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2012 in Popkultur: Zehn Lieblingsbücher

Buch

Mehrere tausend Romane sind letztes Jahr in Deutschland erschienen, und natürlich ist es mir nicht gelungen, auch nur einen respektablen Anteil von ihnen zu lesen. Aber ich bin über einige Bücher gestolpert, die mich beeindruckt, zum Lachen, Heulen oder Nägelbeißen gebracht haben. Und die möchte ich gern vorstellen.

Ausgewählt habe ich nicht die ‚wichtigen‘ Bücher des Jahres, die sich in den Listen des Feuilletons finden, und auch nicht nur unentdeckte Kleinode. Meine Auswahl ist absolut subjektiv und überhaupt nicht repräsentativ. Aber ich persönlich hätte auf die Erfahrung, diese zehn Bücher zu lesen, letztes Jahr nicht verzichten mögen.

cabre-schweigen-des-sammlersJaume Cabré – Das Schweigen des Sammlers

Eigentlich gepfuscht, denn der 10. Roman des Katalanen Jaume Cabré ist schon Ende 2011 erschienen. Aber seine Doppelbiographie eines Getriebenen und einer Geige mit tragischer Geschichte hat mich Anfang 2012 so bewegt, dass ich eine Ausnahme gerechtfertigt finde.

Das Schweigen des Sammlers ist alles andere als ein einfacher Roman. Cabré arbeitet mit Leitmotiven, verschiedenen Erzählperspektiven und einem ganzen Geflecht aus Rückblenden. Aber es lohnt sich, denn er ist leidenschaftlich erzählt, episch, bewegend und unverschämt spannend.

Gaito Gasdanow – Das Phantom des Alexander Wolf

gasdanow-phantom-des-alexander-wolfBin ich froh, dass der Hanser-Verlag den in den 70ern verstorbenen russischen Autor Gaito Gasdanow nach Deutschland gebracht hat, denn dieses Buch ist ein echtes Erlebnis: karg, elegant, kühl und trotzdem emotional. Der Ich-Erzähler, der als Junge im Bürgerkrieg einen Mann erschossen hat, liest Jahrzehnte später eine Geschichte, die genau diese Episode aus der Sicht des Opfers erzählt. Von dort ausgehend erzählt Gasdanow eine Parabel, in der Konzepte wie Wahrheit und Realität unaufhaltsam aus der Reichweite von Erzähler wie Leser verschwinden.

Ein fantastisches Buch. Zum ersten Mal in meinem Leben ärgere ich mich darüber, kein Russisch zu sprechen und warte sehnsüchtig auf die nächste Übersetzung.

Carol Birch – Der Atem der Welt (Jamrach’s Menagerie)

Carol Birch - Der Atem der Welt; Fischer VerlagDie Jury des Man Booker Prize 2011 hat vor allem Wert darauf gelegt, Bücher in die Shortlist zu nehmen, die Leute auch wirklich lesen wollen. Nach diesem Kriterium hätte Carol Birch mit ihrem historischen Roman eigentlich gewinnen müssen. Aber vielleicht war Der Atem der Welt der Jury inhaltlich zu nah an einem früheren Sieger: Die Protagonisten sind immerhin ein Junge, ein Tiger und ein Schiffbruch. Das Buch, das dabei herausgekommen ist, könnte sich aber kaum mehr von Yann Martels Life of Pi unterscheiden. Birchs Roman ist eine poetische Mischung aus Abenteuerromantik und bitterstem Realismus – und eine meiner intensivsten Leseerfahrungen in den letzten drei Jahren.

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David Monteagudo – Ende

monteagudo-endeSicher nicht der beste Roman, den ich dieses Jahr gelesen habe, aber so ungewöhnlich, dass er sich seinen Platz auf dieser Liste verdient hat. Eine Gruppe von ehemaligen Freunden verabredet sich 20 Jahre, nachdem sie sich aus den Augen verloren haben, in einer einsamen Berghütte – wo einer nach dem anderen verschwindet. Was wie ein Slasher-Film in Buchform klingt, ist tatsächlich etwas ganz anderes. Monteagudos Stil, der uns wie ein Drehbuch nur Dialog und Aktionen, nicht aber ihr Seelenleben verrät, ist so seltsam wie effektiv. Ende ist ein intensiver Roman, der tausend Fragen aufwirft und durchaus das ein oder andere zu sagen hat. Wer allerdings Antworten auf alle Fragen erwartet, die ein Buch aufwirft, und alle Handlungsstränge zu einem hübschen und ordentlichen Ende gebracht wissen will, wird Ende vermutlich am Ende gegen die Wand werfen. Wer ohne leben kann, sollte es versuchen – ein Erlebnis ist es in jedem Fall.

Kevin Wilson – Die gesammelten Peinlichkeiten unserer Eltern in der Reihenfolge ihrer Erstaufführung

Die beste FaKevin Wilson - Die gesammelten Peinlichkeiten unserer Eltern; Rechte: Luchterhandmiliengeschichte, die ich letztes Jahr gelesen habe, und eins der besten Bücher über Kunst, die ich überhaupt kenne; eine witzige, warmherzige und clevere Charakterstudie, eine Satire, eine ausführliche Diskussion der Frage „Was ist Kunst?“ – Mehr als ein halbes Jahr später bin ich immer noch völlig verliebt in dieses Buch.

