Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Buchkritik: Mary Janice Davidson – Ganz allein zu dritt

Buch
Item Reviewed

Buchkritik: Mary Janice Davidson – Ganz allein zu dritt

Author

Cadence Jones ist FBI-Agentin, und sie ist auf der Suche nach einem Serienkiller. So weit, so generisch. Wer aber dem schwarzen Cover mit pink-gekleidetem Mädchen (inklusive Handtasche) fünf Sekunden Aufmerksamkeit schenkt, dem wird klar werden, dass sich hinter Ganz allein zu dritt kein geradliniges Procedural verbirgt, sondern ein Genre-Mix, der ins Chick-Lit-Genre lehnt.

Wer Mary Janice Davidson kennt, wird sich denken können, dass es außerdem einen übersinnlichen Twist geben wird, denn ihren Durchbruch hatte sie mit der albernen aber furchtbar unterhaltsamen Betsy-Taylor-Serie: Shopaholic meets The Vampire Diaries.

Tatsächlich ist dieser Twist erstens streng genommen nicht übersinnlich und zweitens das Herz von Ganz allein zu dritt. Cadence Jones hat sich nämlich dank traumatischer Erfahrungen in ihrer Kindheit in drei Persönlichkeiten gespalten, von denen zwei dazu da sind, die dritte – die Ursprungspersönlichkeit – zu schützen. Die drei „Schwestern“ erzählen die Geschichte abwechseln.

Eine romantische Komödie mit Serienkiller und einer Hauptfigur, die unter einer sehr tief greifenden Identitätsstörung leidet und eine schreckliche Vorgeschichte hat, klingt nach einer Idee, die man nach einer Menge Alkohol morgens um fünf haben könnte und am nächsten Morgen aus fünfhunderttausend Gründen sofort wieder verwirft.

Nicht so Mary Janice Davidson; sie hat aus dieser Idee ein ca. 300 Seiten langes Buch gestrickt, von der es im Original mittlerweile zwei weitere Bände gibt.

Das Procedural…

… ist nicht ernst zu nehmen, weil auf diesen 300 Seiten gar nicht genug Platz ist, um einen komplexen Fall zu entwickeln. Völlig überraschend mündet dieser lahme Fall, dem Cadence sich immer mal wieder zwischendurch widmet, aber in einen unheimlich spannenden Showdown. Der hätte zwar sicher noch besser funktioniert wenn er besser vorbereitet gewesen wäre, beeindruckt hat er mich trotzdem.

Rechte: PopKulturSchockDie romantische Seite…

… kommt ebenfalls ein bisschen zu kurz. Ohne zu viel verraten zu wollen: Das Objekt ihrer Zuneigung stammt aus Cadence‘ sozialem Umfeld und hat wenig mit dem Fall zu tun. Das wäre vielleicht geschickter gewesen, denn dann hätte Davidson gleichzeitig den Fall und die Beziehung entwickeln können, so holpern leider beide.

Der Twist…

… ist mit Abstand das stärkste an Ganz allein zu dritt. Mary Janice Davidson gibt sich große Mühe, alle drei Stimmen wiedererkennbar zu gestalten, und das gelingt erstaunlich gut. Ohne dass es angekündigt wird, weiß man nach ein paar Kapiteln innerhalb von wenigen Zeilen, wem die Erzählstimme gehört, der man gerade folgt. Außerdem mag sie über alles in ihrem Roman, inklusive der Morde, auf die leichte Schulter nehmen, aber die Persönlichkeitsstörung ihrer Protagonistin nimmt sie sehr ernst. Das Verhältnis der Figuren untereinander, Cadence‘ Angst vor einer Reintegration und dem damit einhergehenden Verlust zweier Identitäten und die für einen so kommerziellen Roman sehr ungewöhnliche Erzählstimme der unangepasstesten „Schwester“ – all das verleiht Ganz allein zu dritt fast so etwas wie Tiefe.

