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Buchkritik: Catherine Fisher – Incarceron. Fliehen heißt Sterben

Buch
Überblick
Originaltitel

Incarceron

Jahr

2013 (Originalausgabe: 2007)

Länge

480 Seiten

Awards

Mythopoeic Fantasy Award for Children's Literature: Nominiert

Serie

Incarceron

Verlag

Penhaligon

Man lasse sich nicht vom albernen deutschen Untertitel täuschen: Dies ist ein hochintelligentes Buch.

Fisher_Incarceron; Rechte: PenhaligonEin unendlich großes Gefängnis mit eigenem Bewusstsein und eine repressive Gesellschaft, die sich sehenden Auges ins Mittelalter zurückkatapultiert hat: Vor etwa 100 Jahren ist die Gesellschaft in Catherine Fishers Welt implodiert. Als Folge der großen Katastrophe haben die Sapienti, hochintelligente Wissenschaftler und Philosophen, die Population in zwei Teile geteilt: Die eine Hälfte bleibt, wo sie ist, lebt aber in den Lebensumständen der frühen Neuzeit: Man trägt viktorianische Kleidung, verzichtet auf Elektrizität, moderne Medizin und jede andere  Annehmlichkeit der Moderne. Rückkehr in die Einfachheit also. Und die andere Hälfte lebt in Incarceron, einem endlos weiten Gefängnis, konzipiert als „Paradies“, das sich selbst ernährt. Aber Incarceron ist über die Jahre bösartig geworden, die Lebensumstände immer schlechter, und die Kinder, die dort geboren werden, haben noch nie die Sterne gesehen.

Außer Finn. Finn ist ein ‚Sternenseher‘, er glaubt sich an eine Zeit vor Incarceron zu erinnern – eigentlich unmöglich, denn es führt kein Weg mehr in das Gefängnis und keiner hinaus.

Claudias Vater dagegen ist der Wächter von Incarceron, und damit einer der einflussreichsten Männer des Landes. Obwohl sie jeden Tag den Himmel sieht und die bestmöglich Ausbildung genießt, ist auch sie nicht frei: Ihre Hand ist dem oberflächlichen, vielleicht sogar grausamen Thronfolger versprochen.

Phantastisches ‚Worldbuilding‘

Catherine Fishers Welt scheint hinter den Seiten des Buchs weiterzugehen. Erst nach und nach erfahren wir, wie Incarceron und der Rest der Welt zusammenhängen. Fisher hat beiden Gesellschaften jeweils eine eigene Mythologie geschrieben und eine eigene Geschichte, von der wir Kapitel für Kapitel mehr erahnen. Nicht nur füttert sie dem Leser innerhalb ihrer Geschichte geschickt Happen für Happen, sie überschreibt jedes Kapitel mit jeweils einem fiktiven Zitate aus Briefen, geheimen Schriften und offiziellen Dokumeten: ein Punkt hier, ein anderer dort, bis wir, fast ohne es zu merken, die Punkte verbinden und sich ein komplexer Kontext ergibt.

Was ist Freiheit?

Den braucht Catherine Fisher auch, denn sie erzählt nicht nur eine spannende Geschichte, sondern beschäftigt sich gleichzeitig mit den Konzepten Gefangenschaft und Freiheit: Gibt es diese beiden überhaupt, wenn ja in welcher Form? Und wieviel wird durch die Umwelt diktiert, wieviel ist in unserem Kopf?

Catherine Fisher hat also alles: ein interessantes Konzept, eine gewaltige, Steampunk-artige Welt, ein komplexes politisches Geflecht, das gelegentlich sogar an eine Young Adult-Version von George R. R. Martins Lied von Eis und Feuer erinnert und das man am Ende dieses Romans (dem ersten von zweien) noch immer nicht ganz durchschaut hat, ein ausgesprochen gutes Gefühl für Sprache, für Rhythmus und Melodie und für treffende Bilder. Nur eins hat sie nicht: interessante Charaktere. Und das bricht ihr leider das Genick.

Wären Finn und Claudia nicht gleichermaßen blutleer – keine Stereotypen, aber einfach nicht-Charaktere, mir fällt zu Claudia nur ein charaktersierendes Adjektiv ein (dickköpfig), zu Finn gar keins, wäre Incarceron vielleicht ein Bestseller.  So ist es schwieriger, sich in die Geschichte fallen zu lassen, sich für das Schicksal der Charaktere so sehr zu interessieren, dass die Wirklichkeit verblasst. Aber es ist möglich.

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Unterm Strich

Schade: Hätte Incarceron starke Charaktere, wäre ich begeistert. So hat Catherine Fisher mich zwar beeindruckt, aber nicht bewegt.

Pop / Kultur / Schock: Nicht unterhaltsam genug für POP, aber klug genug für KULTUR.

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