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Buch-Kritik: Lauren Oliver – Delirium

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Buch-Kritik: Lauren Oliver – Delirium

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Für ihr auf dem BlackBerry getipptes Debüt über ein Mädchen, das den letzten Tag ihres Lebens im Täglich-grüßt-das-Murmeltier-Stil immer wieder erlebt und dabei ein besserer Mensch wird, hat die Amerikanerin Lauren Oliver eine Menge Lob eingeheimst. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an ihren zweiten Roman, Delirium. Der schwimmt auf der romantischen Dystopie-Welle, die die Vampire abgelöst hat: Das Ich-darf-nicht-mit-Dir-zusammen-sein-weil-ich-gefährlich-für-Dich-bin-Konzept wird abgelöst durch das Ich-darf-nicht-mit-Dir-zusammen-sein-weil-die-Gesellschaft-das-nicht-zulässt-Prinzip.

Lauren Oliver verbindet in Delirium geschickt alle beide: Die 17jährige Lena ist überzeugt davon, dass die Liebe, wie man es ihr beigebracht hat, eine gefährliche, sogar todbringende Krankheit ist. In der Gesellschaft in der sie lebt – einem postapokalyptischen und sehr mager besiedelten Amerika – wird man bei seinem 18. Geburtstag endgültig geheilt, indem ein Teil des Hirns via Laser entfernt wird. Kurz vor ihrem Eingriff begegnet sie Alex, der sich dem Eingriff entzogen hat – darauf steht die Todesstrafe – und sie „ansteckt“.

Auf den 400 Seiten von Delirium beschreibt Lauren Oliver in einer sehr bilderreichen und meistens trittsicheren Sprache, wie aus der emotionslosen Musterschülerin Lena eine Rebellin wird, die für die Liebe ihres Lebens alles riskieren würde.

Diese Liebesgeschichte hat das Potenzial, ihren Leser heftig in die Magengrube zu treffen – nicht nur ist die Gesellschaft äußerst bedrohlich, sondern Lena spürt außerdem, dass Alex eine Gefahr für ihren Lebensentwurf darstellt. Trotzdem ist die Romanze zwischen den beiden das große Manko von Delirium. Obwohl beide Charaktere sehr sensibel gezeichnet sind und lebendig werden, will der Funke nicht so richtig überspringen.

Die dystopische Welt, die Lauren Oliver geschaffen hat, ist gut durchdacht und durchaus beängstigend – aber sie hat sehr wenig mit unserer Welt zu tun. Sie ist dafür geschaffen, Laura und Alex auseinanderzuhalten, und nicht dafür, uns als Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten  – anders als zum Beispiel Suzanne Collins Panem, die beides tut.

Delirium ist also weder eine brilliante Dystopie, die an den Grundfesten unserer Gesellschaft rüttelt, noch eine tiefschürfende Charakterstudie, noch eine Liebesgeschichte, bei deren Lektüre einem die Hände zittern. Es ist eine gut und sehr spannend erzählte Geschichte mit guten Charakteren, die in einer glaubhaften Welt agieren. Vielleicht merzt der zweite Band Pandemonium die Schwächen noch aus.* Falls nicht, sollte man sich Lauren Oliver in Bestform aber nicht entgehen lassen und zu ihrem Debüt greifen. Und wer kann schon einem Buch widerstehen, das einen solchen Titel trägt: Wenn Du stirbst, zieht dein ganzes Leben an Dir vorbei, sagen sie

* Die englische Ausgabe von Pandemonium erscheint in knapp vier Wochen, auf die deutsche Ausgabe wird man noch ein Weilchen warten müssen.

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