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Buch-Kritik: Hannah Kent – Das Seelenhaus

Buch
Überblick
Item Reviewed

Hannah Kent - Das Seelenhaus

Author
19. September 2014
Originaltitel

Burial Rites

Spielt in

Island

Kommt aus

Australien

Jahr

2014 (Originalausgabe: 2013)

Länge

384 Seiten

Verlag

Droemer

„Ich bin bis zum Hals an mein Schicksal gekettet.“

Hannah Kent_Das Seelenhaus_Cover1828, mitten im Sommer. Die Häuslichkeit einer einfachen Bauernfamilie wird jäh gestört, als der Landrat auftaucht und den überrumpelten Töchtern mitteilt, dass die Familie in den nächsten Monaten einen Gast beherben soll: Agnes Magnusdottir, eine verurteilte Mörderin.

Bis zu ihrer Hinrichtung wird Agnes in dem kleinen Torfhaus wohnen, mit der Familie essen und bei ihnen schlafen, ihnen bei der Ernte zur Hand gehen und das Geschirr abwaschen. Und nach dieser Zeit wird keiner der Beteiligten mehr genauso sein wie zuvor.

Das Seelenhaus ist der Debütroman ausgerechnet einer australischen Autorin. Hannah Kent ist eine halbe Welt von Island entfernt aufgewachsen, dazu kommt der historische Abstand. Aber davon spürt man nichts. Der Roman braucht ungefähr zwei Seiten, wenn überhaupt, um seinen Leser in ein nebliges isländisches Tal zu katapultieren, mitten hinein in eine raue Gesellschaft, wo man still bleibt und für sich. In Häuser aus Torf, in denen es kein Fensterglas gibt, sondern eine Schafsblase, die den eisigen Wind fernhält. Eine Stube, in der im Winter das Feuer nicht ausgehen darf, weil das lebensgefährlich wäre, und wo der Weg bis zum nächsten Nachbarn auch schonmal einen halben Tag dauern kann. Und doch können selbst einfache Mägde lesen.

Hannah Kent war als Austauschschülerin zum ersten Mal in Island und hat sich scheinbar unsterblich in das Land und seine Bewohner verliebt. Island ist nicht nur Kulisse – sondern diese Geschichte hätte sich so wohl nirgends sonst abspielen können als dort. Island ist nicht nur ein Charakter in dieser Geschichte, sondern neben Agnes der zweite Protagonist.

Agnes ist eine komplexe Figur, zumindest in der Version von Hannah Kent. Sie ist eine historische Persönlichkeit und hat tatsächlich mehrere Monate auf dem Kornsá-Hof verbracht, aber Hannah Kent erzählt ihre eigene Interpretation von den Ereignissen, die zu ihrer Anklage führten und der Zeit danach. Nicht nur Agnes, fast alle Figuren, die die isländischen Höfe bevölkern, sind stille, zurückhaltende Figuren, die die Dinge nehmen, wie sie kommen und versuchen, ihrem harten Leben ein bisschen Zufriedenheit abzuringen. Vielleicht kein Wunder, dass gerade in dieser Umgebung die fest verpackten Emotionen plötzlich so hoch brodeln, dass es zu diesem Mord kommen kann. Ob sich der genau so abgespielt hat, wie Hannah Kent erzählt, sei mal dahin gestellt, aber darum geht es ihr auch nicht. Hannah Kent macht jedenfalls absolut glaubwürdig, dass er sich so hätte abspielen können.

 

 

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Die Figuren, ihr Leben, ihre Ängste, ihre Heimat, Hannah Kents schlichte, prägnante, manchmal spröde Sprache, das unaufgeregte Erzähltempo - all das fügt sich nahtlos zusammen und ergibt ein makelloses Leseerlebnis; ein Buch, in dem man verschwindet und von dem man nicht lassen kann.

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