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Buchkritik: Lucy Wood – Friedhof der Riesen

Buch
Überblick
Item Reviewed

Lucy Wood - Friedhof der Riesen

Author
15. Mai 2013
Originaltitel

Diving Belles

Genre

Kurzgeschichten, magischer Realismus

Spielt in

Cornwall

Jahr

2013 (Originalausgabe: 2012)

Länge

272 Seiten

Awards

BBC National Short Story Award: 2. Platz
Somerset Maugham Award

Verlag

Berlin Verlag

Athmosphärischer magischer Realismus aus Cornwall

Lucy Wood - Friedhof der Riesen; Rechte: Berlin VerlagKurzgeschichten sind ein seltsames Format: Einerseits wichtig für junge Autoren, um ihre Fähigkeiten zu testen und zu verfeinern, um sich auf relativ sicherem Boden mit erzähltechnischen Problemen auseinanderzusetzen und verschiedene Stimmen und Stile auszuprobieren; andererseits der allgemeinen Leserschaft herzlich egal. Dass das nicht überall auf der Welt so ist, sondern vor allem in Europa, dass es in den USA um die 1000 literarische Magazine gibt, die tatsächlich gelesen werden, habe ich erst im Vorwort einer Kurzgeschichtensammlung erfahren.

Entsprechend wenig Sammlungen mit kurzen Erzählungen erscheinen bei uns, erst recht Sammlungen von einem einzigen Autor. Der Berlin Verlag ist also durchaus ein Risiko eingegangen*, als er die Rechte zu Lucy Woods Friedhof der Riesen erstanden hat. Denn Friedhof der Riesen enthält nicht nur ausschließlich Kurzgeschichten aus der Feder einer Autorin, es ist außerdem ein Debüt. Nichtmal ein berühmter Name also, der Publikum anzieht.

Dem Designer des Covers haben Lucy Woods Erzählugen offenbar genauso gut gefallen wie mir, denn er hat sein Bestes gegeben, um auf ihr Debüt aufmerksam zu machen: Der Umschlag ist erstens wunderschön und spiegelt zweitens die Athmosphäre dieser Geschichten wider: ihre Eleganz und Klarheit, die Feuchtigkeit, die durch alles dringt, und das Gefühl, dass direkt hinter dem Ende des Sichtfelds noch etwas ist, das man fassen könnte, wenn man nur einen kurzen Blick darauf erhaschen könnte.

Die zwölf Geschichten spielen in Cornwall, und die Menschen darin sind den mythischen Wurzeln ihrer Heimat näher als wir. Trotzdem schreibt Lucy Woods keine Fantasy. Sie erzählt leise von verlassenen Ehefrauen und eigensinnigen Großeltern, von einem Sommer, der nicht enden will und zwei Freunden, die nur zähneknirschend erwachsen werden. Aber im Leben dieser Menschen sind die Legenden Cornwalls eine Selbstverständlichkeit, die Meermänner, Riesen, Bucca und Hausgeister, die den Alltag mal nur streifen und ihn mal zum Stillstand bringen.

Ihre Variante des magischen Realismus ist sehr auf die Athmosphäre Cornwalls angewiesen, und Lucy Wood lässt sie mit wenigen Worten lebendig werden:

Die stickige Hitze kühlte sich nachts ab und sammelte sich morgens wieder.
Die Leute aßen Eiscreme, der Geruch von Lagerfeuern hing in der Luft,
dicke Schmeißfliegen flogen einem an die nackten Arme.

Genauso mühelos gelingt ihr das mit ihren Charakteren, die nach nur einer Handvoll Sätze aus der Seite spazieren. Trotzdem kommen wir an die meisten von ihnen nicht so recht heran. Lucy Wood beschreibt ihre Eigenheiten wie jemand, der die Menschen um sich herum lange und gut beobachtet, aber nie so recht verstanden hat – vielleicht wie eins jener Fabelwesen sie sähe. Die Figuren selbst haben es übrigens auch nicht besser: Viele von ihnen sind einsam, selbst dann, wenn sie nicht alleine sind.

Jede Geschichte in Friedhof der Riesen schmiegt sich nahtlos in die nächste. Nicht nur, weil sie ganz offensichtlich alle in der gleichen ‚Welt‘ spielen und fest in der Landschaft Cornwalls verwurzelt sind, sondern auch dank Lucy Woods so wiedererkennbarem wie elegantem Stil und der stillen Melancholie, die jeden Satz durchweht. Sie gibt ihnen Raum genug, sich zu entfalten, ohne je die Kontrolle zu verlieren.

 

*Allerdings eins, das der Verlag relativ regelmäßig eingeht, dort erscheint fast jede Saison eine solche Sammlung.

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Ein magisches Debüt, gleich in mehrerer Hinsicht. Lucy Wood ist tatsächlich die im Klappentext beschworene große Entdeckung und ein guter Grund, sich dem Genre Kurzgeschichte endlich mal wieder zuzuwenden. Und trotzdem freue ich mich insgeheim noch mehr auf ihren ersten Roman.

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