Ganz allein zu dritt leidet darunter, dass sicher vieles schnell gehen musste, als der Roman entstanden ist: Mary Janice Davidson veröffentlicht mehrere Romane pro Jahr und wird sich für ihre einzelnen Projekte nicht unendlich viel Zeit nehmen. Deshalb knirscht und knackt es in den Gelenken zwischen den drei Genres. Und auch die Übersetzerin Barbara Först scheint unter Zeitdruck gearbeitet zu haben. Anders kann ich mir nicht erklären wie viele schöne Formulierungen neben Übersetzungen wie „jeweils eine zur Zeit“ für „one at a time“ stehen können (statt sowas wie: „eine nach der anderen“).

Muss man dieses Buch lesen? Sicher nicht. Es gibt bessere Chick Lit, bessere Thriller und auch den ein oder anderen besseren Roman über multiple Persönlichkeiten. Aber die Seiten von Mary Janice Davidsons Genre-Mix blättern sich mehr oder weniger von selbst um, ihre Geschichte ist szenenweise ungeheuer spannend und ihre Protagonistinnen stoßen sogar den ein oder anderen Gedanken an. Auch wenn die Romantik interessanter hätte sein können: Mehr als ich erwartet hatte.

 

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
kommentieren
Antworten
  • 4. März 2012 auf 19:31

    Also die Undead-Reihe finde ich ja zum Schreien komisch, ich sehe nur nicht unbedingt ein, für ein so kurzes Buch den gleichen Preis zu zahlen wie für Normalgesetzte … Deshalb bin ich in der Reihe lange nicht weitergekommen. Schade dass auch diese Bücher sehr begrenzt zu sein scheinen, kein Wunder dass sich da nicht viel entfalten kann. Sind sie den auch so unglaublich amüsant geschrieben oder herrscht dort ein etwas ernsterer Ton? Bzw. Wie schneiden sie denn im direkten Verleich zu Undead ab?

    Sreetread.wordpress.com

    • 5. März 2012 auf 10:24

      Ich hab die Serie auch geliebt. Die englischen Ausgaben sind einfach zu lesen und kosten nur die Hälfte, zumindest wenn man sie online bestellt. Andererseits sind die späteren Bände nicht mehr ganz so witzig, finde ich. Bis wohin bist Du denn gekommen?

      Hmm, welches jetzt besser ist, finde ich schwer zu vergleichen. Cadence Jones ist auf keinen Fall so witzig wie Betsy, der Ton ist tatsächlich etwas ernster – obwohl Cadence selbst ein ganz ähnlicher Typ ist. Und als Love Interest funktioniert Vampir-König Wie-heißt-er-noch-gleich aus der Undead-Reihe auch besser. Aber als unterhaltsame … ich würde fast sagen: kleine Charakter-Studie, finde ich Ganz allein zu dritt interessanter.

  • 4. März 2012 auf 23:07

    Den Begriif „Chick Lit“ höre ich zum ersten Mal ^^

    • 5. März 2012 auf 10:11

      Oh, wirklich? Ich hab eine Weile lang zu viel davon gelesen, um um den Begriff herum zu kommen 😉 Ich würde sagen, es ist ziemlich genau das gleiche Genre wie die romantische Komödie im Film.

  • 5. März 2012 auf 22:57

    Hm, vllt sollte ich der Reihe einfach mal ne Chance geben, werd mal schauen, was der Preis sagt. Bei Betsy (und Sink Lair 😉 ) habe ich zuletzt Undead and Unworthy gelesen.

    • 7. März 2012 auf 10:05

      Weiter hab ich tatsächlich auch nicht gelesen, weil ich die letzten zwei (oder so) Bände schon nicht mehr so originell fand wie die davor.

      Probier’s mal mit Ganz allein zu dritt – ich war wirklich erfreut dass das Buch ganz andere Stärken hat, als ich erwartet hab. Nur erwarte nicht zu viel von dem Fall selbst, sonst wirst Du ganz bestimmt enttäuscht sein. Das ist definitiv keine von den Stärken.

Antwoten

Total

}