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Buch-Kritik: Stephen King – Mr. Mercedes

Buch
Überblick
Item Reviewed

Stephen King - Mr. Mercedes

Author
15. September 2014
Originaltitel

Mr. Mercedes

Jahr

2014

Länge

592 Seiten

Verlag

Heyne

Hiieeer ist Stephen! Schon wieder!

Stephen King - Mr. Mercedes ; Rechte: HeyneStephen King ist nicht nur der Mann, der unablässig arbeitet und zuverlässig ein bis zwei dicke Bücher pro Jahr veröffentlicht – er ist auch der Mann der guten Ideen: Killer-Clowns; Alt-Nazis, die sich in die Hirne von Kindern winden; Teenager, die erschossen werden, wenn sie stehen bleiben; Schriftsteller in den Händen von wahnsinnigen Fans.

Im Vergleich zu diesem Standard klingt die Handlung von Mr. Mercedes ganz schön zahm: Ein ausrangierter Polizist jagt einen Mann, der acht Menschen mit einem Mercedes umgebracht hat. Hätte dieses Buch ein Anderer geschrieben, wäre es wahrscheinlich direkt im Taschenbuch erschienen und, wenn überhaupt, ein ‚Slowburner‘ geworden, der sich nach und nach durch gute Empfehlungen verkauft. Aber bestimmt kein Buch, das eine knappe Woche nach seinem Erscheinungstermin schon auf Platz 2 der Spiegel-Bestsellerliste gelandet ist.

Andererseits ist Stephen King nicht umsonst Stephen King. Er ist kein großer Literat und auch kein großer Stilist – obwohl seine Bücher, zumindest im englischen Original, sehr gut lesbar sind -, aber er hat nicht nur gute Ideen, er kann vor allem erzählen. Und er setzt seinen unangenehmeren Ideen und den vielen Momenten, in denen man sein Hirn gerne wieder reinwaschen würde, ganz viel Wärme für seine Protagonisten entgegen, manchmal (zum Beispiel in Hearts in Atlantis oder Joyland) gepaart mit wehmütigem nostalgischem Flair.

Das fehlt zwar in Mr. Mercedes, aber die Wärme für den Protagonisten, die ist da. Bill Hodges ist ein übergewichtiger Ex-Cop kurz vorm Selbstmord, aber in den Händen von Stephen King wird er innerhalb von wenigen Seiten zu jemandem, der ein bester Freund werden könnte. Genauso nah kommen wir auf der anderen Seite auch dem Titelhelden, Mr. Mercedes, dem Serienmörder, dem es das Handwerk zu legen gilt, und seine Gesellschaft ist weniger angenehm. Wenn diese Passagen nicht wären, wäre Mr. Mercedes ein zwar spannender – sehr spannender -, aber gewöhnlicher Thriller. Darin wird King seinem Ruf als Meister des Horrors und der fiesen Untertöne gerecht. Um nur zwei Beispiel zu nennen: Mr. Mercedes hat nicht nur sehr lebhafte, blutige Fantasien, er hat auch ein sehr … inniges Verhältnis zu seiner Mutter.

Die Frage ist, ob das „reicht“, um aus einem guten Thriller mehr zu machen. Klar, diese unangenehmen Momente  sind Kings Markenzeichen – aber Horror, egal welcher Art, sollte meiner Meinung nach mehr sein als eine Duftmarke und einem Zweck dienen. Die Spannung hochschrauben zum Beispiel, uns aus dem Gleichgewicht bringen und damit empfänglicher für die Botschaft des Autors oder Regisseurs machen, oder gleich Gesellschaft oder Gegenwart kommentieren (berühmtes Beispiel: Dawn of the Dead). Aber Mr. Mercedes wäre ohne diese Passagen genauso spannend, und ich habe bislang auch keine Botschaft entdecken können, für die King uns hier empfänglich machen könnte. Es gibt eine Szene, in der er ganz kurz das Problem der Arbeitslosigkeit thematisiert, und natürlich geht die Hauptfigur – der Polizist, der nach der Pension keinen Sinn mehr im Leben sieht – in eine ähnliche Richtung. Aber King reißt diese Thematik letztlich nur an. Die unangenehmen Passagen sind also einfach nur da und fühlen sich dadurch nicht an wie ein bewusst eingesetztes künstlerisches Mittel, sondern wie Gewohnheit oder vielleicht ein Zugeständnis an die Fans oder den Verleger.

Das ändert nichts daran, dass Mr. Mercedes ein verdammt spannender Thriller ist – aber eben auch nicht viel mehr.

 

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Von den Elementen, die Stephen King für mich oft großartig machen, stecken nur zwei im Buch, nämlich das dramaturgische Geschick, das seine Bücher so spannend macht, und die Charaktere, die sich - abgesehen von Mr. Mercedes natürlich - so echt und so richtig anfühlen. Das reicht für "ziemlich gut", aber für großartig eben leider nicht.

Pop / Kultur / Schock: King gibt sich so viel Mühe mit den fiesen Momenten, dass er sich den SCHOCK redlich verdient hat - aber Mr. Mercedes hat trotzdem einen starken POP-Einschlag.

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