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2013: Der große PopKulturSchock-Jahresrückblick Teil 2

Buch

Desirées Lieblinge des Jahres

2013 ist vorbei, aber wir sind mit dem letzten Jahr noch nicht ganz fertig. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich viel aufgestaut und auch wenn wir nicht alles besprechen konnten, sind hier nochmal die Filme, Bücher, Comics, Serien, Alben und Spiele, die uns am meisten beeindruckt haben.

Obwohl mich einige Genres dieses Jahr begeistert haben – fantastische Computerspiele sind zum Beispiel erschienen -, war ich von “meiner” Nische ein bisschen enttäuscht: Das Buchjahr 2013 war nicht meins. Aber vielleicht bin ich ja auch nur an den wirklich tollen Sachen vorbei gerutscht? Falls also jemand Vorschläge hat, was man dieses Jahr unbedingt gelesen haben muss, freue ich mich über Hinweise.

Masters of Sex

Ausgerechnet in den prüden 50ern setzen es sich der renommierte Gynäkologe William Masters und seine Sekretärin Viriginia Johnson in den Kopf, die menschliche Sexualität zu erforschern. Die Showtime-Serie Masters of Sex stellt die beiden in den Mittelpunkt eines Mad Men-esken Dramas um zwischenmenschliche Beziehungen, Emanzipation, Sex und Zeitgeist. Für die Show arbeiten die hervorragenden Schauspieler und Dialoge, das überzeugende Zeitkolorit und der ein oder anderen hübsche Skandal. Aber der Motor der Geschichte sind vor allem ihre Hauptfiguren: der zugeknöpfte Masters und seine aufgeschlossene Assistentin, die ihm in fast jeder Hinsicht problemlos das Wasser reicht.

What Do Women Want?

Dass es auf diesem Gebiet trotz Masters & Johnson und ihren Nachfolgern immer noch unzählige unbeantwortete Fragen gibt, beweist dieses Buch. 90 Prozent aller Männer würden wahrscheinlich ohne zu zögern behaupten, dass es auf diese Frage zum Beispiel keine Antwort gibt. Das liegt nicht daran, dass Frauen so enigmatische Wesen sind, sagen die Wissenschaftler, mit denen Daniel Bergner für sein hervorragend recherchiertes Buch gesprochen hat, sondern daran, dass das spezifisch weibliche Verhalten in Sex und Beziehung jahrzehntelang nicht richtig untersucht worden sind.

What do Women Want? räumt mit einigen Mythen auf (z. B. dass Männer die größeren Fremdgänger sind), analysiert und bestätigt andere und liefert etwa ein Aha-Erlebnis pro Seite. Pflichtlektüre für beide Geschlechter.

Broadchurch

Seit Twin Peaks ist ein Procedural, das einen Fall mühelos über eine ganze Staffel streckt und trotzdem keine Sekunde langweilig ist, ein unerreichtes Ideal. The Killing hat gleich in den ersten Staffeln ein großer Teil der Zuschauer gelangweilt wieder aufgegeben, und Veronica Mars ist zwar großartig, hat aber gleichzeitig mit Elementen aus so vielen anderen Genres gespielt, dass der Vergleich unfair ist. Die britische Mini-Serie Broadchurch aber ist endlich ein würdiger Nachfolger.

Sie erzählt von dem Mord an einem kleinen Jungen in einem verschlafenen britischen Dorf an der Küste und von einem exzentrischen externen Ermittler mit eigenen Dämonen, der versuchen muss die Beziehungsgeflechte der Nachbarschaft zu entwirren. Klingt bekannt? Ja. Aber trotzdem trägt Broadchurch eine ganz eigene Handschrift: Eine kühle aber ungeheuer dichte Atmosphäre, die es dem Team um Creator Chris Chibnall erlaubt, Stille mit Spannung zu kombinieren. Außerdem geht es Broadchurch weniger um Momente, in denen der Zuschauer vorm Fernseher sitzt und sagt: “Was? Nein!” und dafür mehr darum, die Abhängigkeiten des Dorfes und ihre moralischen Konsequenzen zu erforschen. Man werfe großartige Schauspieler (angeführt von Ex-Doctor Who David Tennant), wunderschöne, eindringliche Bilder und einen außergewöhnlich guten Soundtrack mit in den Topf – und heraus kommt ein poetisches kleines Meisterwerk.

Sarah Leavitt – Tangles (Das große Durcheinander)

Ich gewinne langsam den Eindruck, dass sich für autobiographische Geschichten kein Medium so eignet wie die Graphic Novel. All das, was der Autor nicht aussprechen will oder nicht in Worte fassen kann, kann er zeigen. Orte und Figuren werden dabei nicht nur plastisch, sie zeigen sich vor allem genau aus der Perspektive des Erzählers – und die Geschichte gewinnt noch eine Spur mehr Intimität.

Die Kanadierin Sarah Leavitt erzählt in Tangles in Wort und Bild von der Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter. Ihre Zeichnungen sind cartoonig und kantig, fast krakelig – und gehen unheimlich nah. Für mich die intensivste Leseerfahrung des Jahres.

Stephen King - Joyland; Rechte: HeyneJoyland

Es war eine große Überraschung, als Stephen Kings neuer Roman angekündigt wurde: Er klang und sah aus wie ein Manuskript aus den 80ern, das King in seiner Schublade wieder gefunden hatte. Aber Joyland hat nicht nur die Unschuld der 80er und macht unendlich Spaß, es ist auch ganz klar das Werk eines reifen Erzählers, der aus relativ weitem Abstand von den Klippen erzählt, die es beim Erwachsenwerden zu überwinden gilt. Joyland ist längst nicht so episch wie die anderen Kings, die in den letzten Jahren so erschienen sind – kein Doctor Sleep, kein Aufstand -, aber es ist kein weniger großes Buch.

