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Buchkritik: Alison Moore – The Lighthouse (Man Booker 2012)

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Buchkritik: Alison Moore – The Lighthouse (Man Booker 2012)

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Am 16. Oktober, nur eine Woche nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises,
findet in London eins der wichtigsten Ereignisse der internationalen
Literatur-Szene statt: Der Gewinner des Man Booker Preises 2012 wird
verkündet. Um uns auf den großen Tag vorzubereiten, stellen wir bis
Dienstag täglich einen der sechs Shortlist-Romane vor.

Worum geht’s?

Futh, frisch geschieden, in den 40ern, mehr oder weniger rückgratlos, macht Wanderurlaub in Deutschland, wo er als Junge mit seinem Vater eine Woche verbracht hatte. Er zieht durch die Landschaft, sinniert über seine Vergangenheit und die (wenigen) Frauen in seinem Leben – und merkt gar nicht, dass sich sein Weg mit dem von Ester kreuzt, einer Frau, die sich nur lebendig fühlt, während sie ihre große Liebe betrügt.

PopKulturSchock denkt…

Was Alison Moores Debütroman antreibt, ist nicht gerade nervenzerfetzende Spannung: Das Narrativ, Fuths Wanderung durch Deutschland, ist ein blasser Hintergrund, vor dem sich das eigentliche Geschehen abspielt. Das bleibt in seinem Kopf: Futh erinnert sich an seine Mutter, die ihn und seinen Vater verlassen hat; an Ex-Nachbarin Gloria, die sich zu sehr für ihn und Ex-Frau Angela, für die er sich nicht genug interessiert hat.

Moore erzählt sehr elegant und vor allem ökonomisch. In wenigen Passagen nimmt eine Figur oder eine Beziehung Gestalt an, und anders als Futh kann der Leser sofort den Finger darauf legen, woran es hakt – ohne dass die Autorin jemals in Versuchung käme, uns das explizit vorkauen.

Das führt dazu, dass The Lighthouse nach knappen 200 Seiten vorbei ist – und das ist gut so. Denn erstens ist Zurückweisung in all ihren Schattierungen eins der Grundthemen des Romans, zweitens liebt über jedem noch so harmlosen Alltagsmoment (und von denen nährt sich der Roman) eine unheilvolle Vorahnung.

Tatsächlich ist das Ende eine Faust in den Magen, und erst da wird einem klar, wie geschickt The Lighthouse konstruiert ist, wie viele kleine, unbeachtete Fährten Alison Moore auslegt. Trotzdem bleibt das Vergnügen für den Leser rein intellektuell, da hilft auch nicht, dass Sinnliches, vor allem Gerüche, einen so wichtigen Platz in dem Roman einnehmen. Um sich wirklich in die Geschichte fallen zu lassen, ist Futh zu leidenschaftslos und seine „Abenteuer“ schlicht zu deprimierend.

Die Chancen

Die Shortlist des Booker Preises ist dieses Jahr so ausgeglichen, dass es schon kein Zufall mehr sein kann: Zwei Debüt-Romane, zwei berühmte Namen, zwei Independent-Publisher, drei Männer, drei Frauen. Für eine Jury, die so sehr auf political correctness achtet, wäre The Lighthouse ein idealer Fang: ein Debüt (Alison Moore wäre damit erst die sechste Debütantin, die den Preis mit nach Hause nimmt), ein kleiner Verlag und eine weibliche Autorin (nach zwei Jahren, in denen Männer gewonnen haben, wäre es wieder mal an der Zeit für eine Frau an der Spitze der Liste). The Lighthouse ist außerdem so literarisch, wie man es sich nur wünschen kann, und nachdem die Jury letztes Jahr sehr für ihre Auswahl und ihren Fokus auf ‚Lesbarkeit‘ kritisiert worden ist, böte sich hier die Chance, die Scharte auszuwetzen. All das spricht für Alison Moore. Dagegen spricht eigentlich nur eins: Das beste Buch auf der Liste ist The Lighthouse nicht.

 

 Man Booker Preis bei PopKulturSchock

 

Man Booker Preis 2012 im Netz:
Booker-Special beim Guardian
Webseite Man Booker

 

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  • 14. Oktober 2012 auf 09:47

    Liebe Desirée, vielen Dank für die Mühe, diese Bücher vorzustellen! Ich bin schon sehr gespannt auf die anderen Rezensionen und ob Deine Meinung mit der der Jury übereinstimmen wird. Aber auch wenn nicht, finde ich es großartig, eine Ahnung zu haben, um welche Bücher es geht. LG, June

    • 14. Oktober 2012 auf 14:46

      Danke für den lieben Kommentar! Schön zu wissen dass sich tatsächlich Leute dafür interessieren.
      Leider bin ich jetzt ein bisschen im Verzug, gestern war hier alles ein bisschen stressig – aber ich probiere, trotzdem durchzukommen.

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