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Buchkritik: Lori Handeland – Shakespeare Undead – Der Untoten Zähmung

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Buchkritik: Lori Handeland – Shakespeare Undead – Der Untoten Zähmung

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Dass ein unscheinbarer Mann vom Land, Sohn eines einfachen Handwerkers und  einer Bauerntochter, die knapp 40 Theaterstücke und über 150 Sonette William Shakespeares geschrieben haben soll, können sich seit Jahren schon viele Leute nicht so recht vorstellen. Alternative Theorien gibt es jede Menge: Shakespeare war ein Auotrenkollektiv, oder wenigstens könnte der Autor eigentlich Francis Bacon, Kit Marlowe oder Graf Edward de Vere, der sich hinter dem Namen eines normalen Bürgers versteckt haben soll. Lori Handeland schlägt in Shakespeare Undead eine andere Theorie vor: Shakespeare könnte ein Vampir gewesen sein, der im Elisabethanischen Zeitalter schon Jahrhunderte hinter sich gebracht hatte und jeder Menge Menschen mit interessanten Geschichten begegnet war, die er verarbeiten konnte.

Auch für die Identität der mysteriösen Dark Lady, die Shakespeare in seinen 25 leidenschaftlichsten Sonetten besungen hat, hat Handeland eine Theorie: eine (dunkelhaarige) junge Dame aus gutem Haus namens Katherine, die des Nachts auf Zombie-Jagd geht und sich dazu als Junge verkleidet. Klingt vertraut? Ist es auch. Shakespeare Undead – Der Untoten Zähmung ist im Prinzip Shakespeare in Love mit Zombies: Die Protagonistin, hier bereits unglücklich verheiratet und nicht nur unglücklich verlobt, wäre genau wie Gwyneth Paltrom als Viola de Lesseps gerne Schauspielerin. Nachdem sie und Shakespeare sich unsterblich ineinander verlieben, werfen sie genau wie im Film ganze Shakespeare-Dialoge hin und her – hier allerdings nicht als Bühnenprobe, sondern als „echter“ Dialog zwischen den beiden Charakteren.

Die Prämisse ist also nicht gerade neu, aber andererseits schon erprobt und relativ clever – zumal der „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“-Dialog einen ganz anderen Spin bekommt, wenn einem der Beteiligten im Morgengrauen nicht nur die Entdeckung droht, sondern die Gefahr zu Staub zu zerfallen. Auch dass Shakespeare zwischendurch immer mal wieder Ideen für andere Geschichten kommen, die er dann wieder vergisst (die vom Zauberer von Oz, von Sixth Senth und Star Wars zum Beispiel) ist raffiniert. Ob er sie ein paar Jahrhunderte später tatsächlich umsetzt, unter anderem Namen, bleibt offen.

Trotzdem hat Lori Handeland gewaltige Probleme, ihre Geschichte zu erzählen. Eins der größten ist die Sprache: Ihre Figuren sprechen eine moderne, schnörkellose Sprache, die gut zu Handelands unprätentiösem Erzählstil passt – bis sie plötzlich in Shakespeares Dialoge fallen. Der Kontrast mag beabsichtigt sein, aber er liest sich trotzdem alles andere als elegant. Die Übersetzung macht die ganze Sache nicht besser: Wenn Ausdrücke wie „an seiner Zunge lutschen“ zwischen Shakespeare-Zitate rutschen, rollen sich langsam aber sicher die Fußnägel ein – egal wie normal „suck his tongue“ auf Englisch klingen mag.

Das zweite ganz große Problem der Geschichte ist die übersinnliche Seite: Während Handeland die Romance ganz gut gelingt, stammen die Vampire und Zombies geradewegs aus dem Setzkästchen für Supernatural Romance-Autoren und haben wenig Auswirkung auf die Geschichte, abgesehen davon dass sie die Figuren zusammenführen, Gelegenheit zu ein paar Action-Szenen geben und – im Fall von Shakespeares geheimer Unsterblichkeit – für Konfliktpotenzial zwischen Will und Kate sorgen.

Ein bisschen mehr Kreativität und eine etwas komplexere Urban Fantasy-Welt hätte man schon erwarten können, wenn sich eine Autorin mit einem der größten Schriftsteller der Literaturgeschichte beschäftigt. (Die Entschuldigung, Romance könne oder müsse das nicht, lasse ich nicht mehr gelten seit ich Meljean Brooks Eiserne See in die Hände bekommen und gesehen habe, dass es sehr wohl geht!) Aber dass man sich mit Shakespeare Undead langweilen würde, kann man auf der anderen Seite auch nicht behaupten: Die Handlung ist knackig schnell erzählt, die Charaktere sind weder nervig noch unglaubwürdig und die Shakespeare-Zitate den jeweiligen Stücken zuzuordnen macht einfach Spaß. Wer aber nur Shakespeare und weder Vampire noch reguläre Nackenbeißer mag, sollte sich lieber an die Filmversion ohne Zombies halten – oder gleich ans Shakespearesche Original.

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