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Buchkritik: J. Kenner – Dir verfallen

Buch
Überblick
Item Reviewed

J. Kenner - Dir verfallen

Author
30. April 2013
Originaltitel

Release Me

Jahr

2013 (Originalausgabe: 2012)

Länge

401 Seiten

Serie

Stark (1)

Verlag

Diana

kenner-dir-verfallenJ. Kenner drückt erfolgreich auf Knöpfe

Seien wir ehrlich: Niemand nimmt ein Buch wie dieses in die Hand, um geistige Erbauung und/oder große Literatur zu finden. Nicht mit diesem Titel, einem pinken Sticker (‚Verführung pur‘) und der Tagline ‚Die dunkle, berauschende Seite der Liebe‘. Trotzdem. Erotische Literatur kommt zwar erstaunlicherweise auch völlig ohne literarische Qualitäten aus, wie wir seit Shades of Grey wissen – aber es ist und bleibt schöner, wenn man nicht dreimal pro Seite vor Scham (ob der Formulierungen, nicht des Inhalts) zusammenzuckt. Und vielleicht gibt es die eierlegende Wollmilchsau ja doch.

Von außen ist Dir verfallen ambivalent: ein außergewöhnlich ästhetisches Cover (trotz des pinken Stickers, der dem armen Designer das Herz gebrochen haben dürfte) auf der einen Seite, auf der anderen der Klappentext, der geradezu einen Klon von Shades of Grey verspricht: junge Berufsanfängerin, millionenschweres und selbstverständlich bildschönes Love-Interest, dunkle Geheimnisse.

Der Klappentext verspricht nicht zu viel, Julie Kenner bedient sich tatsächlich ziemlich schamlos an den Bausteinen, die Frau James (und auch Frau Day) zur Millionärin gemacht haben: Damien hat eine schwierige Vergangenheit, schnelle Autos, einen Privat-Jet und ein schiefes Grinsen, ist ein Kontrollfreak und großer Humanist und weiß natürlich sehr genau was er will; Nikki dagegen ist ein relativ unschuldiges Mädchen. Die Anziehungskraft zwischen ihm und ihr ist selbstverständlich mehr als explosiv, und bevor irgendetwas passiert, wird erstmal ein Vertrag geschlossen.

So weit, so einfallslos.

Aber, und damit habe ich nicht gerechnet, Julie Kenner strickt aus den bekannten Zutaten einen Roman mit einem ganz eigenen Vibe. Dafür dürfte vor allem Nikki verantwortlich sein, ihre Protagonistin. Anders als Ana aus Shades of Grey weiß sie genau, was sie will und traut sich auch, das zu sagen – auch wenn sie dafür ihrem Wunderknaben mal ’nein‘ sagen muss. Dadurch sind Nikki und Damien viel mehr auf Augenhöhe. Das spiegelt sich auch in den Sex-Szenen wider. ‚Die dunkle Seite der Liebe‘, die die Buchrückseite verspricht, findet hier nicht statt, Nikki und Damien haben ’normalen‘, wenn auch aufregenden Sex, und bleiben auch dabei fast immer auf Augenhöhe. Ist das sexy, für jemanden, der Shades of Grey und Crossfire mit beschleunigter Atmung gelesen hat? Tendenziell schon.

Zumal J. Kenner stilistisch weiß was sie tut. Dir verfallen ist effizient erzählt, die Charaktere funktionieren (auch wenn es in der Beziehung zwischen Nikki und ihrem besten Freund den ein oder anderen logischen Bruch gibt, den der Lektor hätte ausmerzen mögen), keine ‚Oh my’s, keine ewige Wiederholung unausgegorener Formulierungen. Und auch dem Plot widmet sie verhältnismäßig viel Aufmerksamkeit. Zentral ist natürlich die Beziehung, aber der ein oder andere Handlungsstrang um jene herum ist tatsächlich interessant, fast würde ich so weit gehen zu sagen: spannend.

Trotzdem bleibt die Frage, ob das Alpha-Männchen der erotischen Literatur unserer Zeit wirklich unbedingt ein umwerfender, kühler Multimilliardär sein muss, der nach Jahren emotionaler Abstinenz die Heldin, niemanden sonst, an seiner Seite (oder wenigstens in seinem Bett) wissen will, und zwar unbedingt. Ich weiß, das hat schon bei Jane Austen gut funktioniert, und dieses Schema scheint entsprechend fest im kollektiven weiblichen Bewusstsein verankert zu sein. Aber ist es nicht ärgerlich (und auch fragwürdig), dass wir offenbar immer noch so funktionieren oder die Autorinnen das zumindest zu glauben scheinen, Jahrzehnte nach dem vermeintlichen Durchbruch der Emanzipation? Ich bin sicher, es gibt andere Knöpfe, auf die man drücken kann, subtilere und weniger oberflächliche Knöpfe. Bitte, liebe Autoren, drückt doch mal dort.

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Das, was J. Kenner sich vorgenommen zu haben scheint, gelingt ihr perfekt: ein gut lesbares, sexy Buch zu schreiben, das auf dem Erfolg der 50 Shades-Welle reitet. Als Bonus gibt es stärkere Charaktere. Aber richtig originell ist "Dir verfallen" leider nicht.

Pop / Kultur / Schock: Purer POP

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