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Buch-Kritik: Sarah Lotz – Die Drei

Buch
Überblick
Item Reviewed

Sarah Lotz - Die Drei

Author
18. September 2014
Originaltitel

The Three

Genre

Horror, Mystery-Thriller

Spielt in

USA, Japan, Südafrika, England

Jahr

2014

Länge

512 Seiten

Verlag

Goldmann

Found Footage in Buchform: „Retro“-Horror ohne Vampire & co.

Vier Flugzeuge, die zur gleichen Zeit abstürzen, drei Kinder, die in den Wracks überleben.Sarah Lotz_Die Drei_Cover

Nicht nur hat Stephen King Sarah Lotz‘ neuen Roman Die Drei beblurbt (wann schläft der Mann eigentlich?), die Prämisse klingt außerdem, als wäre sie direkt aus seiner Fantasie gekrochen: eine starke, unheimliche Idee mit übersinnlichem Potenzial.

Solche Bücher werden heute kaum noch geschrieben, oder zumindest landen sie nur selten in den Buchhandlungen. In den Schatten der Horror-Abteilungen kauern heutzutage fast ausschließlich romantische Vampire, missverstandene Werwölfe und innerlich zerrissene Engel, um sich auf arglose junge Leser(inne)n zu stürzen.

Eine junge Horror-Autorin, die sich nicht für die aktuellen Trends interessiert? Um es vorsichtig auszudrücken: Ich war interessiert.

Erst recht, weil Sarah Lotz eine ungewöhnliche Form für ihren Roman gewählt hat: das Buch im Buch. Eine fiktive Journalistin hat nämlich die Abstürze, die Zeit danach und vor allem das Verhalten der „Drei“ recherchiert und dokumentiert. Ihr Sachbuch („Schwarzer Donnerstag. Die wahre Geschichte der „Drei“) macht den Löwenanteil von Die Drei aus und setzt sich zusammen aus Interviews, Zeitungsartikeln, Chats, Briefen etc.

Dieses Format hat Tradition in der Popkultur, besonders im Horror-Genre, vor allem dank Bram Stokers Dracula. Sogar der Horror-Film kennt ein Äquivalent (den Found-Footage-Film). In diesem Fall hat die Form Vor- und Nachteile:

  1. Den Stadtgeschichten-Effekt*: Die einzelnen Häppchen sind so unterhaltsam, dass man ständig versucht ist, noch eins mehr zu lesen. Vor- oder Nachteil? Kommt auf die Perspektive an.
  2. Klares Plus: Die Geschichten der Kinder sind aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erzählt, von Figuren auf vier Kontinenten. Das ist wichtig, weil Sarah Lotz nicht nur eine spannende Geschichte erzählen will, sondern auch die evangelikale Bewegung, vor allem in den USA kommentiert. Die christliche Rechte erliegt in ihrem Roman nämlich der fixen Idee, die Kinder seien die Reiter der Apokalypse. Durch die verschiedenen Perspektiven kann sie klug kommentieren, ohne allzu einseitig zu werden.
  3. Andererseits sind wir als Leser verdammt weit weg von der Geschichte: Wir erfahren sie aus dritter Hand, von Figuren, die alles längst hinter sich haben. Dadurch ist der Roman weder besonders emotional, noch besonders spannend.

Und noch ein zweiter Aspekt bricht den Dreien das Genick: Sarah Lotz kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie einen übernatürlichen Suspense-Thriller schreibt, oder eine Kritik an den radikalen Evangelikalen, und sie bringt diese beiden Elemente nicht harmonisch zusammen. Ohne zu viel zu verraten: Das eine nimmt dem anderen die Wirkung und umgekehrt.

* Den erlaube ich mir so zu nennen, nachdem ich mir mit den verführerischen Kapitelchen in Armistead Maupins Buchserie Stadtgeschichten beinahe die ersten Klausuren meiner Unviersitätskarriere versaut habe.

Hier gibt's eine offizielle Leseprobe

 

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Sehr schade. Die Idee hat viel Potenzial, der formelle Ansatz ist trotz seiner Schwierigkeiten originell - und gut geschrieben (und übersetzt) ist die ganze Sache auch noch. Die Drei hätte also wahrscheinlich sowohl als reiner Thriller als auch als konsequente Sozialkritik gute Chancen gehabt. So aber ist das Buch ein sehr unterhaltsames gescheitertes Experiment.

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