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Buchkritik: Javier Márquez Sánchez – Das Fest des Monsieur Orphée

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Buchkritik: Javier Márquez Sánchez – Das Fest des Monsieur Orphée

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Als das kleine britische Familienunternehmen Hammer Films Mitte der 50er Jahre den Horror-Film wiederbeleben wollte, hat kaum jemand an einen Erfolg geglaubt. Aber Hammer hatten ein gutes Konzept: Sie nutzten die gelockerten britischen Zensur-Gesetze, um die Stoffe des klassischen englischen Gothic Horror des 19. Jahrhunderts mit blutigen Szenen zu kombinieren, angelehnt an das französische Grand-Guignol Theater. Und der große Star der frühen Hammer-Filme war der renommierte BBC-Schauspieler Peter Cushing.

Genau dieses Konzept nutzt auch Das Fest des Monsieur Orphée, der Debütroman des spanischen Schriftstellers Javier Márquez Sánchez: Mitte der 50er fordert ein geheimnisvoller Film, den der Teufel gedreht haben soll, innerhalb kürzester Zeit hunderte blutiger Tode. Und in die Ermittlungen verwickelt sich kein geringerer als Peter Cushing, der gerade für seinen ersten Hammer-Film recherchiert.

Die Idee, das Konzept der Hammer-Filme mit der Geschichte des Studios zu verweben und außerdem alte Hollywood-Legenden (teils erfunden, teils aber auch nur uminterpretiert) einfließen zu lassen, ist sehr clever, und Márquez Sánchez ist außerdem sehr geschickt wenn es darum geht, die düstere Athmosphäre der Gothic Novels ins neblige London der 50er zu übertragen: mit bedrohlichen Adligen, Bibliotheken mit dicken Samtteppichen und verstaubten Keller-Gewölben.

Leider ist Das Fest des Monsieur Orphée nicht besonders elegant erzählt. Márquez Sánchez benutzt immer wieder Dialoge für Exposition und informiert den Leser über Dinge, die die am Dialog beteiligten Figuren längst wissen. Und auch sprachlich ist der Roman ein bisschen steif, und das obwohl Márquez Sánchez (und auch sein Übersetzer Luis Ruby) sich eines ungewöhnlich großen Wortschatzes bedienen.

Schlimmer ist aber, dass bis auf Peter Cushing so gut wie alle Charaktere nicht mehr als Klischees sind: der ehemalige Nazi-Scherge auf Seiten des Bösen, der verwirrte Professor, der geniale Ermittler mit allen Merkmalen von Sherlock Holmes, abgesehen von dessen Charisma.

Auch wenn auch das eine kleine Hammer-Hommage sein könnte, da gehören solche Figuren schließlich zum Repertoire, funktioniert es im Roman nicht: Über 90 Minuten folgt man ein paar Klischees gerne, über 400 Seiten nicht – zumal die Erzähl-Perspektive so oft wechselt, dass für keinen der Charaktere mehr als ein paar hastig hingeworfene Momente bleiben.

Das gilt – fast noch schlimmer – nicht nur für die Charaktere, sondern auch für die Handlung: Fast jede Situation wirkt vertraut, allen voran die rituellen Opferungen diverser Jungfrauen. So ist es fast unmöglich, für die Figuren und ihr Schicksal mehr aufzubringen als milde, sehr milde Neugier.

Auch wenn es nicht aufgeht: Das Beste an Das Fest des Monsieur Orphée ist trotzdem das clevere Konzept  – und die mehr als liebevolle Präsentation des des Walde+Graf-Verlags, der sich regelmäßig dadurch auszeichnet, dass er seine Titel mit atmosphärischen Illustrationen und sehr hochwertigem Einband veröffentlicht. Diesmal: komplett mit geprägtem Umschlag, den Hammer-Filmen nachempfundenen „Credits“ und diabolisch auf dem Kopf stehenden Seitenzahlen.

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