Bunheads

Es hat in den letzten Jahren so viel hervorragende TV-Serien gegeben wie nie zuvor. Trotzdem hat mir immer etwas gefehlt: ein Ersatz für die Gilmore Girls. Die Mischung aus Wohlfühlfernsehen und klugen, witzigen Dialogen war einzigartig und bisher leider unerreicht. Seltsam also, dass die neue Show der Gilmore Girls-Macherin sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden ist. Vielleicht hat es mit dem Setting zu tun: eine Ballettschule in einer Kleinstadt mitten im Nirgendwo. Aber meinetwegen hätte Bunheads auch auf einer Müllhalde spielen können. Die Show erzählt vielleicht eine etwas andere Geschichte, aber sie bringt die Wärme, den Charme und die Cleverness der Gilmore Girls zurück. Und Emily Gilmore als strenge Ballettlehrerin und halbherzig biestige Schwiegermutter. Mittlerweile ist Bunheads leider schon wieder abgesetzt, aber die 18 Folgen der ersten Staffel seien wärmstens empfohlen.

bioshock_infiniteBioshock Infinite

Es war ein gutes Jahr für Videospiele – dank The Last of Us und vor allem Grand Theft Auto V waren die meisten Gamer monatelang mehr oder weniger nicht ansprechbar, und auch das Genre als solches hat sich mit diesen und einigen anderen Titeln dieses Jahr deutlich weiter entwickelt. Mein persönliches Highlight war Bioshock Infinite. Ja, die Spielmechanik unterscheidet sich nicht sehr von der, die Irrational Games vor 6 Jahren im ersten Teil etabliert haben – aber die war ja auch ausgesprochen unterhaltsam. Und was Athmosphäre und ganz besonders Storytelling angeht, haben sie sich mit Bioshock Infinite nochmal gesteigert. Die Welt, gefangen irgendwo zwischen der Euphorie der Weltausstellung und dem faschistischen Regime, ist freundlich und bedrückend zugleich; die Charaktere sind nie hundertprozentig greifbar und leben von ihren Grauschattierungen; und die Geschichte ist ein packendes, komplexes Puzzle, das sich nach und nach zusammensetzt und auf einen brillianten, perfekt durchdachten Showdown hinsteuert.

Lässt sich übrigens mit dem gleichen Gewinn spielen, wenn man den ersten und zweiten Teil nicht kennt.

Odd Thomas

An dieser kleinen Perle mögen sich die Geister scheiden – ich liebe Odd Thomas. Der Held wäre ein ganz normaler Mittzwanziger mit netter Freundin, normalem Job und ruhigem Leben – wenn er nicht ständig von toten Mitbürgern um den ein oder anderen Gefallen gebeten würde. Aus diesem Setup hat der Horrorautor Dean Koontz eine unterhaltsame, spannende Urban Fantasy-Serie gestrickt, und  Regisseur Stephen Sommers einen noch unterhaltsameren Film über den Weltuntergang inklusive Faust in den Magen.

Sommers hat zuvor Filme wie Die Mumie oder Van Helsing gemacht, und wer mit der Mischung aus Komödie und Horror da schon nichts anfangen konnte, dem wird wahrscheinlich auch Odd Thomas nicht viel geben. Wer für diese Kombination aber wie ich eine Schwäche hat, findet in Odd Thomas die vielleicht perfekte Dosierung: ein leichtfüßig erzähltes Abenteuer, das erst nach und nach preisgibt, dass es so leicht gar nicht ist.

wiley_cashWiley Cash – Fürchtet Euch (A Land More Kind Than Home)

Kein Wunder, dass die deutsche Übersetzung dieses lyrischen Southern Gothic-Romans kaum Exemplare verkauft hat – der “übersetzte” Titel zieht nicht das Publikum an, das diesen Roman lieben könnte  und dürfte jeden enttäuschen, der eine Alternative zum neuen Jeffrey Deaver erwartet hat. Immerhin das wunderschöne Cover gibt einen Hinweis.

Wiley Cashs Debüt ist eine packende Reflektion von Loyalität, Vertrauen und religiöser Obsession in einer Kleinstadt im amerikanischen Süden, in der die Uhren nach einem eigenwilligen Rhythmus ticken; seine drei Erzählstimmen sind so charakterstark wie unterschiedlich, und die bedrohliche Atmosphäre ist von Anfang an geradezu hypnotisch. Auch wenn Cash seine Vision gegen Ende ein bisschen aus den Augen verliert, war dies für mich die intensivste Leseerfahrung 2013, eins der stärksten Debüts an die ich mich überhaupt erinnern kann – und für Fans von Harper Lees Wer die Nachtigall stört ein absolutes Muss.

VakuumLukas Jüliger – Vakuum

In Deutschland werden vergleichsweise wenige einheimische Graphic Novels veröffentlicht, abgesehen von wenigen Ausnahmen stammen die Bände normalerweise aus der franko-belgischen, japanischen oder amerikanischen Schule. Der blutjunge Lukas Jüliger aber hat Reprodukt überzeugt, sein Debüt zu verlegen – und dürfte damit gar nicht so viel Schwierigkeiten gehabt haben, denn Vakuum ist großartig. Der Comic erzählt in sensiblen, zurückgenommenen monochromen Zeichnungen und bewusst simpler Sprache eine tieftraurige Coming-of-Age-Geschichte mit Anleihen aus dem magischen Realismus. Eigenwillig, bewegend, kreativ und gerade für einen so jungen Autor enorm trittsicher.

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