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Buch-Kritik: Vina Jackson – 80 Days – Die Farbe der Lust

Buch
Überblick
Item Reviewed

Vina Jackson - 80 Days - Die Farbe der Lust

Author
31. Dezember 2012
Originaltitel

Eighty Days Yellow

Jahr

2012

Länge

400 Seiten

Serie

Eighty Days

Verlag

carl's books


Jackson - 80 days 1

80 Nuancen eines dunkleren Farbtons

„Wenn Sie Shades of Grey mochten, werden Sie 80 Days lieben.“ – Dieser Blurb des amerikanischen Look Magazine klebt in gut sichtbarem Silber auf dem Cover von Vina Jacksons 80 Days – Die Farbe der Lust (das übrigens selbst ebenfalls deutlich auf das größte Buchmarkt-Phänomen des letzten Jahres anspielt).

Warum der Verlag diesen Blurb so prominent platziert hat, ist gut nachzuvollziehen: Besser lässt sich ein Buch dieses Jahr nicht vermarkten. Warum aber ein Rezensent auf die Idee kommt, so etwas zu äußern, ist weniger verständlich.

Ja, in beiden Büchern geht es erstens hauptsächlich um Sex und zweitens um ein Mädchen, das die Welt des BDSM und ihre eigenen Grenzen für sich entdeckt. (Und, zugegeben, teilt man sich ein paar Details: Die männliche Hauptfigur beider Romane ist steinreich und klassische Musik spielt jeweils eine Rolle.) Während aber Shades of Grey ein typischer Liebesroman mit emotionalen, wenn auch kreativen und mit einem halbherzigen Fuß im SM stehenden Sex-Szenen ist, ist 80 Days eine Mischung aus sexueller Erweckung und Abstieg ins emotionale Nirwana.

Vereinbarung mit Folgen

Hauptfigur Summer ist Geigerin (unglaublich gut, wenn man Vina Jackson glauben darf, aber trotzdem arbeitslos), und während sie in der U-Bahn für ein paar Münzen spielt, wird Dominik (ja, er heißt wirklich so) auf sie aufmerksam. Im Austausch gegen intime Konzerte und sexuelle Gefälligkeiten kauft er ihr eine kostbare Geige. Erweckt, aber nicht erfüllt, von den gelegentlichen Dates mit Dominik erkundet Summer währenddessen die Londoner SM-Szene und gerät nach und nach in Abhängigkeiten, die ihr weit über den Kopf wachsen.

Weit von den Jagdgründen E. L. James‘ entfernt, erforscht Vina Jackson die Grenzen von Sex und Anonymität, Abhängigkeit, Emotion und Leere. Summer sehnt sich nach Erniedrigung und fürchtet sie zugleich, und sie geht sehr weit in ihrer Suche nach der eigenen Lust. Der größte Unterschied zwischen ihr und Shades of Greys Ana ist, dass sie sich auf diese Suche aus eigenem Antrieb macht, angestoßen zwar von der Begegnung mit Dominik, aber letztendlich für sich selbst. Das heißt aber auch, dass sie auf sich selbst gestellt ist, als sie ihre eigenen Grenzen übertritt.

„Besser“, aber nicht unbedingt unterhaltsamer als die Konkurrenz

Vina Jacksons Buch ist nicht nur mutiger und viel weniger bequem als Shades of Grey, es ist auch deutlich besser geschrieben – sonst hätte es die junge Bertelsmann-Abteilung carl’s books, die seit ihrer Gründung auf eine Mischung aus literarischem Anspruch und Unterhaltung setzt, vermutlich auch nicht gekauft. Die Übersetzung ist auf weiten Strecken sehr organisch, ist aber – genau wie übrigens das Buch selbst, Vina Jackson sind zwei Autoren – von einem Kollektiv und nicht von einer einzelnen Person geschrieben worden. Einer der Übersetzer ist offenbar weniger erfahren als die Kollegen, zumindest häufen sich in manchen Passagen Formulierungen wie „Hier ist, was ich ihm erzählte“ oder „vier Uhr in der Nacht“, die sich weiter vom Originaltext hätten lösen müssen.

Obwohl aber 80 Days sicher das anspruchsvollere, besser geschriebene und konstruierte Buch ist, hat mir persönlich Shades of Grey mehr Spaß gemacht. Der vergleichende Sticker weckt romantische Erwartungen, die nicht erfüllt werden, und Summer ist auch nicht, wie E. L. James‘ Ana ein offenes, leeres Gefäß, in das sich die durchschnittliche Leserin mit ihren Ängsten, Erwartungen und Sehnsüchten werfen kann.

 

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Unterm Strich

Wer auf der Suche ist nach Romantik und aufregenden, aber letztlich harmlosen sexuellen Abenteuern, für den 80 Days eher nichts. Wer aber für Shades of Grey nur ein müdes Lächeln übrig hatte, weil er/sie unter BDSM-Erotik etwas anderes versteht, sollte einen Blick riskieren.

Pop / Kultur / Schock: Ich schwanke zwischen KULTUR und SCHOCK, da es aber vor allem um sexuelle Selbstfindung geht, entscheide ich mich für die KULTUR.

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