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Buch-Beute: Popkulturschock liest Francais

Buch

Buch-Beute, Rechte Burlap Sack: DeaPeaJayIn den letzten Wochen sind mir gleich vier französischsprachige Romane in die Hände geraten, zwei aus La Belle France, zwei aus Kanada. Alle schwebend vor französischer Leichtigkeit? Die Ausbeute im Kompaktformat:

Nicolas Barreau – Die Frau meines Lebens

Der Klappentext… … übertreibt ein bisschen. Er verspricht die Geschichte vom Pariser Buchhändler Antoine, der der Frau seines Lebens begegnet, sie aus den Augen verliert und nur 24 Stunden hat, um sie wiederzufinden. Klingt ein bisschen nach einem meiner Lieblingsfilme, Before Sunrise, ergo vielversprechend. Aber dem Verlag war das nicht genug, er musste noch etwas von „Amour Fou“ dazuschreiben. Auch wenn Antoine mit Sicherheit ein bisschen fou ist, stelle ich mir unter einer Amour Fou etwas gefährlicheres und leidenschaftlicheres vor als diese Geschichte.

Soufflé? Nicolas Barreau gibt sich redlich Mühe, die typisch französische Leichtigkeit aus seiner Feder zu schütteln, aber die Mühe merkt man ihm leider an: Paris als perfekte Stadt für Verliebte wird ein wenig überstrapaziert, manchmal ratscht der Text etwas sehr nahe am Kitsch vorbei, und vor allem lässt Nicolas Barreau ab und an blöde Geschlechter-Klischees und Bauernweisheiten vom Stapel und verkauft sie als kluge Gedanken.

Oui ou non? Trotz der Kritik: Manche Passagen sind schön und Antoine ist mir äußerst sympathisch. Die Geschichte ist zwar am Anfang weniger spannend als der Klappentext sie klingen lässt, aber im zweiten Teil kommt Nicolas Barreau in die Gänge und erzählt eine witzige, romantische kleine Schnitzeljagd. „Die Frau meines Lebens“ ist schnell gelesen, und für einen Sonntagnachmittag auf dem Balkon oder zwei Stündchen in einem (Pariser) Café eine schöne, aber keine unerlässliche Sache.

(3+)

Marie-Sabine Roger – Das Labyrinth der Wörter

Der Klappentext… … ist einer der aussagekräftigsten, die ich in letzter Zeit gesehen habe: „Germain Chaze ist eine Seele von Mensch, nur leider nicht der Schlaueste. Als er im Park Margueritte kennenlernt, wird sein Leben auf den Kopf gestellt. Denn die feinsinnige alte Dame beschließt, in für die Welt der Bücher zu gewinnen.“ Nicht nur die Handlung, sondern auch der Esprit des Buches in drei kurzen, prägnanten, schön formulierten Sätzen.

Soufflé? Auch Marie-Sabine Roger strebt die Leichtigkeit an, aber aus einer ganz anderen Ecke: Nicht aus der eines gebildeten Buchhändlers, sondern mit der Situationskomik eines Mannes, der manchmal ganz eindeutige Situationen falsch interpretiert und sich um Kopf und Kragen redet. Am Anfang hatte ich Angst, dass „Das Labyrinth der Wörter“ nicht richtig aufgeht, weil entweder Marie-Sabine Roger oder die Übersetzerin die Stimme von Germain im ersten Viertel noch nicht so richtig gefunden hatte und die Sprache an einigen Stellen künstlich umgangssprachlich klingt. Aber das gibt sich Gott sei Dank bald, und der Rest vom Roman ist so locker-flockig, wie die Autorin ihn vorgesehen hat.

Oui ou non? Oui, definitiv. Seit ich die letzte Seite gelesen habe, ist das Buch für mich immer besser geworden. Ein sehr schöner kleiner Roman, den ich bestimmt nochmal lesen werde – auch wenn ich mir noch ein kleines bisschen mehr Zeit mit der liebenswürdigen Margueritte gewünscht hätte. Aber vielleicht gibt es die ja in der Verfilmung mit Gérard Depardieu.

(2+)

Dénis Thériault – Siebzehn Silben Ewigkeit

Der Klappentext… … lässt frech das Wichtigste aus. Zusammengefasst: Briefträger Bilodo liest heimlich die Briefe an einen Anderen und verliebt sich in die Absenderin. Als der Adressat stirbt, schlüpft Bilodo in dessen Haut, um die Brieffreundschaft nicht abreißen zu lassen. Das klingt, als ginge es um eine Liebes- und Verwechslungs-Geschichte in Briefen – dabei geht es eigentlich um die Kunst des japanischen Haiku (das hier nichtmal erwähnt wird), und um Konzepte zwischen Poesie, Esoterik, Philosophie und Übersinnlichem.

Soufflé? Dénis Thériault geht es weniger um französische Leichtigkeit als um japanische Klarheit. Seine Haikus – insgesamt sicherlich fünfzig – sind sehr kunstvoll. Aber die Liebesgeschichte entwickelt er (sofern der Autor sich überhaupt damit beschäftigt) zu schnell und sie fliegt ihm am Ende um die Ohren.

Oui ou non? Für mich leider eher ein non. Das sieht bestimmt anders aus, wenn man etwas über Geschichte, Struktur und philosophische Konzepte des Haiku erfahren möchte. Ich wollte das aber nicht (zumindest nicht so ausführlich, eigentlich möchte ich ja immer alles wissen) und darüber hinaus hat „Siebzehn Silben Ewigkeit“ leider nicht viel zu bieten: Nicht einen interessanten Charakter, und der Plot ist nicht sehr viel detaillierter als im Klappentext beschrieben. Immerhin ist Thériaults Sprache elegant, und sein Ende sogar noch eleganter.

(3+)

Nicolas Dickner – Nikolski

Der Klappentext… … lügt. Dickners drei junge Hauptfiguren verbindet nämlich keineswegs ein Kompass, der nach Nikolski zeigt (auch wenn der Kompass mit dem, was sie verbindet, zu tun hat). Vor allem geht es im Roman überhaupt nicht darum, dass die drei etwas verbindet – das ist nur ein hübscher Grund für Dickner, ihre Geschichten zu erzählen, wie sie sich ver- und wieder entknoten – und wieder ver- und wieder ent-.

Soufflé? Hier ist es genau umgekehrt wie beim anderen Nicolas weiter oben: Dickner scheint es völlig egal zu sein, wie leicht oder schwer sein Buch wird, und deswegen ist es genau richtig. Ich bin nichtmal sicher, ob es leicht oder schwer ist – vermutlich beides. Auf jeden Fall kann es schwimmen. Ein bisschen schade finde ich, dass sich Dickner auch nicht sehr um Ausgewogenheit zwischen den drei Charakteren kümmert, sondern immer bei dem bleibt, dessen Geschichte ihn gerade am meisten interessiert. Leider hab ich mich am meisten für den Charakter interessiert, der nur in ca. 80 Prozent von „Nikolski“ vorkommt.

Oui ou non? Oh ja, definitiv. Dickner kommt mit so unerwarteten Formulierungen, Figuren, Zufällen und Entwicklungen um die Ecke, dass er mich mindestens alle zehn Seiten gründlich überrascht und immer wieder maßlos erfreut hat.

(1-)

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