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Buchkritik: Katie MacAlister – Steamed

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Buchkritik: Katie MacAlister – Steamed

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Fans von gleich zwei Genres sind in Habachtstellung gegangen, als in den USA angekündigt wurde, dass im Februar 2010 Steamed von Bestsellerautorin Katie MacAlister erscheinen sollte: die Steampunks und die Romance-Aficionados. Denn obwohl Steampunk mittlerweile über 20 Jahre auf dem Buckel hat und das Romantik-Genre längst sowohl in Fantasy und sogar Science Fiction als auch (und erst recht) in historischen Settings zuhause war, gab es bis dahin keine Steampunk-Romance.

Katie MacAlister ist allerdings keine Nackenbeißer-Autorin (auch wenn sie sich bislang hauptsächlich im Paranormal Fantasy-Genre aufgehalten hat). Ihre Romanzen sind bekannt für einen leichten Spin und ironische Untertöne. Und das ist bei Steamed (das im Deutschen mit dem Untertitel 30° West, 100° Liebe leben muss) nicht anders.

Der männlicher Protagonist Jack Fletcher, wohnhaft im Amerika des 21. Jahrhunderts, Quäker, Amateur-Abenteurer, Physiker und professioneller Mädchenschwarm (ja, da geht’s schon los mit der Ironie) verschwindet samt seiner Schwester, der gesichtslosen Hallelujah, mit einem lauten *Puff* in die Steampunk-Welt von Octavia Pye, Captain in der Flotte ihrer Majestät des Kaisers von England.

Glücklicherweise ist Octavia auf den ersten Blick von dem bewusstlosen blinden Passagier angetan, der sich urplötzlich auf ihrem Luftschiff materialisiert und verzichtet darauf, ihn von Bord zu werfen. Genauso glücklich ist der Umstand, dass Jack als Steampunk-Fan sich sofort überall zurechtfindet (nur dass sich nirgends Goggles finden lassen, macht ihn nachhaltig unglücklich) – und dass Octavias Mannschaft so eigenwillige Charaktere beherbergt, dass beim Auftauchen von zwei seltsam gekleideten Fremden niemand groß Fragen stellt.

Von dort aus enwickelt Katie MacAlister keine Liebesgeschichte mit Abenteuerelementen, sondern umgekehrt eine Abenteuergeschichte mit eingeflochtener Romanze und ausgedehnten Sex-Szenen.

Steamed will beides sein: ein spannendes Abenteuer und eine vor Erotik dampfende (Entschuldigung, der musste sein) Liebesgeschichte. Leider gelingt es Katie MacAlister nicht, auf den 330 Seiten ausreichend Platz für beides zu finden – zumal sie nebenbei noch eine Welt zu etablieren und eine Menge Witze zu reißen hat.

Dass die Romance nicht so richtig funktionieren will, liegt vor allem an letzterem. Denn fast alle Charaktere und eine Menge Situationen sind bewusst albern, fast Slapstick-haft (inklusive Jack, der kein Charakter ist, sondern eine zusammengewürfelte Ansammlung seltsamer aber witziger Eigenschaften). Das ist zwar sehr unterhaltsam, verhindert aber, dass man sich mit Octavia in Jack verliebt – zumal das Knall auf Fall passiert und ein bisschen plump entwickelt ist.

Die Abenteuerelemente von Steamed haben dafür erstaunlich viel Potenzial. Die Welt ist zwar nicht gerade das ausgeklügelteste und kreativste aller Steampunk-Universen und bedient sich hauptsächlich aus dem Fisherprice-Baukästchen der Steampunk-Klischees, aber dafür findet sich darin ein interessantes und komplexes Gewirr politischer Interessen, in das unsere Helden geraten.

Leider nimmt sich Katie MacAlister nicht die Zeit, all das so zu entwickeln, dass sich der Einsatz erhöhen würde. Das kleine Abenteuer und die Twists am Ende der Geschichte haben nicht den nötigen Umpf, und manche Fragen bleiben auf unbefriedigende Weise offen.

In Anbetracht all dieser Kritikpunkte ist es fast unverschämt, wie unterhaltsam Steamed ist. Vielleicht liegt es daran, dass Katie MacAlister handwerklich weiß was sie tut, so dass Expositionsszenen und Dialoge nie gewollt, sondern immer natürlich wirken, selbst wenn die Figuren, die sie austauschen, nicht tiefer sind als das Papier auf dem sie sich bewegen. Ganz sicher hat es aber damit zu tun, dass Katie MacAlister nichts ernst nimmt, schonmal gar nicht sich selbst und ihre Geschichte. Ihre Albernheit ist ansteckend, und jedes Mal wenn man die Augen rollt hat man das Gefühl, dass das genau so gewollt war. Von der Romance sollte man nicht zu viel erwarten, und ernsthafte Steampunk-Leser werden Steamed vielleicht hassen, aber wenn man über all dies hinwegsieht (und das ist definitiv möglich), dann lassen sich mit Katie MacAlisters Steampunk-Einstand ein paar sehr angenehme Stunden verbringen.

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