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Buchkritik: Ernest Cline – Ready Player One

Buch
Überblick
Item Reviewed

Ready Player One

Author
16. April 2012
Genre

Science Fiction, Meta, Abenteuer

Autor

Ernest Cline

Kommt aus

USA

Jahr

2012

Verlag

Penhaligon


„When Pac-Man met Neo“ – der grandiose Debüt-Roman des Drehbuchautors von Fanboys entzaubert die Zukunft und romantisiert die Vergangenheit.

Die späten 70er und frühen 80er haben einen besonderen Stellenwert für Popkultur-Junkies. Die Jahre, die uns Das Imperium Schlägt Zurück, Blade Runner, den Commodore 64 und den Siegeszug des ersten modernen Rollenspiels Dungeons & Dragons gebracht hat, waren vor allem im Amerika der Reagan-Ära geprägt von einer einzigartigen, fast magischen Verbindung von Kreativität und Naivität.

Dieser Zeit entstammt auch der fiktionale Entrepeneur James Halliday in Ernest Clines „geektastischem“ Roman Ready Player One. Der am Anfang des Romans im Jahr 2044 gerade verstorbene Halliday ist ein ehemaliger Spieleentwickler und Erfinder der gewaltigen OASIS, einer endlos komplexen virtuellen Welt, gegen die die Matrix aussieht wie Second Life. In seinem Testament stellt er sein Vermögen dem Gewinner einer von ihm inszenierten Schnitzeljagd durch die OASIS in Aussicht. Der Protagonist ist ein „Gunter“ (kurz für „egg-hunter“), einer der unzähligen Schatzjäger, die ihr Leben der Suche nach Hallidays Vermögen widmen. Dabei haben die Gunter zur Lösung der Rätsel und Aufgaben nicht nur jedes Detail von Hallidays Biografie studiert, sondern vor allem auch die Spiele, Filme und Musik der 80er, die Hallidays Leidenschaft waren. Die versteckten Hinweise und Prüfungen sind aber nicht das einzige Problem der Gunter – ein seelenloser multinationaler Konzern hat seine Angestellten auf Schatzsuche geschickt und alle wissen, dass bei deren Erfolg die Tage der OASIS gezählt wären.

Kai:

Auf den ersten Blick ist Ready Player One ein Liebesbrief an die 80er, geschrieben für ein Retro-Geek-Publikum, das bei der bloßen Erwähnung von Gary Gygax, Galaga oder War Games innerlich Luftsprünge macht. Als würde er versuchen, das ständige Namedropping in der postmodernen Metafiktion von Bret Easton Ellis‘ American Psycho mit den Popkultur-Anspielungen von Matt Groening (Simpsons, Futurama) und Joss Whedon (Buffy) zu kreuzen, lässt Ernest Cline in seinem Romandebüt keine Gelegenheit zu einer Verbeugung vor 80er-Popkultur ungenutzt.

Die in 80er-Nostalgie getränkte Welt der OASIS ist der Köder, den Ready Player One auswirft, und tatsächlich habe ich schon auf der ersten Seite angebissen – als Kind der 70er und 80er falle ich schließlich genau in die offensichtliche Zielgruppe. Die virtuelle Welt ist aber weit mehr als nur ein Backdrop: Die Kreuzung von Technologie und Eskapismus in Popkultur der 70er und 80er führt, konsequent weitergedacht, zu James Hallidays OASIS.

Cline etabliert schnell die Schattenseite seiner virtuellen Utopie und den Schlüssel zu ihrem Erfolg – außerhalb der OASIS liegt eine deprimierende, dystopische Welt, in der niemand leben möchte. Außerdem ist sein Protagonist Wade ist ein liebevoll gezeichneter Charakter, der leicht zu mögen, aber nicht ohne Fehler ist. Der Roman ist teils Abenteuer, teils satirische Dystopie und teils Coming-of-Age Geschichte, und aus der Bewunderung für die 80er wird schnell eine Warnung vor den Gefahren virtueller Welten und sozialer Netzwerke.

Aber bei aller Gesellschafts- und Technologiekritik macht Ready Player One vor allem Spaß, und zwar so viel, dass es nach dem ersten Drittel unmöglich war, das Buch aus der Hand zu legen – und das sage ich als jemand, der normalerweise sofort jedes Buch fallen lässt, wenn er in die Nähe eines Fernsehers kommt.

Desirée:

Dieses Buch klingt nicht, als wäre es für eine wie mich geschrieben: Ich bin knapp 10 Jahre zu spät geboren, um die Kultur der 80er bewusst mitzuerleben, kein ganz großer Geek und überhaupt kein Fan von pixeligen Retro-Spielen wie Pong oder Pac-Man, deren Faszination auf Ernest Cline (und all seine Protagonisten) Herz und Seele von Ready Player One ausmacht. Trotzdem hat Ernest Cline nicht mehr als 20 Seiten gebraucht, um mich mit Haut und Haaren zu verschlingen – ja wirklich, nicht ich das Buch, sondern umgekehrt.

Da ist zum einen die Jagd nach dem heiligen Gral, dem Schatz, der irgendwo in der OASIS versteckt ist, und zwar so gut, dass seit fünf Jahren die ganze Welt vergeblich danach sucht. Die Schnitzeljagd, die Cline inszeniert, ist so spannend, dass sich so gut wie jeder Krimi und Thriller der letzten 20 Jahre davor verstecken muss – auch dann, wenn man keine Ahnung von 80er-Kultur hat und höchstens die Hälfte der Anspielungen darauf versteht (oder auch nur wahrnimmt).

Aber damit, eins der spannendsten Bücher des Jahrzehnts geschrieben zu haben (mit starken Charakteren, übrigens), gibt sich Cline nicht zufrieden. Während er erzählt, gräbt er sich unmerklich in immer tiefere Ebenen der Geschichte: Die Welt ist ein trauriger, geradezu desolater Ort geworden, komplett heruntergewirtschaftet, wo auch in den USA mehr Menschen in Containern hausen (und zwar zu sechzehnt) als in „richtigen“ Häusern, und wo kaum jemand weiß, wovon er den nächsten Leib Brot bezahlen soll. Ernest Cline legt nicht nur, sozusagen im Vorbeigehen, den Finger auf die Energie-Krise, er fragt auch nach Moral, Identität und der Grenze von Realität und ‚Virtualität‘.

Auch wenn mir persönlich der Showdown nicht konsequent genug war – mehr verrate ich nicht -, ist Ready Player One ein Buch wie kein anderes. Ernest Cline erfindet nicht nur eine Welt, sondern – irgendwo zwischen Dystopie, virtueller Utopie, Entwicklungs- und Abenteuer-Roman – ein ganzes Genre. Und er zieht seinen Leser mit so viel Kraft zwischen die Seiten, dass es kein Entkommen gibt, nicht für Normalsterbliche, und erst recht nicht für die Kinder der 80er.

PS: Zumindest was Literatur betrifft, ist Ernest Cline selbst übrigens gar nicht so 80er-fixiert wie man glauben könnte: The Week hat ihn nach seinen Lieblingsbüchern gefragt, und nur eins davon stammt aus dem goldenen Jahrzehnt.

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Desirée
Kai
Unterm Strich

Pop/Kultur/Schock: Mehr POP geht nicht

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Desirée
Kai

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