Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Buch-Kritik: Stephen King – Joyland

Buch
Überblick
Item Reviewed

Stephen King - Joyland

Author
8. Juli 2013
Spielt in

irgendwo in den amerikanischen Südstaaten

Jahr

2013

Länge

352 Seiten

Verlag

Heyne

Der alte Magier mischt Pulp, Nostalgie und die Hürden des Erwachsenwerdens

Stephen King - Joyland; Rechte: Heyne

Ich weiß nicht, wie ich an diesem Buch hätte vorbei gehen oder auch nur zögern sollen. Schon die Beschreibung auf der Rückseite trifft genau dahin, wo vor zwanzig Jahren die Aufregung herkam, die mich vor meinem siebten Geburtstag wach gehalten hat. Der Tag, an dem ich zum ersten Mal im Zirkus saß, der erste freie Fall auf einer Achterbahn.

Nach seinem epischen politischen Zeitreisenroman 11.22.63 (Der Anschlag) erzählt Stephen King in Joyland eine denkbar kleine Geschichte: Ein College-Student mit gebrochenem Herz arbeitet einen heißen Sommer Anfang der 70er lang in einem der letzten traditionellen Vergnügungsparks der Südstaaten. Während Dev erwachsen wird, erlaubt er uns einen flüchtigen Blick in die Welt der ‚Carnies‘ mit ihren eigenwilligen Loyalitäten, Existenzsorgen und dem halb verschütteten Aberglauben, der sich in diesem speziellen Park auf die Geisterbahn konzentriert, wo einst ein Mädchen ermordet worden ist.

Es wäre nicht Stephen King, wenn dieser Aberglaube sich nicht als durchaus begründet herausstellen würde, und man kann Joyland durchaus als schnellen, spannenden und sehr unterhaltsamen Pulp-Thriller lesen.

Seine Stärken (und der Grund, warum ich meine Ausgabe nie mehr aus der Hand geben werde) liegen aber anderswo. Erstens: die Atmosphäre. King fängt gleichzeitig die bröckelnde Fassade einer faszinierenden Welt ein, die unter der Übermacht von Disneyland und Konsorten zu zerbrechen droht, und tatsächlich auch das Gefühl, als Kind zum ersten Mal durch die Tore des Phantasialands zu treten, atemlos angesichts einer Welt, die nur existiert um Dir den besten Tag Deines Lebens zu schenken. Die Kombination verursacht ein bitter-süßes Ziehen im Unterleib, wie die Erinnerung an die erste große Liebe, die Dev ironischerweise gerade zu verdauen versucht.

Zweitens darf man nicht vergessen, dass Stephen King auch der Autor von Geschichten wie The Green Mile oder The Shawshank Redemtion ist, und dass er genau weiß, wie man Herzen bricht. Sogar die von Zynikern. Seine Charaktere fühlen sich nach wenigen Seiten an wie alte Freunde, und jede gemeinsam gerauchte Zigarette ist Entspannung pur, selbst für Nichtraucher – und jede Zurückweisung ein kleiner Schlag in den Unterleib. Und natürlich findet King am Ende die Stelle, die am meisten weh tut und drückt.

Joyland ist nicht perfekt; das Mystery könnte in den ersten zwei Dritteln besser vorbereitet sein und die Struktur ist durchaus konventionell. Aber Stephen King hat genug Erfahrung, um in diesem konventionellen Korsett Magie entstehen zu lassen. Sein neuer Roman wirkt bescheiden neben dem epischen Anschlag, sowohl was den Umfang als auch was die Ambition betrifft. Aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Joyland wirkt wie ein sehr persönliches Buch, und vielleicht fühlt sich Devs Suche nach sich selbst deshalb für ein paar Stunden lang an wie die wichtigste Geschichte der Welt.

 

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Unterm Strich

Auch ein Jahr später bin ich immer noch begeistert. Eine von Kings kleineren Geschichten, aber mit all dem nostalgischen Charme und der Hochspannung eine seiner besten.

Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
kommentieren
Antworten
  • 9. Juli 2013 auf 16:24

    Bin jetzt nicht so ein riesen King-Fan, aber das Buch werde ich mir wohl holen, da es im Englischen in der von mir sehr verehrten Hard Case Crime-Reihe erschienen ist. Da ist übrigens auch das Cover zehnmal besser als in der deutschen Version – die Nostalgie springt einen förmlich an.

  • 9. Juli 2013 auf 16:54

    Finde ich auch, die englischen Cover der Hard Case-Reihe sind sehr viel schöner als alle anderen Ausgaben, vor allem die mit der rothaarigen Fotografin (die tatsächlich auch im Buch vorkommt). Aber wenn Du einen typischen Vertreter der Reihe erwartest, wirst Du evtl. enttäuscht. Ich habe nur einen weiteren Band gelesen, aber der war ganz klassische Hardboiled detection, und das ist Joyland wirklich nicht. Aber die Nostalgie fliegt einem auch im Buch entgegen.

Antwoten

Total

}