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Buch-Kritik: Dan Brown – Inferno

Buch
Überblick
Item Reviewed

Dan Brown - Inferno

Author
23. Mai 2013
Spielt in

Florenz, Venedig, Istanbul

Jahr

2013

Länge

685 Seiten

Serie

Robert Langdon

Verlag

Lübbe

Dan Brown verlässt sicheres Terrain

Dan Brown - Inferno - Rechte: LübbeDan Brown ist zurück und tut das, was er am besten kann: Er schubst seinen bewährten Symbologen Tom Hanks Robert Langdon in ein Szenario, in dem ihm zwielichtige Gestalten aus schwammigen Gründen an den Kragen wollen. Und der einzige Weg, lebend aus der Sache rauszukommen, ist, einer Schnitzeljagd zu folgen, bei der jeder Hinweis ein Stück Kulturgeschichte aufrollt.

Wem schon im ersten Band Illuminati Robert Langdon als Protagonist zu flach war, Dan Browns Stil zu schlecht, und die logischen Löcher im Plot zu groß, sollte seine Finger von Inferno lassen. Langdons einzige Schattenseite ist immer noch seine Angst vor dunklen, engen Räumen. Brown lässt seine Figuren wie üblich abwechselnd Exposition und Zusammenfassungen des Geschehens denken. Und auch diesmal gibt es keinen besonders guten Grund dafür, dass Langdon schon wieder an einen Widersacher gerät, dessen kultur-historischen Spuren nur ein Symbologe folgen kann.

Aber ganz ehrlich: Mittlerweile weiß jeder, was Browns Stärken und Schwächen sind, und niemand liest seine Romane wegen ihrer literarischen Qualitäten. Sondern, weil Brown clevere Rätsel, verblüffende (wenn auch nutzlose) Fakten, Hochspannung und so viele Twists, dass einem beim Lesen schwindelig wird, geschickt miteinander verknüpft.

Trotzdem hat seine Formel im letzten Band Das verlorene Symbol nicht mehr funktioniert: Die Twists kamen einem alle irgendwie bekannt vor, genauso die Figuren, selbst die Fakten waren nicht mehr so verblüffend wie gewohnt.

Dass es diesmal nicht so sein soll, macht Brown gleich im ersten Kapitel von Inferno klar: Es setzt nicht am Anfang der Geschichte ein, sondern in der Mitte. Langdon war nämlich schon zwei Tage lang auf Dantes Spuren unterwegs, auch wenn er sich an nichts erinnern kann.

Dieser Handgriff wirkt auf den ersten Blick wie ein verzweifelter Versuch, seinen Langdon-Romanen neues Leben einzuhauchen – aber so verzweifelt ist er gar nicht. Im Gegenteil – er erlaubt es Dan Brown, nach etwa 320 Seiten, die ganz ähnlich sind, wie man sie kennt, das Tempo kräftig anzuziehen und mit ein paar Twists um die Ecke zu kommen, die man so dann doch nicht erwartet hätte.

Das macht Inferno richtig unterhaltsam. Nicht ganz so sehr wie zu Browns besten Zeiten, dafür ist der Plot nicht zielstrebig genug, aber immerhin fast – und wesentlich unterhaltsamer als der letzte Langdon-Band oder die beiden Standalone-Browns.

Was Inferno aber zu Dan Browns bestem Buch macht, sind erstens das Thema – er diskutiert durchaus ernsthaft das Problem der Überbevölkerung – und zweitens und vor allem der Schluss. Ersteres könnte dafür sorgen, dass ein wirklich dringliches und oft übersehenes Thema ins Bewusstsein der Allgemeinheit rückt. Letzterer hat mir nicht nur den Unterkiefer aufs Knie fallen lassen, sondern bringt Inferno meiner Ansicht nach nah an die Grenze zwischen „trivialer“ und „ernster“ Literatur, zwischen solcher, die nur unterhalten und solcher, die die Welt ihrer Leser verändern will.

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Unterm Strich

Schade, dass Brown sich nicht die Mühe macht, an seinem Stil und der Tiefe seiner Charaktere zu arbeiten. Denn mit Inferno hat er bewiesen, dass er durchaus ambitioniert ist und keine Angst hat, an den Grenzen seines selbst zusammengewürfelten Genres zu rütteln, selbst wenn das vielleicht nicht jedem seiner Leser behagt. Wer hätte das gedacht?

Pop / Kultur / Schock: Ich bin so überrascht, dass Dan Brown sich hiermit für SCHOCK qualifiziert.

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  • funky
    25. Mai 2013 auf 15:26

    ich hab von ihm nur illuminati und davinci code gelesen. die fand ich beide recht unterhaltsam. meiner meinung geht es bei dieser art von literatur auch genau darum…unterhalten. einige menschen meinen ja immer, da sonst was verkopftes oder hochliterarisches erwarten zu dürfen, wobei meines wissens dan brown selbst nie den anspruch geäussert hat, als grossartigster literat in die geschichte eingehen zu wollen.

    die kritik hier steht aber im gegensatz zu so ziemlich allen kritiken die ich sonst über das buch gelesen habe. die waren nämlich durch die bank weg eher schlecht. aber jetzt interessiert mich das buch doch 🙂

  • 30. Mai 2013 auf 14:41

    Ich fand das Buch auch ziemlich gut. Vor allem schafft er eines: man hat Lust sich Florenz, Venedig und Istanbul anzusehen 😉

    • 3. Juni 2013 auf 14:26

      Das stimmt, ich war auch direkt Feuer und Flamme, ein paar Städtetouren zu buchen. Mal schauen, wann sich das realisieren lässt (und wie ich meine bessere Hälfte überrede 😉

  • Angermann
    9. Juni 2013 auf 01:25

    wollte mur mal sagen, dass das erste buch sakrileg hieß und illuminati der zweite teil war. super recherche!

  • Hiro Surogata
    25. Juni 2013 auf 23:20

    Die Tür eines Patientenzimmers lässt sich nicht von innen verschließen. Allein dieser kleine Abschnitt mit der Killerin reichte schon um das Buch wieder weg zu legen. Selten so einen miesen Mist gelesen. Lee Child Dan Brown… lesen die Leute tatsächlich diesen Blödsinn?

  • Wilfried Erlebach
    6. Januar 2014 auf 03:29

    buch zu weihnachten 2013 bekommen. gelesen. „Schnitzeljagden“ könnten deutlich reduziert werden. auch ein paar logikfehler gefunden. für mich trotzdem sehr zu empfehlen weil d. brown sich traut das thema überbevölkerung in den mittelpunkt zu stellen und die verantwortlichen für dessen verleugnung und unterdrückung auch zu nennen. toll auch die exponentialkurve dazu, die versteht auch ein schüler der 3. klasse nach dem motto eine gute kurve sagt mehr als tausende worte. hoffentlich hat der autor auch bedacht, dass er sich damit die feindschaft vieler institutionen eingehandelt hat ! besonders von religionsgemeinschaften und auch grossen kirchenh ! ende.

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