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Buchkritik: D. E. Stevenson – Stich ins Wespennest

Buch
Überblick
Item Reviewed

D. E. Stevenson - Stich ins Wespennest

Author
26. Januar 2012
Originaltitel

Miss Buncle's Book

Kommt aus

England

Jahr

2012 (Originalausgabe: 1934)

Serie

Miss Buncle

Verlag

Manhattan

Miss Buncle braucht Geld. Denn ihre Dividende, von den Eltern ererbt und seit Jahren ihr treuer Ernährer, fällt im Zuge der Wirtschaftskrise immer kleiner aus. Vor Hühnern hat sie Angst, potenzielle Pensionsgäste gibt es in ihrem kleinen Dörfchen Silverstream nicht, und so verlegt sich Miss Buncle aufs Schreiben. Da sie mit wenig Phantasie aber umso schärferer Beobachtungsgabe gesegnet ist, schreibt sie über Silverstream und seine Bewohner. Die erkennen sich trotz des extra angenommenen Pseudonyms und trotz der leicht veränderten Namen sofort wieder und sind mit dem Blick in den literarischen Spiegel größtenteils alles andere als glücklich. Während der „Störenfried“ zum Bestseller mutiert, ist es mit dem Frieden im Dorf vorbei.

Dorothy Emily Stevenson, geboren Ende des 19. Jahrhunderts und eine Großnichte des berühmten Robert Louis, schrieb ab 1934 etwa ein Buch pro Jahr, und fast alle verkauften sich millionenfach. Als sie Miss Buncles Geschichte niederschrieb, konnte sie allerdings vom ganz großen Erfolg, wie ihre Protagonistin ihn erlebt, nur träumen, denn erst mit Stich ins Wespennest (im Original: Miss Buncle’s Book) hatte sie ihren großen Durchbruch. Das ist ein hübscher Zufall, der der sowieso schon sehr metaliterarischen Geschichte noch eine weitere Ebene hinzufügt.

Miss Buncle ist es nämlich auf Dauer zu langweilig, die Geschehnisse in Silverstream  einfach nur zu schildern, und so denkt sie sich für die zweite Hälfte ihres Buchs einen goldenen Knaben aus, den „Störenfried“, der in den Bewohnern von Silverstream ungeahnte Leidenschaften weckt und das beschauliche Landleben gehörig durchrüttelt. Was sie nicht ahnen kann, ist dass das Erscheinen ihres Buches im echten Silverstream einen ganz ähnlichen Effekt hat.

Stich ins Wespennest ist nicht nur ein cleveres, sondern auch ein unverschämt unterhaltsames Buch, das mühelos ein ganzes Dorf zum Leben erweckt. Dorothy Emily Stevenson schreibt witzige Dialoge, ihre Beobachtungen sind pointiert und sie hat ein gutes Gefühl für komisches Timing. Ihre ganz große Stärke sind aber ihre Charaktere – genau wie es ihr Verleger Miss Buncle attestiert.

Ein Glück, dass Manhattan über Miss Buncle’s Book gestolpert ist – ein umso größeres Glück, weil Dorothy Stevenson auch im englischsprachigen Raum mittlerweile so gut wie vergessen ist. Diese Deutsche Erstausgabe war mehr als überfällig, auch wenn die vielen Namen (die es ja auch noch jeweils in zwei Ausführungen gibt) am Anfang verwirrend sind*, und auch wenn Stich ins Wespennest anders als der „Störenfried“ in der Geschichte bestimmt nicht die Macht hat, das Leben seiner Leser maßgeblich zu verändern.

*Abhilfe schafft eine Personenübersicht, die der Verlag freundlicherweise beigelegt aber ungünstigerweise am Ende des Buchs platziert hat

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Ein charmanteres - und britischeres - Buch dürfte der Buchmarkt in diesem Winter nicht zu bieten haben.

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