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Buchkritik: Constantin Göttfert – Satus Katze

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Buchkritik: Constantin Göttfert – Satus Katze

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Buch-Cover; Rechte: C.H. BeckAuf den ersten Blick sieht es aus wie ästhetisches Gewirr, auf den zweiten wie ein kunstvoll gezeichneter Sternenhimmel im hohen Norden, und erst auf den dritten oder vierten Blick tauchen der Baum und die Umrisse der Katze auf, die sich auf dem Cover von Constantin Göttferts Debütroman verstecken. Das gilt auch für den Titel: Satus Katze könnte alles sein, vom Zauberspruch bis zum Codewort. Gemeint ist einfach nur die Katze von Satu, einer von Göttferts Figuren. Aber bis das klar wird, ist man längst dem Sog seiner seltsamen Geschichte verfallen.

Ein Schriftsteller begegnet darin zufällig einer Schauspielerin. Die – Nora heißt sie – scheint mit Ereignissen während seines Stipendiums in Finnland zu tun zu haben, die er lieber ganz schnell vergessen würde.

Das ist die äußerste Ebene der elegant verschachtelten Geschichte. Die innerste ist ein – möglicherweise autobiographischer – Roman des jungen finnischen Schriftstellers Satu. dessen Manuskript der Erzähler in einer weiteren Erzählebene von seiner Professorin in Finnland überreicht wird. Die wiederum scheint ein bisschen wahnsinnig zu sein und schleift ihn im erzählerischen Zentrum der Geschichte zu einer verlassenen Hütte, wo sich die Beiden düstere Schwänke aus ihrem Leben erzählen, die sich – wie jede der Ebenen – immer wieder um Katzen drehen.

Worum es Constantin Göttfert eigentlich geht, das ist im Labyrinth der verschiedenen Erzählebenen wesentlich schwieriger zu erkennen als die Katze auf dem Titelblatt. Ich glaube nicht, dass es wirklich „die Liebe und das Böse“ sind, wie es der Verlag auf der Buchrückseite verkündet, denn sowohl die eine als auch das andere kommt eigentlich nur am Rande vor. Vielleicht geht es ihm darum, was Zufall ist, was Ursache und Wirkung, und was uns vorherbestimmt ist; und wie wir manchmal logisch zusammenhängende Ereignisse als unheimliche, vielleicht sogar übersinnliche Verkettung von Zufällen wahrnehmen, nur weil wir die Ursache nicht erkennen können.

Stilistisch dient alles an Constantin Göttferts Debüt-Roman dem Zweck, zu sagen was er sagen will: die evokative und trotzdem distanzierte, sparsame (und stilistisch erschreckend trittsichere) Sprache; die Erzählebenen, deren Zusammenhang Göttfert teilweise erst am Ende der Geschichte auflöst; der Erzähler, über den wir so gut wie nichts wissen, nicht einmal den Namen, geschweige denn genug, um ihn als Charakter greifen zu können. Fast alles was wir über ihn wissen, stimmt jedenfalls mit Göttferts eigener knapp zusammengefasster Biographie auf dem Cover überein, und gewidmet ist der Roman einer Nora. Das macht seine Geschichte noch unheimlicher, schließlich deutet er so dezent an, dass diese eine weitere Erzählebene haben könnte: die Realität.

Die Geschichte, die Göttfert erzählt, ist nicht atemberaubend spannend und Satus Katze ist bestimmt kein „Schmöker“, dazu kommen wir seinen Figuren nichtmal annähernd nahe genug. Es ist vielleicht eher eine Art literarisches Experiment: Statt uns eine Geschichte um ihrer selbst willen zu erzählen, versetzt uns Göttfert in einen kleinen Rausch. Und wenn wir wieder auftauchen, stellen wir fest, dass er uns nicht nur mehr beunruhigt hat als die meisten Kollegen, die es wirklich drauf anlegen, sondern dass er auch an den Gesetzen der Logik und der Kausalität gerüttelt hat. Mit welch einfachen Mitteln Göttfert das erreicht, ist mindestens genauso beunruhigend.

Wenn man ihm etwas vorwerfen wollte, dann vielleicht, dass Satus Katze sich durch all die Reduzierung, Leerstellen und Kühle mehr anfühlt wie eine Stilübung als wie ein Roman. Ein Übungsstück, das so gut gelungen ist, dass der Autor beschlossen hat es zu veröffentlichen. Wenn es Göttfert gelingt, in seinem nächsten Buch die Sinnlichkeit des Romans mit seiner stilistischen Virtuosität zu verbinden, dann sollte die Konkurrenz sich schonmal einen warmen Pullover raussuchen.

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