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Buchkritik: China Mieville – Der Krake

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Buchkritik: China Mieville – Der Krake

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Der Krake: Cthulus Cousin aus der Großstadt

China Mieville, der König des „New Weird“, gilt als einer der bedeutendsten neuen Genre-Autoren. Nur hierzulande wird er leider nicht so recht ernst genommen. Seine Bücher erscheinen im vergleichsweise wenig prestigeträchtigen Bastei-Lübbe Verlag, und vom deutschen Feuilleton ist er so weit entfernt wie Uwe Boll von einem Oscar. Daran wird sich wohl auch mit seinem aktuellen* Roman nichts ändern.

Kraken (dt. Der Krake) ist allerdings ein frustrierendes Buch, ein Fall wo das Ganze weniger ist als die Summe seiner Teile. Mieville fischt mit seiner skurrilen Urban-Fantasy-Geschichte in vertrauten Gewässern: Die Geschichte ist ein naher Verwandter der Werke von Neil Gaiman, vor allem Neverwhere, Sandman und American Gods; leider ist Kraken aber der ewig betrunkene Onkel, der zu viel redet und schon lange nicht mehr eingeladen wird.

Der Roman fängt vielversprechend an: Billy, ein Angestellter des Londoner Darwin Instituts, muss eines Tages feststellen, dass sein wertvollstes Ausstellungsstück, ein gigantischer Krake, aus dem Tank verschwunden ist. Dieser unerklärliche Diebstahl tritt eine Reihe von bizarren Ereignissen los, in die unter anderem die Anhänger eines apokalyptischen Kraken-Kultes, ein paar kleinere Götter und eine sprechende Tätowierung verwickelt sind.

Mieville hat seiner Kreativität freien Lauf gelassen und Kraken ist prall gefüllt mit genau der Art bizarrer Ideen, die sein Perdido Street Station zu einem der herausragdenden Genreromane der letzten Zeit gemacht haben. Hier begeht er allerdings den verhängnisvollen Fehler, den Verlauf der Handlung seinen Ideen unterzuordnen. Wie in einem schlampig konstruierten Actionfilm oder einem Porno geht es vor allem um die Höhepunkte: Kraken hangelt sich von einem absurden Einfall zum nächsten, ohne die klaffenden Zwischenräume mit einem kohärenten Handlungsfluss zu füllen. Wenn das Buch in Fahrt kommt – und das tut es nicht selten – ist es richtig gut; nur leider kommt an zu vielen Stellen die ohnehin träge Handlung zum Stehen und macht die Lektüre zur Geduldsprobe.

Trotzdem ist Kraken nicht komplett misslungen. Die Sprache ist – wie immer bei Mieville – elegant, und auch die Idee ist an sich nicht schlecht. Es wirkt fast so, als wäre die erste Version anstatt durch die Hände des Verlegers versehentlich direkt zum Druck gegangen. Am liebsten möchte man das Buch schütteln. Oder besser noch, eine Schere nehmen und ein- bis zweihundert Seiten eigenhändig entfernen, um so das tief begrabene Herz der Geschichte zum Vorschein zu bringen.

Aus diesem Grund also ist Kraken unendlich frustrierend. Ein Roman, der nur so strotzt vor tollen Ideen, vor einfallsreichen Charakteren, absurden Situationen und schwarzem Humor, sollte – egal wie komplex – keine Qual sein. Mit etwas mehr Lektorat hätte Mievilles Buch das nächste American Gods werden können. Vielleicht bekommt die Geschichte ja irgendwann noch eine zweite Chance, sei es als Graphic Novel, Film oder einfach als neue, extrem gestraffte Romanfassung. In der jetzigen Form ist sie jedenfalls mit Vorsicht zu genießen.

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