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Buchkritik: Gil Adamson – Hilf mir, Jacques Cousteau

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Buchkritik: Gil Adamson – Hilf mir, Jacques Cousteau

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Gil Adamson tanzt zwischen den Minen

Gut gemachte fiktionale Familienporträts sind für den Autor ein Minenfeld: Das Konstrukt Familie ist so zerbrechlich und so ineinander verflochten, dass schon mehr als ein Schriftsteller daran gescheitert ist. Schließlich muss er nicht nur glaubhafte Charaktere erfinden, sondern auch abschätzen, wie jedes noch so kleine Ereignis die Beziehungen der Charaktere zu ihren Familienmitgliedern beeinflusst – und deren Beziehungen untereinander. Je komplizierter die Charaktere und je größer die Familie, desto schwerer hat es der Autor.

Gil Adamson hat es sich nicht leicht gemacht. Nicht nur erzählt sie von einer Familie mit immerhin neun Mitgliedern (Großeltern und wichtige Onkel mitgezählt), jedes einzelne Mitglied dieser Familie ist außerdem überspannt. Als wäre das noch nicht genug, folgt Adamson der Geschichte ihrer Familie über mehr als zehn Jahre. Und das auf 187 Seiten.

Der Kniff der das möglich macht, ist so einfach wie geschickt: Hilf mir, Jacques Cousteau ist nicht als traditioneller Roman konzipiert sondern als chronologische Sammlung von Kurzgeschichten, die zusammen dann doch zu einem werden.

Aus der Perspektive von Tochter Hazel (am Anfang vielleicht vier Jahre alt, am Ende um die 20) erzählt sie von den absurden kleinen Höllenfahrten ihrer dysfunktionalen Protagonisten und konzentriert sich dabei auf jeweils einen Charakter. So entstehen perfekt konstruierte kleine Vignetten, dramaturgisch bis ins letzte Detail durchdacht.

Gleichzeitig wird Hazel erwachsen, und während sie aufwächst, verändert sich ihre Perspektive. Während sie am Anfang noch alles für selbstverständlich nimmt, auch dass der Onkel seine Haustiere – allesamt weiß – zu einem Wettschwimmen antreten lässt und dass ihr Vater im Haus alle Kabel neu verlegt sobald sich Ärger anbahnt, beginnt sie langsam, Dinge zu hinterfragen. Und während sich die einen näher kommen, driften die anderen auseinander.

Hazel ist eine großartige Erzählerin; erstens wegen dieses Perspektivwechsels, aber auch deshalb, weil sie ihre Familie so ernst nimmt. Sie erlaubt es Gil Adamson, von der Exzentrik ihrer Familie so selbstverständlich zu erzählen wie der Magische Realismus von Wunderheilern und fliegenden Kindern. Und weil Hazel ihre Familie am Herzen liegt, geht es uns genauso.

Aber so geschickt Adamson ihre Geschichte erzählt, eins bleibt dabei doch auf der Strecke: die Handlung. Oder besser gesagt die „Handlung“, denn eine richtige fortlaufende Geschichte, eine Dramaturige mit drei oder fünf Akten, gibt es nicht. Die Kapitel sind ganz in sich abgeschlossen, zwischen ihnen liegen oft mehrere Jahre. Und wenn doch der ein oder andere Handlungsstrang später wieder aufgegriffen wird, dann weil es wichtig für einen Charakter ist, nicht für die Handlung.

Charakterdrama, das so sehr auf die Charaktere konzentriert ist, dass vom Drama nicht mehr viel übrig bleibt also. Einen Roman von epischen Ausmaßen würde dieses Konzept nicht tragen, aber die 187 Seiten von Hilf mir, Jacques Cousteau (der übrigens auch nicht helfen kann) sind ein perfektes kleines literarisches Album mit skurrilen Momentaufnahmen einer seltsamen aber liebenswerten Familie, voll bunter Details und mit einem unverkennbar liebevollen Sepia-Stich.

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