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Stephanie Perkins – Anna and the French Kiss (Herzklopfen auf Französisch)

perkins-herzklopfen-auf-franzoesischJa, hinter diesem Cover verbirgt sich ein gutes Buch! Das mit Abstand romantischste, das ich letztes Jahr gelesen habe, um genau zu sein – und der Verlag verheizt es mit furchtbarem Titel in einer Taschenbuchreihe im Jugendbuch-Sektor irgendwo zwischen Gossip Girl und SciFi-Liebesgeschichten. Aber immerhin mit einem Sticker, auf dem steht: Für alle, die noch an die Liebe ohne Vampire glauben.

Viel mehr als eine Liebesgeschichte ohne Vampire ist Anna and the French Kiss nicht – aber Stephanie Perkins gelingt das seltene Kunststück, die Unsicherheiten der ersten großen Liebe und die tausend verschiedenen Arten von Gänsehaut auf den Leser zu übertragen.

Patrick DeWitt – Die Sisters Brothers

Die Sisters Brothers; Rechte: ManhattanEin Western aus der Sicht des etwas einfältigen Auftragskillers Eli Sister, der weichherzigeren Hälfte der notorischen Sisters Brothers. Ihr neuer Job hätte eigentlich Routine sein sollen – aber er verändert Eli unmerklich, und damit die wacklige Balance zwischen den Brüdern. Wesentlich leichtherziger als Tarantinos Django, aber trotzdem nicht weniger realistisch, nicht weniger gritty – und nicht weniger unterhaltsam.

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G. Willow Wilson – Alif the Unseen

Eine der großen willow-wilson-alif-unseenÜberraschungen des letzten Jahres – deswegen, weil dieser Genre-Mix so unwahrscheinlich scheint, aber auch, weil er so gut funktioniert: Die Geschichte von Alif, einem hoch talentierten Hacker aus den Slums einer namenlosen arabischen Stadt und seiner Begegnung mit der unsichtbaren Welt der Dschinn ist unterhaltsam, poetisch, spannend und wild-romantisch. Vor allem hat G. Willow Wilson, die mehrere Jahre als Journalistin in Kairo verbracht hat, die Finger  spitze mit der Mischung aus Märchen, moderner Kommunikationstechnologie, Theologie und politischem Kommentar direkt am Puls der Zeit.

Bislang ist Alif the Unseen nur im englischen Original erschienen.

Ernest Cline – Ready Player One

Ernest Cline: Ready Player One; Rechte: PenhaligonKai hat in seiner Popkultur-übergreifenden Jahresrückblick so präzise Worte für dieses Buch gefunden, dass ich ihn kurz zitieren möchte: „Pflichtlektüre für jeden, der auch nur ansatzweise an Popkultur interessiert ist.“

Abgesehen davon, dass Ernest Cline an jeder Ecke Popkultur-Referenzen fallen lässt, ist Ready Player One aber auch die spannendste Schnitzeljagd seit Dan Brown (und das, ohne dass man ständig ein schlechtes Gewissen haben muss, weil das, was man liest, maximal den Nährwert von MacDonalds hat). Ich jedenfalls habe ein atemloses Wochenende mit Ernest Clines Debüt verbracht.

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Laini Taylor – Daughter of Smoke and Bone

taylor-daughter-smoke-boneLaini Taylor ist es doch tatsächlich gelungen, dem gründlich totgetrampelten Genre ‚übernatürliche romantische Jugendromane‘ neues Leben einzuhauchen. Ihre Vermischung von Mythos, Urban Fantasy und Coming-of-Age-Romanze ist spannend, atmosphärisch und gut erzählt, steckt voll toller Ideen und mindestens genauso vieler Grauschattierungen, hat glaubhafte Charaktere – und mit Brimstone eine der interessantesten Vaterfiguren der Jugendliteratur.

 

Eure Meinung zum Artikel
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Antworten
  • 11. Februar 2013 auf 18:35

    Eine schöne Auswahl ist dir da gelungen. Bei Cabre und Carol Birch kann ich mich nur anschließen, beide Bücher habe ich mit großer Begeisterung verschlungen. „Das Phantom des Alexander Wolf“ steht bereits sehr lange auf meiner Wunschliste, nun wird es wohl endlich gekauft werden.

  • 12. Februar 2013 auf 10:23

    Ready Player one & Sisters Brothers stehen schon auf meiner To-read Liste. Jetzt sind noch ein paar dazugekommen.

  • Jarg
    14. Februar 2013 auf 23:07

    Eine vielfältige Auswahl. Monteagudo liegt bei mir schon auf dem Stapel, Cline und Birch merke ich mir mal vor. Übrigens werdet Ihr mittlerweile auf bibliotharischen Lektoratsbesprechungen zitiert – gerade heute kam mir eine unter. Qualität strahlt halt aus … 😉

    • 15. Februar 2013 auf 11:07

      Ich bin sehr gespannt was Du dazu sagst, das kann ich ja dann sicher bei Dir nachlesen. Vor allem, ob Dich Endes Ende frustriert oder nicht, interessiert mich.
      Das ist ja eine tolle Nachricht! Danke – auch für das Kompliment =)

      • Jarg
        15. Februar 2013 auf 22:38

        Monteagudo klingt auf jeden Fall nach einer Rezension. Bei den anderen bin ich gespannt – und hoffe, dass ich bald dazu komme, sie zu lesen …
        Herzlich grüsst
        Jarg

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