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Buch-Kritik: Wajdi Mouawad – Anima

Buch
Überblick
Item Reviewed

Wajdi Mouawad - Anima

Author
14. Juli 2014
Originaltitel

Anima

Spielt in

Libanon

Kommt aus

Kanada

Jahr

2014 (Originalausgabe: 2012)

Länge

448 Seiten

Awards

Prix Méditerranée, Prix Littéraire du 2ème roman, Prix Phénix, Prix des Libraires du Québec, Le Grand Prix SGDL Thyde Monnier

Roman über die Menschlichkeit – aus der Kontraperspektive

Mouawad: Anima, Rechte: dtvAuf den allerersten Blick hat hier niemand das Rad neu erfunden: Krimis und Thriller aus der Perspektive von Tieren gibt es mindestens seit Akif Pirinccis Felidae-Romanen (der Akif Pirincci übrigens). Die Autoren haben Katzen, Hunde, Schweine und Schafe ermitteln lassen, und das sind nur die, die mir auf Anhieb einfallen. Wajdi Mouawad, Kanadier libanesischer Herkunft, fügt jetzt also einen ganzen Zoo hinzu – oder vielleicht eher einen Wildpark, denn die Tiere, die Anima erzählen, sind in Kanada und den USA heimisch. Außerdem sind sie zahlreich: 56 Arten kommen vor, und manche gleich mehrfach.

Auf den zweiten Blick könnte das Konzept seines Debütromans aber nicht weiter von den Felidaes dieser Welt entfernt sein, auch wenn auch hier hin und wieder mal eine Katze erzählt. Es handelt sich nämlich nicht um antropomorphe Tiere, die im Prinzip in die Rolle eines Menschen schlüpfen und, mit gewissen mehr oder weniger charmanten Einschränkungen, kohärente Ermittlungen führen. Anima ist eher ein Mosaik von Eindrücken, die zusammen eine Geschichte ergeben, erzählt von ganz unterschiedlichen tierischen Stimmen.

Die Geschichte ist die von Wahsch Dibsch, wie der Autor libanesischer Herkunft, der aufbricht um den Mörder seiner Frau zu suchen und – klingt platt, ist es aber nicht – am Ende sich selbst findet. Mouawad benutzt einige Elemente des Thrillers, aber das Ergebnis ist keiner. Die Identität des Mörders zum Beispiel ist kein Geheimnis, die des Protagonisten dafür schon. Und die Jagd ist auch nicht besonders atemlos, sondern eher finster und bedrückend. Am ehesten ist Anima ein epischer Roadtrip, bei dem Wahsch an seine Grenzen geht und den Leser mitnimmt.

Wajdi Mouawad hat nämlich keine Angst davor, feste in die Magengrube zu schlagen. Wahschs Frau kommt auf denkbar brutale Weise um, aber dieser Mord verblasst später geradezu, als Wahsch beginnt sich mit seiner Vergangenheit zu befassen, seiner Flucht vor dem libanesischen Bürgerkrieg. Mouawad benutzt die kühle, gleichgültige Grausamkeit verschiedener Raubtiere – eine Spinne, eine Schlange, verschiedene Aasfresser – als Kontrapunkt, der den bewussten Blutrausch der Menschen in diesem Roman noch viel grausamer erscheinen lässt.

Gleichzeitig ist Anima eine Art literarische Stil-Studie. Mouawad nimmt die Stimmen seiner tierischen Erzähler nämlich sehr ernst. Er hat penibel recherchiert, wie viel welche Tiere wahrnehmen, ob und wie gut sie in der Lage sind, sich zu erinnern und Zusammenhänge zu erfassen und wie stark sie ihren Instinkten gehorchen. Der Goldfisch hat deshalb eine ganz andere Stimme als der Rabe, eine Katze erzählt kohärenter als ein Hund. Gemeinsam ist ihnen (mit einer Ausnahme), dass sie Wasch nur vorbeiziehen sehen, einen winzigen Ausschnitt seiner Reise beobachten.

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Es gelingt Mouawad, Brutalität, Spannung, philosophisches Konzept, Stil-Studie und Emotion perfekt auszutarieren. Das Ergebnis ist ein hochliterarischer Gewaltritt, eine echte Tour de Force. Man sollte wissen, worauf man sich einlässt wenn man dieses Buch aufschlägt, aber sicher ist: Das Aufschlagen lohnt sich.

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