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Grabbelkiste: Bösewichte, denen wir nicht böse sein können

Kai:

Hannibal Lecter, Rechte: MGM

Hannibal Lecter

Hannibal Lecter

u.a. aus Jonathan Demmes Das Schweigen der Lämmer (Romanvorlage: Thomas Harris)

Zugegeben, Lecters Rolle in Silence of the Lambs ist gar nicht die eines Bösewichts, er ist eher ein Mentor für die angehende FBI-Agentin Starling. Aber als Serienmörder und Kannibale hat er sich trotztdem einen Platz auf der Liste verdient. Bei „Lambs“ existiert er in einer Art moralischem Vakuum. Bei der Fortsetzung Hannibal dagegen, einer absurden, schwarzhumorigen Liebesgeschichte, ist er deutlich als Protagomist und Antiheld angelegt. Zwar oft skrupellos und mit – vorsichtig ausgedrückt – kontroversem Speiseplan, aber dafür mit einem konsistenten Ehrenkodex, Humor und sehr viel *räusper* Geschmack. Bon Appetit!

Wile E. Coyote, Rechte: Warner Bros.

Wile E. Coyote

Wile E. Coyote

aus dem klassischen Chuck Jones Cartoon Road Runner

Armer Wile E. Coyote – Immer wieder versucht er, den Road Runner in Fallen zu locken, zerquetschen oder in die Luft zu sprengen, der schnelle Vogel kommt am Ende immer davon. Und seine oft aufwendigen Fallen, die nicht selten mit Amboss, Rollschuhen oder Dynamit zu tun haben, gehen verlässlich nach hinten los. Gewonnen hat er trotzdem: Wer interessiert sich schon für einen Vogel, der immer nur die Straße entlang flitzt und dabei „Beep Beep“ kräht. Der ewig hungrige Coyote ist nicht nur der liebenswerte Underdog, sondern auch der eigentliche Star der Serie.

Jareth, Rechte: Sony

Jareth

Jareth

aus Jim Hensons Die Reise ins Labyrinth

Babies kidnappen gilt zwar landläufig nicht als besonders nett– besonders wenn die Drohung der Verwandlung in einen Kobold im Raum steht –  aber David Bowies exzentrisch gewandetem (und legendär frisierten) Kobold-König Jareth kann man das trotzdem nicht ernsthaft übel nehmen. Umgeben von seinen Muppet-Kobolden verbringt Jareth den Film singend und tanzend, während er nebenbei versucht, die junge Sarah hinterlistig von ihrem entführten Bruder fernzuhalten. Und überhaupt –Jareth und sein Labyrinth existieren vermutlich nur in Sarahs Vorstellung. Und wie böse kann die Manifestation einer David Garret-esken Mädchenfantasie wirklich sein?

Desirée:

Luzifer, Rechte: DC Comics

Luzifer

Luzifer

aus: Neil Gaimans Der Sandmann

„Better to reign in Hell, than to serve in Heaven.“ Mit diesen Worten übernimmt Satan in John Milton’s Paradise Lost die Kontrolle der Hölle. Zehn Billionen Jahre später besucht ihn dort Dream of the Endless, die Hauptfigur von Neil Gaimans Graphic Novel-Serie Der Sandmann.

Gaimans Luzifer ist widerlich arrogant – dazu hat er allerdings auch allen Grund. Er ist charismatisch, mächtig, und sieht zu allem Überfluss auch noch gut aus (und zwar – auf ausdrücklichen Wunsch des Autors – wie David Bowie, s.o.). Luzifer ist außerdem egoistisch und verschlagen – aber das personifizierte Böse ist er nicht. Mit den schlechten Taten der Menschheit will er nichts zu tun haben, und selbst das Quälen tief verschuldeter Seelen scheint ihm weniger Spaß zu machen, als man meinen sollte. Eher wirkt es, als würde er gelangweilt einen lästig gewordenen Büro-Job erledigen.

Ich würde nicht so weit gehen und behaupten, dass er mir deswegen leid täte – aber es macht Luzifer menschlich. Und wenn der Höllenfürst einmal den Fuß in der Tür hat, kann man sich seinem Charisma nicht mehr so leicht entziehen.

Heathcliff

Heathcliff, Rechte: MGM/Warner

Laurence Olivier als Heathcliff

aus: Emily Brontës Sturmhöhe

Natürlich ist Heathcliff irgendwie gemein, und natürlich könnte man argumentieren, das er böse ist – schließlich setzt er alles daran, die überlebenden Familienmitglieder seiner großen Liebe nach allen Regeln der Kunst zu brechen. Jeden anderen Charakter würde man dafür zumindest mit Misstrauen bedenken. Nicht so Heathcliff, der Cathy schließlich so sehr liebt und nicht anders kann. Hätte Emily Bronte sich entschieden, die beiden zusammenkommen zu lassen, hätte sie wahrscheinlich die brutalste und zerstörerischste Beziehung der Literaturgeschichte erfunden. So ist es eine ihrer leidenschaftlichsten Liebesgeschichten geworden. Dass Heathcliff in der zweiten Hälfte des Romans zu einem kalten, grausamen Monster mutiert, hat man deshalb schon vergessen, kaum dass man Sturmhöhe nach der letzten Seite zugeklappt hat.

Bill; Rechte: Miramax

Bill

Bill

aus: Quentin Tarantinos Kill Bill

Zwei ganze Filme lang jagt Uma Thurman als Profikillerin Beatrix Kiddo ihren ehemaligen Arbeitgeber und Geliebten Bill, der fünf Jahre zuvor an ihrem Hochzeitstag ihren Bräutigam kaltblütig getötet und sie selbst tödlich verletzt hat. Mit jeder Station ihrer Reise wird die Vorstellung von Bill im Kopf des Zuschauers gefährlicher und widerwärtiger.

Und dann taucht er am Ende von Kill Bill II endlich auf: Beherrscht, stolz, geradeheraus, höflich, redegewandt, sogar mitfühlend – und absolut tödlich. Aber obwohl Bill uns keine Sekunde vergessen lässt was er getan hat – und dass er genau diese Entscheidung jederzeit wieder treffen würde – kann man ihn letzten Endes beinahe verstehen. Und selbst Beatrix Kiddo habe ich erst mögen gelernt, nachdem ich sie durch Bills Augen gesehen hatte.

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