Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Buchkritik: Michael Frayn – Willkommen auf Skios

Buch
Item Reviewed

Buchkritik: Michael Frayn – Willkommen auf Skios

Author

Der britische Meister der Farce fliegt in Urlaub

Michael Frayn ist einer der gewichtigen alten Herren der britischen Literatur- und Theaterszene, eins der großen komischen Talente, die britischen Humor so berühmt gemacht haben.

Zehn Jahre ist es her, dass Frayns letzer Roman erschienen ist, und auch wenn er zwischendurch Theaterstücke und seine Memoiren veröffentlicht hat, ist Willkommen auf Skios mit scharrenden Hufen erwartet worden.

Dass der neue Roman eine Farce geworden ist, ist keine große Überraschung. Darin landen zwei Männer auf dem winzigen griechischen Inselidyll Skios, der eine um einen wichtigen, hoch komplizierten wissenschaftlichen Vortrag zu halten, der andere – ein routinierter Hochstapler – für ein paar Schäferstündchen mit einer liierten Frau. Letzterer wird am Flughafen verwechselt und packt die Gelegenheit beim Schopf, für ein paar Tage in die bequemen Fußstapfen von Dr. Norman Wilfred zu steigen. Wie der Zufall – bzw. Michael Frayn – es will, landet der am Bestimmungsort seines Gegenspielers.

Die folgende Geschichte ist eine Achterbahnfahrt absurder Zufälle, hintergründiger Beobachtungen und knackiger Dialoge. Michael Frayn ist ein Meister wenn es darum geht, witziges im Alltäglichen zu finden und seine Figuren auf liebevolle Art bloßzustellen.

Trotzdem ist die Farce eigentlich ein Theatergenre, und sie funktioniert dort am besten. Während im Theater oder im Film die Turbulenzen so über den Zuschauer hinwegrollen, dass er keine Zeit hat allzu lange über logische Löchlein und allzu große Zufälle nachzudenken, geht das beim Lesen sehr wohl. Willkommen in Skios liest sich zwar schnell – und lässt sich auch kaum aus der Hand legen -, aber dafür dann doch nicht schnell genug.

Davon abgesehen, dass man einfach glauben muss, dass all das so passieren könnte, funktioniert der Medienwechsel aber gut. Vor allem die Einblicke in die Köpfe diverser kleinerer Charaktere sind unerwartet scharfzüngig und witzig. Nur mit der – bestimmt sehr lieblichen – Landschaft Skios‘ hätte Frayn sich ein bisschen mehr Mühe geben können, wenn er seinen Roman, der im Original nur Skios heißt, schon nach der Insel benennt.

Willkommen in Skios ist kein tiefschürfendes Epos, und deshalb ist es auch kein Wunder, dass Frayn es zwar auf die Long-, nicht aber auf die Shortlist des Man Booker Preises 2012 geschafft hat. Aber es ist ein intelligentes Sommerbuch, das den ein oder anderen kleinen Spiegel vorhält und uns treffsicher zum Grinsen bringt.

 

Michael Frayns Willkommen auf Skios ist im August in einer sehr gelungenen Übersetzung beim Hanser Verlag erschienen.

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
Kommentare
Antworten

Antwoten

Total

}