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Buch-Kritik: Helga Beyersdörfer – Die Nachmittagskinder

Buch
Überblick
Item Reviewed

Helga Beyersdörfer - Die Nachmittagskinder

Author
30. Mai 2014
Genre

Feel-Good-Roman

Jahr

2014

Länge

224 Seiten

Verlag

Knaur

Marktwirtschaft vs. Nachbarschaftlichkeit

Beyersdörfer: Nachmittagskinder; Rechte: KnaurEs ist eine Zwickmühle: Einerseits gehört die Privatsphäre für viele zu den wichtigsten, schützenswertesten Errungenschaften unseres Alltags – und dazu gehört nicht nur, dass wir trotz Google und Payback nicht gläsern sein wollen, sondern auch das Recht, im Aufzug in Ruhe an die Wand zu starren ohne angesprochen zu werden. Andererseits spüren wir das Zerbröckeln traditioneller Gemeinschaften, die Familiengemeinschaft, und gerade in der Großstadt eben auch die Nachbarschaft.

Man mag zu diesem Gefälle und der dazugehörigen Debatte stehen, wie man will (und man kann ja auch darüber diskutieren, ob man nicht eigentlich beides haben können sollte), es erzeugt jedenfalls eine Sehnsucht. Nach mehr Zwischenmenschlichkeit und Wärme, nach jemandem, der mal klopft und fragt, wie es einem so geht, auch ohne eingeladen zu sein. Nach einem kurzen gemeinsamen Glas Wein nach der Arbeit oder jemandem, dem man bedenkenlos mal kurz die Kinder für eine halbe Stunde da lassen kann.

Helga Beyersdörfer beschäftigt sich in ihrem Roman Die Nachmittagskinder mit genau diesem Thema, und sie versucht nicht nur, diese Sehnsucht für ein paar Stündchen zu stillen, sondern auch sie zumindest im Ansatz zu sezieren.

Jolande, mitten im Abi, selbstbewusst, ein bisschen ruppig, im ständigen Clinch mit ihrer Mutter, ist auf der Suche nach einer Geldquelle und eröffnet in ihrem Haus ein Büro für „bezahlte Dienstleistungen“. Und tatsächlich findet sich bald die Nachbarschaft bei ihr ein und bittet um die Organisation von Schlüsselübergaben, Katzehüten und Computer-Nachhilfe.

Dadurch wächst die Hausgemeinschaft zusammen, aber Helga Beyersdörfer ist nicht so naiv, Jolandes bezahlte Dienstleistungen als Ersatz für echte Nachbarschaftlichkeit darzustellen. Sie sind nur der Anstoß dazu, dass die Menschen in dem kleinen Mietshaus sich plötzlich miteinander beschäftigen und merken, dass sich das lohnen könnte. Und Jolande stellt tatsächlich nach einer Weile das ein oder andere infrage: die Beziehung zu ihrer Mutter – die gleichzeitig mit Jolande eine ganz neue Selbstständigkeit an den Tag legt – und auch ihr Geschäftsmodell. Sollten solche Kleinigkeiten nicht umsonst und sogar selbstverständlich sein?

Sehr viel tiefer geht Helga Beyersdörfer in ihrer Analyse moderner Nachbarschaftlichkeit nicht. Aber ihr Roman funktioniert durchaus als kleiner Weckruf, der ohne allzu offensichtlich erhobenen Zeigefinger auskommt und außerdem auch einfach Spaß macht. Die Figuren sind Typen, direkt aus der typischen Vorstadt-Nachbarschaft, trotzdem sind sie glaubwürdige Charaktere mit interessanten Geschichten. Und elegant erzählt ist das Ganze außerdem, denn Beyersdörfer experimentiert vorsichtig mit der Erzählperspektive – mit sehr charmantem Ergebnis.

 

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Harmloser, aber gut geschriebener und sympathischer Roman mit Wohlfühlfaktor, der die Balance zwischen Leichtigkeit und Botschaft hält.

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