatur-Szene statt: Der Gewinner des Man Booker Preises 2011 wird verkündet. Um uns auf den großen Tag vorzubereiten, stellen wir bis Dienstag täglich einen der sechs Shortlist-Romane vor, die eine Chance auf den Booker haben.

Worum geht’s?

Eli Sisters und sein Bruder Charlie sind unterwegs gen Westen, nach San Francisco, um genau zu sein, um dort inmitten des Goldrauschs einen der vielen Feinde ihres Arbeitgebers zu eliminieren. Die Reise beginnt als ein Job von vielen für die berüchtigten Sisters Brothers; aber im Laufe ihrer Reise macht Eli Bekanntschaft mit einer unangenehmen Spinne, entdeckt die Zahnbürste, verliebt sich und schließt Freundschaft mit seinem nutzlosen Pferd. Und je weiter sie gen Westen kommen, desto mehr verändert sich das Verhältnis zwischen den zwei Brüdern – und Elis Einstellung zu seinem Job.

PopKulturSchock denkt…

Mit Eli Sisters hat Patrick deWitt einen der seltsamsten Erzähler der letzten Jahre geschaffen: freigebig wenn es ums Geld, schüchtern wenn es um Frauen geht, unerwartet weichherzig, loyal, skrupellos, analytisch und trotzdem naiv. Dass es einen solchen Auftragskiller im Wilden Westen hätte geben können, ist nicht besonders wahrscheinlich – aber wenn man sich einmal entschieden hat, Eli mit all seinen Macken ernst zu nehmen. Ist er außerdem einer der unterhaltsamsten und – erstaunlicherweise – angenehmsten Erzähler der letzten Zeit.

In anderer Hinsicht ist Patrick deWitt dafür realistischer, als das Genre des Westerns eigentlich vorsieht. Denn wir beobachten die Brüder nicht nur im Saloon und während testosterongeladenen Konfrontationen, Verfolgungsjagden und im (*hust*) Gespräch mit schönen Damen, sondern auch in ganz alltäglichen Momenten. Beim Einkaufen. In der Badewanne. Auf dem Zahnarztstuhl.

Egal welche Art von Situation und ob oder ob nicht gerade jemand den Sisters Brothers an den Kragen will (denn auch das kommt natürlich vor) – Eli berichtet davon stets mit der gleichen gelassenen Sorgfalt. Und diese Beobachtungen sind auf eine sehr stille, trockene Art oft sehr quer und ungeheuer lustig.

Trotz des Auftragskillers als Erzähler, nein, gerade wegen ihm ist The Sisters Brothers ein ungeheuer charmantes Buch, ohne dabei die Realität des Wilden Westen zu verharmlosen.

Die Chancen:

Neben Jamrach’s Menagerie ist The Sisters Brothers wohl das unterhaltsamste Buch der diesjährigen Shortlist, und es ist sicherlich mit großem Abstand das leichtherzigste. Patrick deWitt, der eigentlich versucht, möglichst unbemerkt zu bleiben, ist damit nicht nur in der Booker-Auswahl sondern auch in der von drei weiteren großen englischen Literaturpreisen.

Trotzdem ist sein Roman wahrscheinlich nicht unbedingt Material für den strahlenden Sieger. Denn deWitt hält sich nicht so sehr mit großen literarischen Themen auf wie die meisten seiner Mitstreiter. Auch wenn er das Genre des Westerns auf den Kopf stellt, könnte Eli doch noch ein paar mehr Grautöne haben und alles wesentlich schwermütiger sein. Nicht dass das seinem Roman irgendeinen Abbruch täte – aber womöglich den Gewinnchancen.

Die deutschen Rechte an den Sisters Brothers hat der Manhattan Verlag gekauft; die deutsche Ausgabe erscheint am 25. Juni.

Der Booker bei PopKulturSchock:

Julian Barnes – The Sense of an Ending

A. D. Miller – Snowdrops

Carol Birch – Jamrach’s Menagerie

Steven Kelman – Pigeon English

Esi Edugyan – Half Blood Blues

And the Booker goes to…

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