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Buch-Kritik: Enzo Fileno Carabba – Wie zwei alte Schachteln einmal versehentlich die Welt retteten

Buch
Überblick
Item Reviewed

Enzo Fileno Carabba - Wie zwei alte Schachteln einmal versehentlich die Welt retteten

Author
25. Mai 2014
Originaltitel

Con un poco di zucchero

Spielt in

Florenz

Jahr

2014 (Originalausgabe: 2011)

Länge

224 Seiten

Verlag

btb

Kokain und Spitzenhäubchen

Carabba - Wie zwei alte Schachteln die Welt; Rechte: btbManchen Büchern sieht man an, wie sehr ihr Verlag sie liebt: Enzo Fileno Carabbas Roman Wie zwei alte Schachteln einmal versehentlich die Welt retteten ist gerade direkt im Taschenbuch erschienen – und trotzdem hat btb ihm eins der schönsten Cover der Saison gewidmet. Vielleicht auch deshalb, weil man mit dem Thema Senioren auf Wanderschaft auch zweieinhalb Jahre nach Jonas Jonasson immer noch gute Karten hat.

Die Wanderschaft der zwei alten Schachteln – Giulia und Camilla, wohnhaft in einem heruntergekommenen Palazzo in Florenz – beschränkt sich zugegebenermaßen auf ihre Heimatstadt, aber in Anbetracht dessen, dass sie zuvor jahrelang das Haus nicht verlassen haben, ist das trotzdem ein Ereignis. Aus den schützenden Mauern ihres Palazzos treibt die beiden Damen die Sehnsucht nach Koks, nachdem ihnen ihr zuverlässiger Lieferant einfach weggestorben ist. Aber draußen ist alles anders als in ihrer Erinnerung – und vor allem gestaltet sich die Suche nach einem passenden Dealer gar nicht so leicht.

Mehr darf man eigentlich über die Handlung nicht verraten, die Zwei alten Schachteln sind ein kurzes Buch, das von seiner Turbulenz lebt und davon, dass man nie weiß, was Giulia und Camilla als Nächstes einfallen wird. Denn die beiden sind speziell: Ziemlich schnell stellt sich heraus, dass ihr moralischer Kompass ein wenig anders funktioniert als bei den meisten von uns. Giulia und Camilla sind nicht nur rassistisch und fest verhaftet mit dem Klassendenken früherer Tage, sie sind auch völlig frei von Mitgefühl. Begegnen möchte man ihnen zwar nicht, aber das macht sie zu unterhaltsamen Antiheldinnen.

Dummerweise sind Camilla und Giulia gleichzeitig das wichtigste Fundament dieses Romans und seine größte Schwäche. Sie lassen sich kaum auseinanderhalten, und das obwohl Carabba sich verzweifelte Mühe gibt, die beiden zu charakterisieren. Das macht die Sache schlimmer, denn er beschwört bis zum Schluss immer wieder schwerfällig, was typisch für die eine oder die andere ist. „Sie [Camilla] besaß eine natürliche Autorität“, verkündet er zum Beispiel noch 20 Seiten vor Schluss. Sollten wir das mittlerweile nicht wissen? Wir wissen es aber nicht, weil Carabba solche Eigenschaften zwar immer wieder in den Raum wirft, sie aber nicht mit Leben füllt.

Manche Schwächen kratzen ein Buch kaum an, weil es so stark ist – aber Giulia und Camilla brechen Carabba das Genick, zumal es keine anderen Charaktere gibt, die ihre Blässe auffangen könnten und weil moralische Grauschattierungen nunmal von starken Charakteren getragen werden müssen, um zu wirken. Das ist schade, weil Wie zwei alte Schachteln einmal versehentlich die Welt retteten so erfrischend eigenwillig ist und auch irgendwie, trotz oder gerade wegen aller moralischer Fragwürdigkeit, verdammt charmant.

Einen eigenen Eindruck kann man sich hier verschaffen: Leseprobe
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Unterm Strich

Hätte Carabba sich mit seinen Protagonistinnen ein bisschen mehr Mühe gegeben, hätte btb vielleicht den neuen "Hundertjährigen" gefunden. So ist dieser Roman eine hübsche kleine Dosis Boshaftigkeit, gut für eine dreistündige Zugfahrt oder triste Warterei beim Arzt, aber leider nicht mehr.

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