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Buch-Kritik: E. M. Delafield – Tagebuch einer Lady auf dem Lande

Buch
Überblick
Item Reviewed

E. M. Delafield - Tagebuch einer Lady auf dem Lande

Author
23. Dezember 2012
Genre

ChickLit

Spielt in

England

Jahr

2012 (Originalausgabe: 1930)

Länge

208 Seiten

Serie

The Provincial Lady

Verlag

Manhattan

Wiederauferstandener Klassiker aus den 30ern

Delafield - Tagebuch einer Lady auf dem LandeAutorin Sophie Kinsella blurbt gleich auf Vorder- und Rückseite dieses Romans: „Ein Juwel aus den 30er Jahren.“ Die Auswahl an Kommentaren begeisterter Kritiker und hochkarätiger Autoren hat es sicher genug gegeben, schließlich ist das Tagebuch einer Lady auf dem Lande (Originaltitel: Diary of a Provincial Lady) im englischsprachigen Ausland ein Klassiker. Aber es ist sehr passend, dass Manhattan ausgerechnet diesen ausgesucht hat, um die Neuübersetzung zu bewerben. Denn wenn Sophie Kinsellas shoppingsüchtige Becky Bloomwood Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wäre, wäre sie Delafields namenloser Protagonistin vermutlich zum Verwechseln ähnlich.

Alltags-Chaos anno 1930

Sie ist die Mutter von zwei mit allen Wassern gewaschenen Sprösslingen, Gattin eines überaus gelassenen Mannes und Kopf eines ständig am Rande der Katastrophe schlitternden Haushalts auf dem Land. Wenn die Band mal wieder den Kredit nicht erneuern oder die Köchin kündigen will, oder wenn sie wieder nur den dritten Preis im örtlichen Literaturwettbewerb gewonnen hat, tröstet sie sich mit dem ein oder anderen neuen Kleid – eine Gelegenheit, es zu tragen, wird sich schon auftun – oder mit ihrem Tagebuch.

Allerdings ist sie reflektierter als Becky Bloomwood. Sie hinterfragt ihre Einstellung, ihre Dummheiten und ihre Beweggründe, genau wie die ihrer Umwelt, und sie hat eine sehr, sehr scharfe Zunge. Das sind wohl die Gründe für die anhaltende Beliebtheit dieser Mischung aus Comedy of Manners und gut beobachteter Gesellschaftssatire.

Autobiographische Kolumne

Entstanden ist das Tagebuch einer Lady auf dem Lande als stark autobiographisch gefärbte Zeitungskolumne in den frühen 30er Jahren, und das sorgt für eine seiner stärksten Schwächen: E. M. Delafield hat sich durchaus Mühe um Dramaturgie und kleine Spannungsbögen gegeben – aber nicht über die ganzen 200 Seiten hinweg, sondern nur innerhalb kleinerer Episoden. Das Tagebuch liest sich deshalb tatsächlich eher wie ein Tagebuch denn wie ein Roman. Fast immer geht es um Alltagsbeobachtungen und einen übergreifenden Handlungsbogen gibt es nicht, auch wenn viele Figuren (die furchtbare Lady B. zum Beispiel) und die meisten Themen (etwa der Sinn gesellschaftlicher Spielregeln) immer wieder auftauchen.

Eins ist tröstlich: Zeit, den ganzen Tag Deckchen zu besticken, Klavier zu spielen und die immer gleichen Nachbarn zu besuchen hatte man wohl auch damals nicht unbedingt, selbst als Mitglied der höheren Gesellschaft. Überhaupt gibt es für all jene, die sich für den Alltag der 30er Jahre interessieren, eine Menge zu lernen; ab und an erkennt man außerdem gesellschaftliche Unsinnigkeiten wieder, die auch im Jahr 2012 nicht ausgemerzt sind, und gelegentlich in der verzweifelten, ewig gestressten Protagonistin sogar sich selbst.

Trotzdem ist das Tagebuch längst nicht der große Griff, den Manhattan letztes Jahr mit D. E. Stevensons Stich ins Wespennest (Miss Buncle’s Book) in der gleichen Edition getan hat. Anders als dort spürt man hier, dass 80 Jahre vergangen sind: Die Geschichte hat einfach nicht mehr die gesellschaftliche Brisanz ihrer Zeit. Heute ist das Tagebuch einer Lady auf dem Lande nicht viel mehr als eine Reihe gut geschriebener, sehr liebevoll übersetzter, scharf beobachteter, unterhaltsamer autobiographischer Episoden. Aber immerhin.

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Sehr nett, aber wenn das Tagebuch einer Lady jemals gesellschaftliche Brisanz hatte, ist die mittlerweile verschwunden.

Pop / Kultur / Schock: POP

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