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Buchkritik: Julian Barnes – Vom Ende einer Geschichte (The Sense of an Ending, Booker Prize)

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Buchkritik: Julian Barnes – Vom Ende einer Geschichte (The Sense of an Ending, Booker Prize)

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Am 18. Oktober, nur eine Woche nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises, findet in London eins der wichtigsten Ereignisse der internationalen Literatur-Szene statt: Der Gewinner des Man Booker Preises 2011 wird verkündet. Um uns auf den großen Tag vorzubereiten, stellen wir bis Dienstag täglich einen der sechs Shortlist-Romane vor, die eine Chance auf den Booker haben.

Rechte: Jonathan Cape

Worum geht’s?

Als er mit Ende 60 eine höchst unerwartete Erbschaft macht, erinnert sich Tony Webster, geschieden aber auf gutem Fuß mit seiner Ex-Frau, an eine Episode aus seinen Studententagen – nur um nach und nach festzustellen, dass sein Erinnerungsvermögen nicht annähernd so präzise ist, wie er dachte.

Julian Barnes geht es allerdings nicht um Demenz oder Alzheimer, sondern um das ganz natürliche Vergessen und vor allem das unterbewusste Retuschieren der eigenen Vergangenheit, so dass sie mit dem Bild übereinstimmt, das man von sich selbst hat. Wie zuverlässig sind unsere Erinnerungen?

PopKulturSchock denkt…

The Sense of an Ending ist ein hervorragend durchdachtes Buch, und sein Thema ist zugleich relevant für jeden einzelnen Leser als auch metaliterarisch – wie oft gibt es schließlich in Romanen Ich-Erzähler, die sich an jedes noch so kleine Detail, jeden Dialogschnipsel ihrer Geschichte erinnern können wollen – selbst wenn diese viele Jahre zurückliegt?

Julian Barnes versteht sein Handwerk, und sein neuer Roman ist sehr ökonomisch strukturiert. Bis auf den letzten Twist, der dramaturgisch nicht nötig gewesen wäre (die Sache dafür aber ein bischen spannender macht), sind jede Szene und jeder Charakter höchst effektiv; Julian Barnes erzählt so viel wie nötig und keine Silbe mehr. Wie immer ist seine Sprache präzise und elegant, aber auch dicht, und erfordert deshalb einige Konzentration.

The Sense of an Ending ist schlüssig erzählt und klug beobachtet – aber es wirkt eher wie ein Lehrstück oder ein Aufsatz in fiktiver Form, als wie ein Roman. Als hätte Barnes nicht eine Geschichte erzählen und nebenbei etwas über die sogenannte „human condition“ zeigen wollen, sondern umgekehrt. Deshalb ist sein neuer Roman nicht annähernd so unterhaltsam wie dessen Vorgänger, bei denen die Lust am Erzählen förmlich übergesprudelt ist.

Die Chancen:

Für Julian Barnes ist es das vierte Mal auf der Shortlist des Booker Prize, und auch wenn The Sense of an Ending nicht sein bester Roman ist, steigt mit jedem Mal die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Jury erbarmt und ihm den Preis endlich verleiht. Dazu kommt, dass Barnes einer der wichtigsten britischen Schriftsteller unserer Zeit ist, und genauso wie jeder große Schriftsteller gerne einen Booker hätte, hätte der Booker gerne jeden großen Schriftsteller mal „gehabt“.

Die Buchmacher in England glauben, dass Julian Barnes‘ Chancen etwas, aber nicht sehr viel besser sind als die der Konkurrenz. Wir denken: Da der zweite Platz mit jeder Nominierung ein bisschen undankbarer wird und genau wie beim Oscar auch solche Überlegungen eine Rolle spielen, dürften Julian Barnes Chancen wesentlich besser sein als die der anderen.

Der Booker bei PopKulturSchock:

Buckritik Patrick DeWitt – The Sisters Brothers

Buchkritik Carol Birch – Jamrach’s Menagerie

Esi Edugyan – Hal Blood Blues

Buchkriik A.D. Miller – Snowdrops

Buchkritik Stephen Kelman – Pigeon English

And the Booker goes to…

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