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Buchkritik: A. S. King – Please don’t hate me

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Buchkritik: A. S. King – Please don’t hate me

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Preisgekrönter Jugendroman lässt Klöße im Hals wachsen

Mit Vera Dietz möchte ich nicht tauschen: Ihre Mutter ist seit Jahren verschwunden, ihr Vater übertreibt es mit der strikten Erziehung – zusätzlich zur Schule muss sie eine 40-Stunden-Woche in einem Pizzadienst abreißen – und dann ist da Charlie. Charlie, der ihr bester Freund war, so lange sie denken kann, in den sie seit Jahren heimlich verliebt ist, der sich plötzlich mit den Schulidioten gegen sie verbündet hat, und der dann auch noch gestorben ist. Und keiner weiß wie, auch Vera nicht. Und trotzdem weiß sie mehr als ihr lieb ist.

Mit Please don’t hate me hat A. S. King, deren Debüt ein schräger, leichtfüßiger Reinkarnations-Coming of Age-Roman war, eine überraschend scharfe Wende hingelegt. Zwar hat auch dieser Roman Spuren von ihren Eigenwilligkeiten – ein unwirsches sprechendes Gebäude, Flussdiagramme, in denen Veras Vater Tipps gibt, wie man effizient sein Leben ruiniert und der tote Charlie, der sich gelegentlich zu Wort meldet – aber ohne die wäre Veras Geschichte auch kaum zu ertragen vor lauter Finsternis.
Preisgekrönter Jugendroman lässt Klöße im Hals wachsen

King lässt ihre Leser unbequem nah an die komplizierte, tapfere, dickköpfige und unendlich unglückliche Vera heran. Auch wenn sie das Thema fast nie offen anspricht, erschwert Veras Trauer jede Zeile, grob durchmischt mit der Wut über Charlies Verrat, mit der Verwirrung wegen der Dinge, die Vera über seinen Todestag lieber nicht wüsste und mit ihren Zweifeln, ob sie zur Polizei gehen soll oder nicht. Ein hochexplosiver, verzweifelnder Cocktail, mit dem Vera ganz allein ist. Denn Charlie war ihr einziger Freund, und sonst ist da nur ihr gestrenger Vater.

Entsprechend wenige Charaktere gibt es in Please don’t hate me, und aus dieser sowieso schon kleinen Gruppe pickt sich A. S. King drei Figuren heraus, die sie brutal offen analysiert. Während die wenigen Nebencharaktere auf eine, vielleicht zwei Eigenschaften reduziert sind, gehören Vera, ihr Vater Ken und der trotz seiner Abwesenheit ewig präsente Charlie zu den komplexesten Charakteren, die die Jugendliteratur in den letzten Jahren hervorgebracht hat. King lässt ihren Figuren keinen einzigen Schutzschild, sie zeigt sie in ihren schlimmsten und ihren zerbrechlichsten Momenten und in all ihren hunderttausend Grautönen.

Das ist die ganz große Stärke von Please don’t hate me – neben A. S. Kings Fähigkeit, ihre Geschichte unangenehm nah an uns heranzubringen. Denn am Anfang der Geschichte ist Vera ein relativ normales Mädchen, nah genug am Alltag der meisten Leser, dass Vera sie später mühelos mitziehen dürfte in ihre private Hölle.

Weniger gut funktioniert dagegen das Rätsel um Charlies Tod, dessen Teile Vera nach und nach zusammenträgt. Von vorneherein ist klar, dass die „Idioten“ da irgendwie mit drin hängen müssen und dass er nicht gestorben wäre, wenn er sich nie von Vera abgewendet hätte (warum er das tut, ist die wesentlich interessantere Frage). Für die Dynamik zwischen den Charakteren ist damit eigentlich alles gesagt, und das genaue wie und wo relativ irrelevant.

Die wenigen schrägen Momente und Veras desolater Sarkasmus sind umso bitterer nötig, genau wie der kaum erkennbare Hoffnungsschimmer am Ende. Tatsächlich schafft A. S. King es, die Balance zu halten, so dass niemand beim Lesen um sein Seelenheil fürchten muss. Vor dem ein oder anderen Kloß im Hals und einem flauen Gefühl im Magen wird sie aber niemanden bewahren.

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